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Hans Traxler: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOriginaltitel, 1963

Georg Ossegg, ein Studienrat aus Aschaffenburg, macht etwas, was vor ihm noch niemand gemacht hat: Er liest das Märchen von Hänsel und Gretel wie einen Tatsachenbericht. Damit ist er der Begründer der Märchiologie. Und Hans Traxler hat das alles genaustens dokumentiert.
Das Buch beschreibt die Ausgrabungsarbeiten des Georg Ossegg und seine Folgerungen daraus:

„War die „Knusperhexe“ das Opfer eine vorkapitalistischen Wirtschaftsverbrechen?“

1962 beginnt Ossegg mit der Forschung im Hexenwald im Spessart. Fast sofort entdeckt er die verblüffende Ähnlichkeit ein Waldweges – genauso wurde der Waldweg, den Hänsel und Gretel entlang gingen, im Märchen gezeichnet. Aber das Vaterhaus von Hänsel und Gretel ist nicht mehr zu finden – eine neuzeitliche Autobahn nimmt den Platz ein. Was wollten die Brüder Grimm hier vertuschen?
Ossegg führt Ausgrabungen durch, er findet die Ruinen des Hexenhäuschens. Vier Backöfen hatte die Hexe – und in einem liegt ein Skelett… Und dann findet er altes Backzeug und ein uraltes Rezept – „der wichtigste Fund“.

Außerdem gibt es einen ausführlichen Anhang: Zum einem mit dem Märchen der Brüder Grimm, dann Literaturhinweise, einer Zeittafel, Ausschnitten aus Zeitungsartikeln der 60er Jahre, Leserbriefe an Hans Traxler.


Ich fand das Buch genial! Die Erstausgabe erschien 1963 und wurde zunächst nicht als das erkannt, was es ist: Eine geniale Satire. Zahlreiche ausländische Verlage witterten eine wissenschftliche Sensation, das Kulturamt in Recklinghausen will Ossegg zu einem Vortrag einladen, Schulklassen pilgern in den Spessart, um dort selbst Ausgrabungen vorzunehmen…aber es gab gar keinen Ossegg. Das war Traxler selber mit falschen Schnauzer und Brille. Die Ausgrabungsfotos wurden auf einer Frankfurter Großbaustelle geknipst. Das Backzeug stammte aus der Puppenküche seiner kleinen Tochter.

Anfang 1964 enthüllte der Autor, das alles nur ein Scherz gewesen war. Ein Rechtsanwalt fühlte sich so geschädigt, das er Anzeige wegen Betruges erstatte. Das Verfahren wurde eingestellt.
Das Buch wurde auch verfilmt, allerdings ist das Ergebnis laut Traxler eine Katastrophe.

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