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[Rezension] Delphine de Vigan: No & ich

  • Originaltitel: No et moi, 2007
  • Bewertung: 4 von 5 Sternen

Lou ist dreizehn Jahre alt und hochintelligent. Doch das hilft ihr leider nicht besonders, denn ihre Probleme kann sie nicht mit wissenschaftlichen Experimenten lösen.
Seit dem Tod ihrer kleinen Schwester hat sich ihr Leben verändert. Ihre Mutter leidet nun unter starken Depressionen, oft verbringt die ganze Tage im Bett. Am schlimmsten ist aber für Lou, das ihre Mutter nicht mehr mit ihr spricht. Es ist, als sein sie ihrer Mutter völlig gleichgültig. Ihr Vater versucht sein bestes, doch er alleine kann ihr die Familie nicht ersetzen.
Am liebsten betrachtet Lou  die Menschen am Bahnhof, beobachtet ihre Emotionen:

Dienstags und freitags, wenn ich früher aus der Schule komme, gehe ich oft zur Gare d’Austerlitz. Ich gehe hin und sehe mir die abfahrenden Züge an, wegen der Gefühlsbewegungen, die beobachte ich nämlich gern, die Gefühle anderer Leute, deshalb verpasse ich im Fernsehen auch kein Fußballspiel, ich liebe es, wenn sich die Leute nach einem Tor umarmen, sie rennen mit hochgestreckten Armen herum und umhalsen sich, und auch in Wer wird Millionär?: Man muss die Mädchen nur sehen, wenn sie die richtige Antwort gegeben haben, sie halten sich die Hände vor den Mund, werfen den Kopf in den Nacken, stoßen Schreie aus und so, und dabei stehen ihnen dicke Tränen in den Augen. Auf den Bahnhöfen ist es anders, die Gefühle lassen sich aus den Blicken erraten, aus den Gesten und Bewegungen, da trennen sich Liebespaare, Großmütter reisen wieder ab, Damen in weiten Mänteln lassen Herren mit hochgeschlagenen Kragen zurück oder umgekehrt, und ich beobachte diese Leute, die fortgehen, man weiß weder wohin noch warum, noch für wie lange, durch die Scheibe hindurch verabschieden sie sich, sie winken diskret oder rufen laut, obwohl man sie sowieso nicht hören kann. (S. 13)

Dort am Bahnhof lernt sie No kennen, mit der sie nichts gemein hat. No ist bereits 18 Jahre alt und obdachlos. Lou will No gerne helfen, doch wie soll sie das machen?
Doch schließlich kann Lou ihre Eltern überreden und No zieht bei ihren Eltern ein. Doch damit sind die Probleme noch lange nicht gelöst.
Der Schreibstil zeichnet sich durch lange, verschlungene Sätze aus, ist aber trotzdem leicht zu lesen. Einerseits ist alles sehr leicht erzählt, andererseits ist es sehr melancholisch und tragisch. Manchmal gibt es komische Stellen, aber insgesamt würde ich die Stimmung in dem Buch eher als melancholisch beschreiben.
Während Lou die Welt durch ihre Augen beobachtet und sich ihre Gedanken dazu macht, ist No ganz anders. Irgendwann hat sie aufgegeben und jetzt schafft sie es nicht mehr ins „normale“ Leben zurück.

Ich habe für das Buch relativ lange gebraucht, denn das Buch braucht einfach volle Aufmerksamkeit. Gleichzeitig hatte ich auch Angst davor, wie die Geschichte ausgehen würde und davor, das No wieder irgendwas „dummes“ anstellen würde.

Fazit: Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, sehr eindrucksvoll beschrieben.

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