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Katharine Mansfield: Sämtliche Erzählungen

Originaltitel / Erscheinungsjahr unbekannt

5 Sterne

Ich habe vor mehreren Jahren schon einmal eine Reclam Ausgabe mit einem kleinen Teil ihrer Erzählungen gelesen. Bereits dieser kleine Teil hat mich damals begeistert.
Als ich dann zufällig auf diese Ausgabe gestossen bin, habe ich sie mir daher sofort gekauft.
Es gibt mehrere Ausgaben ihres Gesamtwerkes auf deutsch, zur Zeit sind sie alle nur noch gebraucht zu kaufen. Meine Ausgabe aus dem Fischer-Verlag (erschien 1991) besteht aus mehreren Einzelbänden in einem hübschen Schuber und enthält folgende Bücher:

In einer deutschen Pension (116 Seiten)
Inhalt (Buchinnenseite): Im Herbst 1909 hielt sich Katherine Mansfield in einer Pension in Bad Wörishofen auf, um sich von den Nachwirkungen einer Fehlgeburt zu erholen. In dieser Zeit entstanden satirischen Skizzen, die 1911 unter dem Titel In einer deutschen Pension gesammelt veröffentlicht wurden.
14 kurze Erzählungen sind es, die fast alle in einer deutschen Pension spielen. Die Geschichten sind auch heute noch sehr humorvoll zu lesen, teilweise übt Katherine Mansfield hier beissende Kritik an der Verehrung der Deutschen für Adel. In der Erzählung „Der Baron“ wird von einem alten Baron erzählt, der so hoch über den anderen Kurgästen steht, das er von niemanden angesprochen wird und seine Essen deshalb immer alleine einnehmen muss.
Eine Ausnahme bildet Das KIND-DAS-MÜDE-WAR (nein, das ist kein Schreibfehler von mir). Hier wird von einem jungen Mädchen erzählt, das als Kindermädchen arbeitet und völlig überfordert ist – diese Geschichte ist in keinster Weise lustig, aber sehr eindringlich geschildert.

Glück (216 Seiten)
Inhalt (Buchinnenseite): Glück beschreibt Ekel und Abscheu vor dem Society-Getue und der albernene Geschraubtheit der Bloomsbury-Group . Die Erzählungen spielen Neuseeland, Paris und London, sie kehren in Andeutungen immer wieder zum Autobiografischen zurück.
Auch in diesem Band sind 14, teilweise auch längere, Erzählungen enthalten. In „Glück“ geht es um Berthe Young, die plötzlich das vollkommene Glück erlebt – der Tag ist einfach perfekt, auch das Kindermädchen kann daran nichts ändern. Aber am Abend wendet sich das Glück ebenso schnell wieder, als sie bemerkt, das ihr Mann sie betrügt.

Das Gartenfest (200 Seiten)
Inhalt (Buchinnenseite): Die in diesem Band zusammengefassten Erzählungen lassen die Welt der jungen Katherine Mansfield in Neusseland erstehen. Mit scheinbar einfachsten Mitteln beschreibt sie scheinbar mühelos einen Ausschnitt „Leben“.
Hier sind es 15 Erzählungen. Die Titelgeschichte handelt von den Vorbereitungen zu einem Gartenfest, die durch den Tod eines Arbeiters gestört werden. Noch besser hat mir „Die Töchter des jüngst verstorbenen Colonel Pinner“ gefallen. Constantia und Josephine, die ältlichen Töchter des alten Colonels haben auch nach dem Tod immer noch Angst vor ihrem Vater. Das geht soweit, das sie die Beerdigung bedauern – denn, was hätte der strenge Vater gesagt, wenn er einfach so beerdigt wird?

Etwas Kindliches, aber sehr natürliches (231 Seiten)
Inhalt (Buchinnenseite): Die Sinnlosigkeit des Krieges, Träume und wieder die Heimat Neuseeland sind einige der Themen dieser Sammlung.
Dieser Band enthält 26 Erzählungen. Beeindruckend fand ich vor allem „Die Frau im Kaufladen“, die auf dem Land in Neuseeland spielt. Eine Gruppe Männer reitet über das Land und kommen zu einem kleinem Laden. Die Besitzerin, eine bittere, verbrauchte Frau erzählt ihnen, das ihr Mann beim Schafe scheren sei, seid einem Monat. Die Männer verbringen die Nacht bei ihr, einer schläft mit ihr, seine Kumpanen müssen im Laden auf den Boden schlafen, wo auch das kleine Kind der Frau die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen malt das Kind ein Bild und zeigt es den Männern: darauf ist eine Frau zu sehen, die einem Mann erschiesst.

Das Taubennest (152 Seiten)
Inhalt (Buchinnenseite): Die Erzählungssammlung „Das Taubennest“ erschien 1923, John Middleton Murry gab sie kurz nach ihrem Tod heraus. Die ersten sechs Erzählungen hatte die Autorin für diesen Band vorgehsehen, die übrigen, unvollendeten, suchte Murry aus ihrem Nachlass heraus.
Sehr bekannt ist „Die Fliege“. Der Chef einer namenlosen Firma trauert um seinen Sohn, der Jahre zuvor im Krieg gefallen war. Da bemerkt er eine Fliege, die ins Tintenfass gefallen ist und sich nicht alleine retten kann.
Die unvollendeten Erzählungen, insgesamt 15, sind ebenfalls sehr schön – schade, das Katherine Mansfield sie nicht mehr beenden konnte.

Neben den Erzählungen enthält der Schuber auch einen schmalen Band mit einer kurzen (76 Seiten) Biografie von Elisabeth Schnack über Katherine Mansfield. Hier ist einiges über ihr Leben in Neuseeland und in Europa beschrieben, dazu gibt es auch Fotos aus Neuseeland, Katherine Mansfield und weiteren Personen aus ihrem Leben.

Auch wenn ich einige Erzählungen zum zweiten Mal gelesen habe, sie begeistern mich immer wieder.