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Herny Fielding: Tom Jones. Die Geschichte eines Findelkindes.

Originaltitel: The History of Tom Jones, a Foundling, 1749
5 Sterne

Der Gutsherr Allworthy findet einen Säugling und zieht das Kind als Pflegesohn groß. Das Kind gedeiht prächtig, fast zu prächtig, wie die Familie findet – vor allem, als Tom sich in das Nachbarmädchen verliebt, die eigentlich für Allworthys Neffen vorgesehen ist. Tom muss das Haus verlassen und geht nach London – und seine Reise und die Erlebnisse in London werden auf das ausführlichste geschildert.
Das Buch ist mit etwa 1200 Seiten ein richtig dicker Schinken. Aufgeteilt in 18 Bücher, jedes davon in mehrere Kapitel unterteilt. Am Anfang eines Buches wird immer der Zeitraum genannt, in der die Geschichte spielt, z.b. „Behandelt ein Jahr“ (Viertes Buch).
Der Autor macht viele Abschweifungen: die Heirat von Miss Allworthy, Schwester des Gutsherrn, seine Gedanken zur Ehe…trotzdem empfand ich das Buch eigentlich gut lesbar.
Tom wirkt auf mich wie jemand, der das Herz am rechten Fleck hat, aber durchaus auch zu Streichen aufgelegt ist. Sein Cousin, Blifil, ist dagegen immer bemüht, bei den Hauslehrern gut dazustehen. Da Tom unehelich ist, haben seine Hauslehrer auch große Vorbehalte gegen Tom und bevorzugen seinen Cousin.

Kurios sind auch die Überschriften der einzelnen Kapitel: „Bringt wenig oder nichts“ – „Vier Seiten Papier“, aber auch „Ein Kampf, den die Muse im Homerischen Style besingt und der nur dem mit den Classikern vertrauten Leser zusagen kann“.
Auf den ersten 300 Seiten ging es noch sehr um die Kindheit von Tom Jones und das Leben seiner Familie/Lehrer/Nachbarn. Aber nachdem er erwachsen ist und sich schließlich in die Nachbarstochter verliebt, wird es außerordentlich amüsant. Tom bemüht sich zwar, aber mit der Treue harpert es doch etwas. Aber irgendwie ist er so liebevoll gezeichnet, das ich es ihm überhaupt nicht übl nehmen kann.

Die vielen Irrungen, die Tom auf der Reise passieren – köstlich! Ich war immer ganz gespannt, was sich Fielding noch alles an Abenteuern einfielen ließ. Neben den beiden Hauptpersonen gibt es eine Unmenge an Nebenfiguren: erboste Väter, abgewiesene Freier, Gastwirte, Soldaten, ungehaltene Rivalen und Rivalinnen, treue und untreue Dienerschaft, immer wieder unverhoffte Kehrtwendungen… Der Lesefluss wird allerdings am Anfang eines jeden Buches unterbrochen: Das erste Kapitel enthält jeweils eine Art Essay über die unterschiedlichsten Themen: Liebe, Prologe und immer wieder über das Schreiben, Leser, Autoren und die Literaturkritiker der damaligen Zeit.

Die Charaktäre sind alle sehr humorvoll dargestellt. Immer wieder kommen einige satirische Bemerkungen (an einer Stelle wird die Ehe als gesellschaftlich akzeptierte Prostitution bezeichnet – leider finde ich die genaue Seite nicht mehr) von einer der Figuren, bei denen ich mich fragte, wie die Zeitgenossen von Fielding wohl darauf reagiert haben?

Fazit: Auch wenn man am Anfang lange braucht, um in die Geschichte hineinzufinden – es lohnt sich definitiv!

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