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[Rezension] Eva Baronsky: Magnolienschlaf

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  • Originaltitel, 2011
  • Genre: Erzählung
  • Bewertung: 5 von 5 Sternen

Mein erstes Buch aus der onleihe. ;)
Berlin, 1945: Wilhelmine versteckt sich vor den Bombenangriffen wie alle anderen in einem Bunker. Ihre kleine Tochter ist dabei.
Gerüchte machen unter den Frauen die Runde, von schrecklichen Schändungen durch russische Soldaten. Und als aller erstes werden die Soldaten über Wilhelmines Tochter herfallen, sagen die Frauen.
Damit macht das Buch einen Schnitt und die Erzählung setzt in der heutigen Zeit ein. Wilhelmine ist alt geworden. Geistig ist sie klar, obwohl sie schon über 90 Jahre alt ist. Aber nach einem Unfall ist sie auch ständige Pflege angewiesen.
Pflege, die ihre Nichte Karin nicht leisten kann und will. Also macht Karin das, was viele in ihrer Lage machen – sie heuert eine 24 Stunden Pflegekraft aus Osteuropa an.
Jelisaweta ist 23 Jahre alt, sie kommt aus Smolensk in Russland. Dort hat sie als Krankenschwester gearbeitet und sie spricht deutsch. Für die Aufgabe als Wilhelmines Pflegerin scheint sie wie geschaffen zu sein.

Zu Beginn der Erzählung verstehen sich die beiden so unterschiedlichen Frauen gut. Doch dann erfährt Wilhelmine, das ihre neue Pflegerin Russin ist und rastet völlig aus. Ab dem Zeitpunkt beginnen die beiden Frauen einen erbitterten Kleinkrieg.

Das ganze hat etwas von einem psychologischen Kammerspiel. Es gibt noch ein paar Nebenfiguren, die ab und zu einen kurzen Auftritt haben. Aber die treten nur am Rande auf, sagen ein, zwei Sätze und treten dann wieder an.
Richtig sympathisch war mir keine der beiden Frauen. Jelisaweta wirkt eher hart und mitleidlos. Vor allem wenn man bedenkt, das sie die alte Frau für verwirrt hält.
Wilhelmine kann dagegen gar nicht mehr klar denken. Sie will einfach nur, das diese Frau verschwindet. Doch niemand ist da, der ihr helfen könnte. Ihre Nichte ist einfach nur froh, das sie sich nicht mehr mit der Pflege beschäftigen muss.
Über Wilhelmine erfährt man nicht viel – was ihr Geheimnis ist, das wird erst ganz am Ende geschildert.
Doch bei Jelisaweta gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit, in ihr Leben mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter, der Baba. Warum der Großvater nie erwähnt wurde – nun, ich dachte ziemlich schnell, das es genau das ist, was es dann auch letztendlich war. Aber die völlig ahnungslose Jelisaweta deckt ganz langsam ihre Vergangenheit auf und vieles, was ihr als Kind merkwürdig vorkam, macht nun plötzlich Sinn.

Anfang des Monats habe ich bereits ein anderes Buch von Eva Baronsky gelesen, Mozart wacht auf (die Rezi dazu kommt noch). Auch hier haben mir die genauen Schilderungen gefallen, aber bei ihrem zweiten Buch ist das alles noch viel präziser, intensiver.
Auf jeden Fall bin ich jetzt schon gespannt auf weitere Bücher von Frau Baronsky!

Fazit: Ein Haus, zwei fremde Frauen und jede hat ein düstere Geheimnis, das die andere betrifft – und das auch noch sehr vielschichtig erzählt.

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