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[Rezension] Vanessa Diffenbaugh: Die verborgene Sprache der Blumen

Originaltitel: The Language of Flowers, 2011
Genre: Erzählung
Verlag: Droemer
Umfang: 416 Seiten

Victoria wächst als Mündel des Staates Kalifornien auf. Das bedeutet eine endlos lange Liste an Pflegefamilien und Wohnheimen, in denen sich die Mädchen gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Auch die Pflegefamilien sind teilweise sehr extrem, seelischer und teilweise auch körperlicher Missbrauch sind an der Tagesordnung. Mit 10 Jahren jedoch landet Victoria bei Elizabeth, die anders als die anderen Pflegemütter zu sein scheint. Von ihr lernt sie die verborgene Sprache der Blumen, über die sie sich ausdrücken kann – eine Sprache, die außer ihr kaum jemand versteht.

Basilikum: Hass.
Lavendel: Argwohn
Rose, rot: Wahre Liebe.

Das Buch beginnt mit Victorias 18. Geburtstag. Eine Feier gibt es nicht, stattdessen bekommt sie für drei Monate einen Platz in einem Übergangswohnheim und muss danach irgendwie selber zurecht kommen. Im nächsten Kapitel springt die Handlung acht Jahre zurück: Victoria lernt wieder mal eine neue Pflegemutter kennen, Elizabeth. In der Folge springen die Kapitel immer zwischen den beiden Zeitsträngen hin und her. Das es bei Elizabeth nicht geklappt hat, ist von Anfang an klar, sonst wäre Victoria nicht in einem Wohnheim gelandet. Aber was genau schief gelaufen ist, wird erst sehr spät deutlich.

Die 10 jährige Victoria fasst ganz langsam Vertrauen zu ihrer neuen Pflegemutter, die 18 jährige dagegen weiß genau, das sie nicht liebenswert ist, das andere Menschen sie nur wieder neu verletzen werden und deshalb stößt sie alle Menschen von vorneherein weg. Nachdem sie zunächst obdachlos ist, findet sie schließlich einen Job in einem Blumenladen und die Kunden sind bald schon begeistert von der Fähigkeit, mit der Victoria immer den passenden Blumenstrauß bindet. Im Großmarkt lernt sie Grant kennen, der als einziger die Sprache der Blumen versteht und das macht ihr Angst.

„Ich konnte nicht davonlaufen, nicht einfach gehen, anstatt mich dem zu stellen, was ich getan habe. Es gab nur einen Weg auf die andere Seite, und der führte durch die Schmerzen“ (S. 283)

Victoria ist kein einfacher und auch kein sympathischer Charakter. Manche ihrer Taten sind einfach nur schrecklich und oft genug konnte ich sie einfach nicht verstehen. Andererseits, so wie sie aufgewachsen ist, ist es auch kein Wunder, das sie völlig verkorkst ist. Was mich ziemlich verstört hat, das waren die Pflegefamilien. Gibt es in den USA wirklich keine besseren Kontrollen oder ist das in dem Buch einfach nur schrecklich übertrieben? Oder ist es hier auch so schlimm? Ich weiß es nicht, denn damit habe ich mich vorher nie so richtig beschäftigt.

Trotz allem ist das Buch nicht besonders sozialkritisch. Es geht einfach um ein Mädchen, eine junge Frau, die gerade erwachsen wird und sich mit vielen Ängsten und Problemen herumschlagen muss. Sie glaubt, das sie auf der ganzen Welt allein ist, das es niemanden gibt, der sich für sie interessiert und stößt dabei die Menschen weg, die ihr helfen wollen. Niemand kann sie lieben, also muss sie irgendeinen unsichtbaren Makel haben.

Natürlich nimmt auch die Sprache der Blumen eine große Rolle ein. Man muss aber nicht sonderlich botanisch bewandert sein, um das Buch zu verstehen, denn die Sprache der Blumen wird einem wie nebenbei erklärt. Und da gab es für mich doch die eine oder andere Überraschung.

Fazit: Einfühlsame Geschichte um ein Mädchen, das sich ihren Ängsten und Zweifeln stellen muss.

4sterne

5 Comments

  1. Hm … irgendwie macht mich das jetzt nicht so an. Und vor allem scheint das ein vollkommen anderes Buch zu sein, als ich erwartet hätte!

  2. Ich fand die Geschichte auch berührend. Vor einiger Zeit habe ich die Audioumsetzung, gelesen von Laura Maire, gehört. Laura Maire hat für meine Ohren und mein Empfinden toll gelesen; allerdings sind die Zeitsprünge in dieser Fassung manchmal etwas schwierig zu verfolgen. ;)

      • Es war ein Angebotskauf, ich las die Beschreibung und nahm es mit. :) Und nach und nach konnte ich mit Fortschreiten der Geschichte die Zeitsprünge an den Figuren erkennen. Ich kann mir vorstellen, mir trotzdem irgendwann auch mal das Buch zu Gemüte zu führen.

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