comment 0

[Rezension] Eva Baronsky: Herr Mozart wacht auf

  • Originaltitel, 2009
  • Genre: Erzählung
  • Bewertung: 4 von 5 Sternen

Im Dezember 1791 stirbt Mozart – und erwacht am nächsten Morgen in einer ihm völlig fremden Welt. Mehr als 200 Jahre sind vergangen, es ist Dezember 2006.

Die Menschen, denen er begegnet sind sehr seltsam. Und so geht Mozart zunächst davon aus, das er im Himmel ist. Er glaubt an einen göttlicher Auftrag und glaubt, das Gott ihm befohlen hat, sein Requiem zu beenden.

Das ein Genie wie Mozart aus seiner gewohnten Umgebung in die heutige Zeit gerissen wird, sorgt gerade am Anfang für viel Humor. Denn natürlich wundert sich Mozart über die seltsame Welt. Frauen, die nur einen Lendenschurz tragen – unglaublich! Sprechende Apparaturen, Wasser aus der Leitung, Licht auf Knopfdruck – fantastisch! Am meisten begeistern ihn als Musiker aber die kleinen silbernen Scheiben, die sooo viel Musik in sich verbergen.
Ansonsten eckt Mozart natürlich auch sehr an. Für die Menschen in seiner Umgebung ist er ein seltsamer Kauz. Mit Geld kann er nicht umgehen, er gibt mit vollen Händen aus, was er gerade hat. Ohne zu Zögern leiht er sich von seinen neuen Bekannten Geld und wird ungehalten, wenn sie ihr Geld wiederhaben wollen. Das macht ihn nicht gerade sympathisch, wirkt aber realistisch. Auch in vielen anderen Dingen ist er ziemlich unzuverlässig.
Außerdem hat Mozart keine Papiere. Auch das bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Während ich am Anfang noch Verständnis für Mozarts Lage hatte, fand ich ihn im Laufe des Buches etwas nervtötend.

Die Sprache ist eine Mischung aus moderner und altertümlicher Sprache – Mozart drückt sich natürlich völlig anders aus als die heutigen Zeitgenossen.

Was mir aber besonders gut gefallen hat, das ist die Musik. Für Mozart ist alles Musik – jeder Ton, den er hört, hat eine andere Note und alles zusammen vermischt sich zu einer einzigartigen Melodie:

Die Luft bestand aus ungezählten Geräuschen, körperlosen Lauten, sie durchdrangen ihn, klebten an ihn, er atmete sie ein. (Seite 34)

Wobei man für das Buch kein Mozartkenner oder auch nur Liebhaber von klassischer Musik sein muss. Alles wird so einfach erklärt, das es einfach Spaß macht. Diese besondere Liebe zu Musik hat mir so gut gefallen – das war in jeder Zeile des Buches spürbar.
Auch Mozart selber als Charakter hat mir gefallen. Ich weiß nicht viel über sein Leben, habe nie irgendwelche Biografien über ihn gelesen. Trotzdem wirkt er auf mich glaubhaft.
Die anderen Charaktere in dem Buch fand ich dagegen etwas blass. Wobei es auch schwer ist, neben Mozart mitzuhalten.

Im Laufe des Buches ändert sich der Tonfall. Was am Anfang noch leicht und locker flockig ist, wird im Laufe des Buches ernster. Zeitweise fand ich es etwas langatmig. Wobei die Handlung aber immer sinnvoll ist – anders hätte das Buch nicht ausgehen können.

Fazit: Mozart wacht auf ist ein wirklich lesenswertes Debüt – die Idee, Mozart in die Jetztzeit zu transportieren, macht das Buch zu einem ganz anderem Zeitreiseroman als die sonst üblichen.

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s