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[Rezension] Siegfried Lenz: Arnes Nachlaß

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  • Originaltitel, 1999
  • Genre: Erzählung
  • Bewertung: 5 von 5 Sternen

Mit 11 Jahren überlebt Arne als einziger ein schreckliches Familiendrama. Er kommt als Pflegekind zu einem Freund seines Vaters. Mit dem älteren Sohn Hans teilt er sich ein Zimmer und obwohl die beiden fünf Jahre Altersunterschied rennen, verstehen sie sich von Anfang an gut. Mit Hans‘ jüngeren Geschwister Lars und Wiebke hat Arne mehr Probleme. Zu fremdartig ist er ihrer Meinung nach.
Arne ist hochintelligent, aber auch sehr empfindlich. Er bringt sich selber finnisch bei und hat ein fotografisches Gedächtnis. Aber er fühlt sich sehr zu Wiebke hingezogen und wünscht sich nichts sehnlicher, als in der Clique von Wiebke und Lars aufgenommen zu werden.

Die Handlung setzt einen Monat nach Arnes Tod ein. Wie seine Familie hat auch Arne Suizid begangen und Hans wird von den Eltern beauftragt, Arnes Sachen zusammen zupacken. Arnes Nachlaß besteht aus vielen Kleinigkeiten und bei jedem Gegenstand erinnert sich Hans an eine Begebenheit aus Arnes Leben.

(…) in der Zeit unserer Gemeinsamkeit habe ich von dir gelernt, daß alles an Bedeutung gewinnen kann – auch das Kleine, das Unscheinbare -, wenn es nur etwas bezeugt. (Seite 110/111)

Die Stimmung in dem Buch ist sehr melancholisch und traurig. Zur düsteren Stimmung trägt noch der Schauplatz des Romanes bei – ausgerechnet eine Abwrackwerft im Hamburger Hafen ist der Ausgangspunkt. Dabei ist der Tonfall eher kühl und fast schon ein bisschen lakonisch. In fast jedem Satz schwingt ein bedrücktes „Ach, Arne, warum?“ mit und dadurch ging das Buch richtig unter die Haut. Fast schon zwanghaft will Arne es allen recht machen. Nicht nur den Pflegeeltern, dem großen Pflegebruder, nein. Auch in der Schule soll alles gut laufen, er will Freunde gewinnen und versucht mit allen Mitteln, diese zu gewinnen.

Schlecht einordnen konnte ich aber den Zeitpunkt, in dem die Geschichte erzählt wird. Oft wirkt es so, als wenn sich die Ereignisse während der 1960er, 1970er Jahre ereignen würden, aber dann gibt auch ab und zu Hinweise, das es wohl eher irgendwann in den 1990er Jahren spielt. Ich muss sagen, ein bisschen hat mich das schon irritiert – aber nicht genug, um das Buch deshalb schlechter zu beurteilen.

Fazit: Tragisch, traurig, melancholisch – sehr empfehlenswert!

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