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[Rezension] John Friedmann: Flaschendrehen furioso

  • Originaltitel, 2012
  • Genre: Erzählung
  • Bewertung: 3 von 5 Sternen

Was haben ein Langzeitstudent, ein Versicherungsvertreter, eine Architektin, eine Juristin, die Besitzerin eines Indien-Ladens, eine Krankenschwester und ein Hobbykoch gemeinsam? Normalerweise nichts.
In diesem Fall aber teilen sie sich unfreiwillig ein Ferienhaus in der Toskana. Drei Paare und eine Singlefrau sind von einem Betrüger übers Ohr gehauen worden und da jeder auf seinen Vertrag pocht, räumt keiner freiwillig das Feld. Allerdings gibt es von Anfang an große Spannungen. Heiko kann Lutz nicht ausstehen, Lutz wiederum treibt alle mit seinem Gerede über das Kapital in den Wahnsinn, Anna kommt mit Tina nicht zurecht, die hat aber mit Hilfe ihrer Joints die Ruhe weg. Sandra scheint eine etwas hohlköpfige Blondine zu sein, Ella beobachtet alle aus dem Hintergrund heraus und Carlo macht das, was er am besten kann: er kocht.

Und wenn Carlo kocht, dann herrscht kurzzeitig so was wie Frieden über der unfreiwilligen WG.
Aber dann finden die sieben über eine Million Bargeld, versteckt im Boden der Villa. Behalten und Teilen oder zur Polizei gehen? Oder das Geld einfach wieder zurücklegen? Schließlich kommt es zum Titelgebenden Flaschendrehen, was die Beziehungen der Menschen untereinander völlig ändert.

Ich fand die Idee einfach sehr reizvoll – klang nach äußerst amüsanter Lektüre. Und das war es auch über weite Strecken. Zwar fand ich die Figuren oft etwas zu klischeehaft gestaltet – warum konnte Lutz nicht einfach nur ein faul sein, sondern musste sich da in obskure Ideen verrennen? Und warum musste der Bayer unter ihnen ausgerechnet ein gemütlicher Kerl mit viel Geld und Bierbauch sein?
Trotzdem hatte ich meinen Spaß mit dem Buch. Und wenn Carlo kochte, wäre ich am liebsten zum nächsten Italiener gegangen, um dort alles zu bestellen, was da im Buch vorgestellt wurde. ;)
Was mir auch sehr gut gefallen hat, das waren die ganzen Überlegungen, was man mit dem Geld anstellt. Es ist natürlich wahnsinnig verlockend, so viel Geld zu behalten. Aber will man wirklich ein solches Geheimnis mit Menschen teilen, die man schon auf den ersten Blick mehr als unsympathisch findet?
Das Flaschendrehen ist in meinen Augen der absolute Höhepunkt in dem Buch. Durch Alkohol enthemmt werfen sich die Paare Dinge an den Kopf, die sie sich im nüchternen Zustand nie gesagt hätten. Das war zwar völlig übertrieben dargestellt, aber ich hatte gerade an der Übertreibung meinen Spaß.

Aber dann…danach wurde es etwas seltsam. Mit dem erscheinen einer weiteren Person wurden die Karten neu gemischt. Das wäre noch ok gewesen, aber leider wurde das Buch zum Ende hin dann ziemlich schmalzig. Jeder in der Runde kriegt noch irgendwie die Kurve, jeder hat fürs Leben etwas wichtiges gelernt und alle haben sich furchtbar lieb.
Nicht ernsthaft, oder? Zuerst verletzen sie sich gegenseitig bis ins tiefste Innere hinein und dann passiert ein tragisches Erlebnis und alle haben sich lieb? Wie dämlich ist das denn?

Schade, schade. Das hat mir das Buch wirklich verdorben.

Fazit: Herrlich überdrehte und skurrile Erzählung über Fremde, die sich unfreiwillig ein Haus teilen. Leider passte das Ende meiner Meinung nach nicht zum Rest des Buches.

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