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[Rezension] Christos Tsiolkas: Nur eine Ohrfeige

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  • Originaltitel: The Slap, 2008
  • Genre: Erzählung
  • Leseprobe
  • Bewertung: 5 von 5 Sternen

Melbourne, Australien.
Hector und Aisha haben zu einem Barbecue eingeladen. Freunde und Familie sind gekommen und die Stimmung ist gut. Doch dann verliert Hectors Cousin Harry die Beherrschung und verpasst dem dreijährigen Hugo eine Ohrfeige. Dessen Eltern sind verständlicherweise entrüstet und zeigen Harry wegen Kindesmissbrauch an.

Das ist der Beginn eines wirklich großartigen Familienromanes. Aus der Sicht von acht völlig unterschiedlichen Personen werden die Ereignisse danach geschildert. Darunter sind Hector, Aisha und Harry, aber auch die beiden Freundinnen von Aisha, Anouk und Rosie, Hectors Vater Manolis und zwei Teenager, Conny und Richie. Jede dieser Personen erhält ein eigenes Kapitel für sich und während dieses Kapitels wird der Roman auch nur aus der Perspektive der jeweiligen Person geschildert.
Der kulturelle Hintergrund ist der einzelnen Personen ist sehr unterschiedlich. Die Eltern von Hector und Harry sind aus Griechenland eingewandert und irgendwie fühlen sie sich den Australiern überlegen. Denn sie legen noch Wert auf Familie und Werte. Das glauben sie zumindest, obwohl es nur noch der äußere Schein ist, der zählt.

Aishas Eltern stammen aus Indien. Eine Tatsache, mit der Hectors Mutter sich immer noch nicht abfinden kann, obwohl die Ehe schon fast 20 Jahre besteht.
Treue scheint keinen großen Stellenwert einzunehmen. Fast alle der beteiligten Personen waren ihrem Partner irgendwann mal untreu oder werden es im Laufe des Buches.
Was mich aber richtig perplex gemacht hat, das ist der nahezu unbekümmerte Umgang mit Drogen. Da wird alles genommen, was so vorrätig ist: Speed, Ecstasy, Gras, Tabletten – meist in Kombination mit Alkohol.
Entweder bin ich doch eine Landpomeranze oder es ist in Australien wirklich ganz anders als hier. Wenn ich meiner Mutter erzählen würde, das ich auf der Party später Speed und Ecstasy nehmen will, dann würde sie mir wahrscheinlich eine runterhauen. Womit wir wieder bei der Ohrfeige wären…

Die Ohrfeige selber – naja, ich will sie nicht gutheißen, aber der kleine Hugo ist wirklich ein schrecklich verzogenes Balg. Wobei in dem Buch ganz deutlich wird, das es bei den Eltern auch kein Wunder ist. Aber deshalb eine Anzeige aufgeben?
Was mir besonders gut gefallen hat, der war der mehrmalige Perpektivwechsel. Zu Beginn wird das Buch aus der Sicht von Hector erzählt und der lässt nichts anbrennen. Alle anderen Personen wirkten da wie die Unschuldsengel. Aber spätestens, wenn der Roman aus der Sicht einer anderen Person erzählt wird, ändert sich diese Einstellung rapide. Denn dann stellte ich verwirrt fest: ok, Harry ist auch nicht toll. Und Anouk auch nicht. Eigentlich niemand. Jeder hat Fehler, Schwächen und Angst. ;)

Fazit: Sicher überspitzt dargestellt, aber für mich ein sehr eindrucksvoller Familienroman.

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