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Joachim Scholl: 50 Klassiker Deutsche Schriftsteller. Von Grimmelshausen bis Grass

Originaltitel, 2007
5 Sterne

Wer ein Buch aus der Reihe der 50 Klassiker kennt, der weiß, wie die Bücher aufgebaut sind: Zu jedem Schriftsteller gibt es ein Essay, drei bis fünf Seiten lang, dem sich eine Seite mit den Fakten anschließt. Es gibt Fotos der jeweiligen Schriftsteller, teilweise auch ihrer Familien, ihrer Buchcover. Sehr schön finde ich auf der Faktenseite immer die Tipps: Es werden jeweils fünf Werke des jeweiligen Schriftstellers vorgeschlagen, weiterführende Literatur, eventuelle Verfilmungen, Hörbücher, Museen…

Der Titel ist insofern irreführend, da hier nicht nur Deutsche Schriftsteller vorgestellt werden, sondern überhaupt Schriftsteller aus dem deutschsprachigem Raum – was auch gut ist, denn sonst würden so bekannte Autoren wie Stefan Zweig, Franz Kafka oder Hermann Hesse fehlen.

In der Einleitung am Anfang – die man auch wirklich am Anfang lesen sollte! – geht Joachim Scholl auf die Auswahl ein. Frauen sind hier überhaupt nicht vertreten – sollen aber ein eigenes Buch bekommen. Auf lebende Schriftsteller hat Joachim Scholl ganz verzichtet – bis auf eine Ausnahme: Günter Grass. Denn,

„seine internationale Bekanntheit und weltlitarische Wirkung hat kein zweiter Landsmann im letzten drittel des 20. Jahrhundert erreicht.“

Mir persönlich hat die Auswahl gut gefallen, es waren einige unbekannte Namen dabei (weder von Andreas Gryphius noch Heimito von Doderer habe ich je gehört – ist das eine Bildungslücke?), aber wenn ich die Auswahl getroffen hätte, wäre sie nicht viel anders ausgefallen. In den Essays erfährt man teilweise auch amüsantes: Klopstock liebte Schlittschuhlaufen, Lichtenberg war ein kurzer Zwerg mit Buckel, der aber einen unglaublichen Erfolg bei Frauen hatte, Arthur Schnitzler trug jeden einzelnen Geschlechtsverkehr in sein Tagebuch ein und Arno Schmidts Vorstellung einer idealen Ehefrau war „stumme Anbetung, die auch Maschine schreiben kann“. Er und seine Frau redeten zum Schluss übrigens nur noch über das Haustelefon.

Ich fand das Buch einfach toll, es ist sehr flüssig geschrieben, schön zum Schmöckern und auch als Nachschlagewerk geeignet. Meine Wunschliste hat es auch bereichert.

5 Comments

  1. Gelesen habe ich noch keinen der „50 Klassiker“, aber rate mal, was nach deiner Rezension ganz oben auf der fiktiven Liste für die Sachbuch-Challenge steht … Wobei ich mich dann allerdings eher den Schriftstellerinnen widmen werde. :D

    • ;)
      Die Schriftstellerinnen sind aber auch zum empfehlen! Ich habe beide Bücher und dann noch Romane vor 1900 und Romane des 20. Jahrhunderts. Und halt erotische Literatur, welches ich ja gerade lese.

      Ich mag den Aufbau – wie kleine Appetithäppchen. ;)

      • Das klingt gut. Jetzt muss ich nur noch überlegen, ob ich das Buch als Challengestarter benutze oder im Hintergrund halte für eine Durststrecke. ;)

      • Hihi, ich auch! Und ich habe jetzt auf einmal große Lust auf Sachbücher, obwohl ich eigentlich ganz andere Sachen machen sollte.

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