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[Rezension] Arto Paasilinna: Vom Himmel in die Traufe

  • Originaltitel: Tuomiopäivän Aurinko Nousee, 1997
  • Bewertung: 3 von 5 Sternen

Es ist Frühsommer in Nordfinnland. Der Holzfäller Hermanni Heiskari sitzt gerade grübelnd an einem Eisloch und warte auf Fische, die anbeißen. Doch da stürzt ein Heißluftballon an, an Bord ist Lena Lundberg. Die ist die reiche Besitzerin einer Reederei auf den finnischen Åland Inseln. Doch nun hat sie sich bei dem Sturz die Hüfte ausgerenkt und ist auf die Hilfe von Hermanni angewiesen.
Der ist darüber zwar recht mürrisch, tut aber trotzdem, was seine Pflicht ist. Lena dagegen findet den rauhen Holzfällerburschen durchaus anziehend. So sehr, das sie nach der Rückkehr in die Zivilisation beschließt, diesen Mann zu heiraten. Doch vorher muss Hermanni umerzogen werden, den so einen ungebildeten Mann kann sie nicht ehelichen. Also schickt sie ihren Onkel Ragna zu Hermanni, der sich ganz und gar der Umerziehung, der „Menschwerdung“ widmet.
Hermanni ist zunächst recht überrascht, als Ragna plötzlich bei ihm auftaucht. Den eigentlich hatte er Lena schon abgeschrieben. Doch als er hört, das Lena ihn heiraten will, ist er Feuer und Flamme, denn irgendwie hat er sich auch ein bisschen in Lena verliebt.
Ragna dagegen hat seine Mühe mit Hermanni. Der Mann, der nicht mal einen richtigen Koffer besitzt, aber schon seit Jahren an einem Plan arbeitet, der die Arbeitslosen zur Revolution treiben soll, kann mit Benimmregeln nicht viel anfangen.

Der erste Hälfte des Buches spielt in Finnland, wobei der Autor genau beschreibt, wann welche Orte aufgesucht werden. Gerade der Teil hat mir sehr gut gefallen, was wohl auch daran liegt, das ich das Buch direkt vor Ort in Finnland gelesen habe. Es hat schon was ganz besonderes, wenn man um Mitternacht an einem nordfinnischen See liegt und kichernd von dem Weihnachtsdorf in Rovaniemi liest, das man erst ein paar Stunden in der Realität besucht hat.

Gleichzeitig muss ich mir aber auch die Frage stellen, ob mir das Buch auch gefallen hätte, wenn ich zu Hause gelesen hätte. Beantworten kann ich das aber nicht.
In der zweiten Hälfte des Buches machen die beiden Männer eine Weltreise, um Hermannis Bildung zu vervollständigen. Gerade da wird das Buch dann ziemlich abgedreht – das ist zwar bei Paasilinna normal, war mir diesmal zu viel. Vor allem Herrmannis ständige Ausführungen zur Revolution fand ich dann doch recht ermüdend.
Insgesamt ist das Buch in einer klaren Sprache geschrieben. Teilweise ist der Roman völlig grotesk, vor allem, wenn beschrieben wird, wie viele Tränen die Revolution wohl kosten wird…

Das Ende ist recht überraschend und offen. Vielleicht greift Paasilinna das in einem anderen Buch nochmal auf – vielleicht hat er es auch schon getan, denn die Originalausgabe ist schon 1997 erschienen und es sind noch längst nicht alle Bücher ins deutsche übersetzt worden.
Es gibt aber eine Verbindung zu einem andrem Buch. Die beiden Hauptfiguren aus Ein Bär im Betstuhl tauchen hier einmal kurz auf. Kennen muss man das Buch aber nicht.

Fazit: Rabenschwarz, grotesk, abgedreht – aber leider auch langatmig.

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