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[Rezension] Maryse Condé: Segu – Die Mauern aus Lehm

Originaltitel: Ségou: Les murailles de terre, 1984
Genre: Historischer Roman
Serie: Segu #1

Segu, 1797. Zentrum des gleichnamigen Königreiches, eine reiche Stadt, gelegen am Joliba. Die Traoré sind eine der wichtigsten Familien, ihr Oberhaupt Dusika ist einer der angesehensten Berater des Königs.
Doch die Zeiten ändern sich. Vom Norden her nimmt der Einfluss des Islams zu, im Süden das Christentum. Europäer wollen das Land für ihre Zwecke unterwerfen und der Sklavenhandel blüht.

Das Königreich Segu gab es wirklich – es lag im heutigen Mali, Joliba ist der frühere Name des Niger. Ein historischer Roman über Westafrika also, ein Roman, der aus der Sicht einer afrikanischen Familie erzählt, nicht aus der Sicht von Weißen, die das Land erobern wollen. Den Gedanken daran fand ich ungeheuer faszinierend und so habe ich mir das Buch gekauft. Und in vielerlei Hinsicht ist das Buch auch gewaltig. Das fängt schon bei der Vielzahl der Personen an. Dusika hat mehrere Frauen, unzählige Sklavinnen, etwa ein Dutzend legitimer Söhne – die Töchter spielen keine Rolle. Die Handlung des Romanes wird dabei auch aus der Sicht von der unterschiedlichen Personen erzählt.

Dusika stirbt schon bald. Seine Söhne verstreuen sich in alle Himmelsrichtungen – von Marokko bis zur Elfenbeinküste und schließlich sogar bis nach Brasilien. Manche treten ihre Reise freiwillig an, andere werden zu Sklaven und haben keine Wahl. Manche halten an ihrem alten Glauben fest, manche treten zum Islam oder zum Christentum über – teilweise freiwillig, teilweise gezwungen. Sie heiraten und bekommen selber Kinder, die die Handlung des Romans weitererzählen.

Eine richtige Hauptperson gibt es also nicht. Und das war es, was mir das Buch teilweise recht schwierig gemacht hat, mir waren es zu viele Personen. Immer wieder habe ich jemanden eine gewisse Zeit begleitet, nur um dann irgendwann von dessen Tod zu lesen. Und eines kann ich sagen, an Altersschwäche starb kaum jemand. Außerdem war mir zu viel Drama in dem Buch. Alles, was geschichtlich möglich ist, wurde auch in das Buch gepackt: Sklavenhandel, der Konflikt um die unterschiedlichen Religionen und Lebensweisen, Fanatismus, Kriege, Generationenkonflikte, politische Intrigen… vieles wurde so eher oberflächlich angekratzt. Mir hätte es besser gefallen, wenn sich die Autorin auf ein oder zwei Personen beschränkt hätte und deren Leben dafür ausführlicher geschildert hätte.

Der Roman endet nach etwa 60 Jahren, um 1860 herum. Und leider ist das Ende völlig offen gestaltet. Die Geschichte hört einfach auf, gerade, das der Satz noch beendet wurde. Ich wusste zwar, das es noch eine Fortsetzung gibt, aber das der Roman so abrupt endet, hat mir nicht gefallen – wenigstens irgendeine Form von Abschluss wäre nett gewesen.

Das Buch bietet einiges an Anhang: mehrere Karten, einen ausführlichen Stammbaum der Familie, ein umfangreiches Glossar, in dem afrikanische Ausdrücke erklärt werden. Gerade den Stammbaum habe ich sehr oft genutzt – teilweise sind sich nämlich die Namen der Personen sehr ähnlich. Zu meiner Verwirrung kam noch dazu, das einige Personen mehrere Namen tragen, denn beim Übertritt in eine neue Religion bekommt die Person auch immer einen neuen Namen.

Fazit: Ein historischer Roman über Westafrika – teilweise bot das Buch wirklich faszinierende Abschnitte. Aber größtenteils fand ich es zu ausschweifend und dadurch auch zu oberflächlich.

3sterne

PS: Im Unionsverlag, der gut 30 Jahre nach Erscheinen des Romanes Segu neu herausgebracht hat, erscheint ganz aktuell auch eine Neuauflage der Fortsetzung: Wie Spreu im Wind.

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