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Vikas Swarup: Immer wieder Gandhi

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  • Originaltitel: Six Suspects, 2008
  • Bewertung: 4 von 5 Sternen

Vicky Rai, ein korrupter Unternehmer und Sohn eines noch korrupteren Politikers wird des Mordes an einem Barmädchen freigesprochen. Obwohl es mehr als 50 Augenzeugen gab.
Und diesen Freispruch feiert mit er einer rauschenden Party. Doch genau auf dieser Party wird er ermordet. Bei sechs der Anwesenden findet die Polizei eine Waffe: Eine Schauspielerin aus Bollywood, der Vater des Getöteten, ein Stammesangehöriger von den Andamanen, ein Dieb, ein Politiker und ein amerikanischer Tourist.
Doch wer der von den sechs hat Vicky Rai getötet? Einen Grund hatten sie alle. Doch wie kam es überhaupt, das sechs so unterschiedliche Menschen auf der Feier waren?

Der Aufbau der Romans ist etwas ungewöhnlich. Den Anfang macht ein Journalist mit einem Beitrag, in dem ankündigt, das er den Mörder finden will. Danach beginnt der eigentliche Roman. Jeweils aus Sicht einer der Personen wird in einzelnen Kapiteln erzählt, wie sie zu Vicky Rai standen und warum sie ein Motiv hatten.
Teilweise wird das in Ich-Form erzählt, beim Stammesangehörigen ist es dagegen ein neutraler Erzähler. Besonders kompliziert ist es beim Vater von Vicky Rai, denn hier werden Seitenweise die unterschiedlichsten Telefongespräche wiedergegeben – sonst nichts. Gerade den Teil muss man recht aufmerksam lesen, weil die Vielzahl an Namen, mit denen Jagannath Rai telefoniert, etwas verwirrend ist.

Auch wenn in dem Klappentext von einem „Krimi“ erzählt wird, ist das Buch in meinem Augen kein Krimi. Stattdessen wird aus dem Leben der unterschiedlichsten Personen erzählt, die nichts miteinander gemeinsam haben. Teilweise war es mir ein bisschen zu schwarz-weiß gehalten, vor allem bei Larry, dem amerikanischen Touristen. Der ist teilweise so doof einfach strukturiert, das es mir schon fast körperlich wehtat. Auch Shabnam, die Schauspielerin, handelt teilweise mehr als nur ein bisschen naiv. Und ich glaube einfach nicht, das eine Schauspielerin in Bollywood, die sich von einem kleinen Dorfmädchen zum Star hochgearbeitet hat, so naiv ist.

Ich war noch nie in Indien, aber manches kam mir einfach zu übertrieben, zu märchenhaft vor. Und warum hier auch noch die Al Kaida mitspielen muss, weiß ich auch nicht. Im Gegensatz zu „Rupien! Rupien!“ (verfilmt unter dem Titel „Slumdog Millionair“), das doch ein irgendwie versöhnliches Ende hatte, bleibt einem bei diesem Buch eher das Lachen im Hals stecken.
Gleichzeitig habe ich das Buch aber auch sehr gerne gelesen. Wegen dieser Kritik gibt es aber Punktabzug.

Das Cover, das man für das Taschenbuch gewählt hat, finde ich sehr schön. Mir gefallen die grellen Farben in dem Fall gut. Den Titel finde ich allerdings nicht so toll, da wäre eine 1:1 Übersetzung des englischen Titels besser gewesen. Den Gandhi hat in dem Buch eher eine winzige Nebenrolle. Aber wahrscheinlich klang „Sechs Verdächtige“ für den Verlag nicht indisch genug. ;)

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