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Mark Z. Danielewski: Das Haus

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOriginaltitel: House of Leaves, 2000
5 Sterne

Untertitel:

Und falls Sie irgendwann einmal zufällig an diesem Haus vorbeikommen sollten, bleiben Sie nicht stehen, gehen Sie auch nicht langsamer, sondern gehen Sie einfach weiter. Da ist nichts. Seien Sie vorsichtig…

Ein äußerst seltsames Buch über ein Haus, einen Fotografen und dessen Familie, ein junger Mann, der in Thumper verknallt ist, ein Buch, das teilweise auf dem Kopf geschrieben ist, das verdrehte Sätze hat, Seiten, auf denen nur ein Wort steht…ich fands genial!

Johnny Truant, ein junger Mann – er verdient sein Geld in einem Tätowierladen, ist eine Stripperin verknallt, die er „Thumper“ (= Klopfer aus Bambi) nennt. Nebenbei zieht er mit seinem Freund ständig durch die Bars und experimentiert mit allen möglichen Drogen.

Dieser Typ findet eines Tages ein Manuskript über den Dokumentarfilm „Der Navidson Record“, der aber nie gezeigt wurde. Der Film handelt von einem alten Haus in Virginia, in dem der Fotograf Navidson zusammen mit seiner Familie einzieht. Bald bemerkt Navidson, das sein Haus seltsam ist. Im Inneren taucht plötzlich ein dunkler Flur auf. Jedes mal, wenn er den Flur betritt, dehnt sich der Gang weiter aus, weitere Abzweigungen tauchen auf. Dazu kommt so ein merkwürdiges Grollen… Nachdem er sich fast verirrt hat holt er sich Hilfe von außerhalb. Doch so leicht läßt sich so ein Haus nicht erforschen…

Das klingt jetzt eigentlich recht gradlinig, der Text wird immer wieder unterbrochen. Denn gleichzeitig wird auch über Johnny Truant berichtet, der, je mehr er in das Manuskript eintaucht, immer verstörter wird. Er fühlt sich verfolgt, reagiert immer wahnhafter.

Außerdem gibt es noch andere Unterbrechungen, Abschweifungen über z.b. Echos und Fotojournalismus im Digitalzeitalter.
Als ich das Buch angefangen habe und über das „Echo-Kapitel“ fast verzweifelt bin, wollte ich das Buch schon abbrechen. Aber so schnell gebe ich dann doch nicht auf. ;)
Es gibt immer wieder Abschnitte, bei denen ich mich kopfschüttelnd frage, was das eigentlich soll. Seitenweise werden da Häuser oder Filme aufgezählt. Dann gibt es Teile, die in Spiegelschrift geschrieben sind (gut, das ich in meinem Nachtkästchen einen kleinen Handspiegel liegen habe). Andere Sätze stehen auf den Kopf.
Es gibt massenhaft Fußnoten und manchmal haben auch diese wieder Fußnoten. Die äußere Gestaltung erinnert mich sehr an „Tristram Shandy“ von Laurence Sterne.
Die Geschichten selber ist auch völlig verschlungen erzählt. Immer wieder wird der Erzählfluss unterbrochen und man braucht schon einiges an Konzentration. Trotzdem konnte ich es kaum aus der Hand legen.
Und selbst wenn man den Roman selbst geschafft hat, dann bleibt einem der über 100 Seiten dicke Anhang. Da werden u.a. „Beweisstücke“ vorgelegt und es gibt mehrere Gedichte (ich habe keine Ahnung, was eigentlich die „Pelikangedichte“ bedeuten sollten). Den größten Raum nehmen die Briefe ein, die Johnny Truants Mutter an ihren Sohn schrieb.

Ich habe selten ein Buch so verschlungen. Teilweise war ich genervt von dem schweren Buch, das ich andauernd herumdrehen mußte, damit ich es überhaupt lesen konnte. Einige Teile des Buches habe ich auch schlicht und ergreifend nicht kapiert. Ich frage mich, ob es überhaupt jemanden gibt, der alles verstanden hat, aber vielleicht lag das auch nicht in der Absicht des Autors.

Ich werde das Buch bestimmt noch einmal lesen, denn ich glaube, das mir dann bestimmt noch viele Dinge auffallen, die ich diesmal nicht bemerkt habe.

Eigentlich ist der Horror hier eher subtil – wer hier spritzendes Blut erwartet, der wird enttäuscht. Mir hat das gereicht (ich fand meinen eigenen Keller danach gruselig).

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