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[Rezension] Edward Abbey: Die Monkey Wrench Gang

Der amerikanische Südwesten in den 1970er Jahren. Die Zeiten des Wilden Westen sind endgültig vorbei. Der Straßen- und Brückenbau floriert, es werden Staudämme errichtet, Kohle gefördert, Wälder gefällt.

„Wir sollten
den Damm in
Scheißklumpen
sprengen.“

Durch Zufall treffen sich dort vier unterschiedliche Helden aufeinander: Doc Sarvis, ein alternder Chirurg, der zusammen mit seiner jungen Sprechstundenhilfe und Geliebten Bonnie in der Nacht Reklametafeln abfackelt; der R-Mormone Seldom Seen Smith, der drei Ehefrauen hat und Bootstouren organisiert und Hayduke, Survival-Experte und Vietnam Veteran. Schnell bemerken sie, das sie eines eint: Der Hass auf die Industrie und die Politik. Ihr Rezept dagegen: Sabotage. Das große Ziel: die Sprengung des Glen-Canyon-Staudamm. Es dauert nicht lange und die vier haben die Ordnungsmacht und diverse selbsternannte Hilfssheriffs auf den Fersen…

Das Buch habe ich schon mehrmals im Bücherladen gesehen und vor ein paar Monaten war ich dann auch neugierig genug, um es mitzunehmen. Am Anfang hat mich dann der Schreibstil und der Humor einfach genervt. Und auch die Geschichte selber klang ziemlich abgefahren. Doch je länger ich gelesen, umso mehr bin ich dem Sog des Buches verfallen. Die Story klingt nicht nur abgefahren, sie ist es auch. Umweltschützer, die Bierdosen aus dem Auto werfen, Sachen in die Luft sprengen und Indianer als „dreckige Rothäute“ beschimpfen – darf man das gut finden? Oh ja!

Die vier Hauptpersonen sind alle ein bisschen klischeehaft gezeichnet, aber gerade das ihren Reiz aus. Doc Sarvis, der gutmütige Geldgeber, Seldom Seen Smith, der immer noch dem Hauptsitz seines Geschäfts nachtrauert (überflutet von einem Stausee), die rassige Bonnie, von der die Männer träumen können, die aber auch kein bisschen auf den Mund gefallen ist. Und natürlich Hayduke, dem der Vietnamkrieg nicht gut bekommen ist und der jetzt von einem freien Leben träumt – durchsetzen will er seinen Traum mit Dynamit. Seine Kumpanen verhindern das zu seinen Leidwesen aber meistens. Stattdessen attackieren die vier Bulldozer und Bagger mit dem Schraubenschlüssel (engl. „Monkey Wrench“) und schütten Kakao in den Tank. Natürlich kann man damit zwar einigen Schaden anrichten, aber auf lange Zeit gesehen ändert das nichts an den ganzen Bauvorhaben.

In erster Linie ist das Buch ein riesiger Spaß, wenn man sich nicht an den ziemlich dreckigen Humor stört. Ich fand den sogar recht erfrischend und habe oft laut gelacht. Gleichzeitig ist es aber auch eine Beschreibung dessen, was mit einer Landschaft wie dem amerikanischen Südwesten geschieht, wenn der Kommerz wichtiger als alles andere wird. In den USA gilt das Buch übrigens als Kultklassiker. Es inspirierte radikale Umweltschützer zur Gründung von Earth First! und monkeywrenching steht heute im englischen für die Sabotage im Namen des Umweltschutzes. Das Buch besticht zudem auch durch die Illustrationen von Robert Crumb, die einfach wunderbar passend zum Inhalt des Buches sind.

Fazit: Lust auf ein völlig abgedrehtes Buch? Dann lesen!

5sterne

Originaltitel: The Monkey Wrench Gang, 1975
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt
Umfang: 560 Seiten
Illustrationen von Robert Crumb
Leseprobe

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