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[Rezension] Alina Bronsky: Scherbenpark

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  • Originaltitel, 2008
  • Leseprobe
  • Bewertung: 4 von 5 Sternen

Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei, und für keinen brauche ich mich zu schämen. Ich will Vadim töten. Und ich will ein Buch über meine Mutter schreiben. Ich habe auch schon einen Titel: „Die Geschichte einer hirnlosen rothaarigen Frau, die noch leben würde, wenn sie auf ihre kluge älteste Tochter gehört hätte“. Vielleicht ist das nur ein Untertitel. Ich habe Zeit, es mir genau zu überlegen, denn ich habe noch nicht angefangen zu schreiben. (Seite 9)

Sascha Naimann ist 17 Jahre alt. Ziemlich intelligent, ist sie an einem angesehenen Gymnasium aufgenommen worden, obwohl sie in einer von Russlanddeutschen bewohnten Hochhaussiedlung lebt, dem Scherbenpark.
Dort lebt sie nach dem Tod ihrer Mutter mit ihren beiden jüngeren Geschwistern und einer entfernten Verwandten.

Allerdings haben die drei Geschwister schon einiges durchgemacht – ihr Stiefvater hat ihre Mutter und deren neuen Partner vor ihren Augen umgebracht. Kein Wunder, das ihr Bruder in einer Therapie ist. Doch Sascha hat sowas nicht nötig – sie muss sich um die Geschwister kümmern, um Maria, die entfernte Verwandte, die extra aus Russland kommt und ihr Vormund wird. Aber Maria kann kaum deutsch und so muss Sascha immer wieder für sie übersetzen.

Als Leser wird man sofort in die Story reingeworfen. Was genau mit Sascha und ihrer Mutter passiert ist, erfährt man erst wie beiläufig nach einigen Seiten. Und so ist auch der ganze Tonfall im Buch. Der ganze Roman ist in einem hohen Tempo geschrieben. Die Erlebnisse, die Sascha erzählt, sind tragisch, manchmal auch komisch.
Sascha ist keine strahlende Heldin, sondern nur ein einfaches Mädchen, das versucht, das beste aus ihrem Leben zu machen. Nicht alle ihre Entscheidungen machen Sinn, aber anders kann sie nicht. Da die Ereignisse aus der Sicht von Sascha erzählt werden, konnte ich mich auch wunderbar in sie hineinversetzen. Aber gerade in der Mitte des Buches fand ich einige ihrer Entscheidungen ziemlich seltsam. Dadurch wirkt das Geschehen etwas abstrus.

Die Nebencharaktere sind durch allesamt noch ziemlich klischeehaft – übergewichtige, stark geschminkte russische Mamas, trinkende Väter. Wirklich gestört hat mich das jedoch nicht, dazu bietet das Buch einfach beste Unterhaltung.
Nachdem mich letzte Jahr schon Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche begeistert hat, ist Alina Bronsky nun endgültig in die Riege der Autorinnen gelandet, von denen ich mehr lesen möchte.

Fazit: Schnell. Laut. Cool. Tolle Unterhaltung – trotz einiger Klischees.

2 Comments

  1. "Die Geschichte einer hirnlosen rothaarigen Frau, die noch leben würde, wenn sie auf ihre kluge älteste Tochter gehört hätte" hört sich großartig an – das Buch werde ich mal im Auge behalten!Vielen Dank für deine Liste / dein Label mit dem magischen Realismus! Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass Murakami ja auch dazu gehört, "Kafka am Strand" fand ich wirklich toll und wollte seitdem immer mal ein weiteres Buch von ihm lesen… Das muss ich jetzt endlich mal in Angriff nehmen. Und dass es zu "Zauberhafte Schwestern" sogar ein Buch gibt, wusste ich auch noch nicht. Den Film fand ich damals ganz gut, aber von der Handlung ist kaum was hängen geblieben, also könnte ich es mit dem Buch auch mal probieren. Die Wunschliste wächst und wächst mal wieder :-)Liebe Grüße von deiner Bücherdiebin!

  2. "Kafka am Strand" war meine Einstiegsdroge in Murakami und ich habe mittlerweile alles gelesen (außer den Sachbüchern). Es ist nicht alles gleichgut, aber richtig schlecht fand ich keines. ;)Den Film "Zauberhafte Schwestern" hatte ich auch mal gesehen und naja – ich fand den eher mittelmäßig. Das Buch habe ich erst später gelesen und das hat mich richtig von den Socken gerissen. Gibt es nur noch gebraucht, aber vielleicht findest du es mal auf einen Flohmarkt.

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