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[Rezension] Herman Koch: Angerichtet

Zwei Brüder treffen gemeinsam mit ihren Frauen sich zu eine Essen. In einem Spitzenrestaurant wollen sie in gepflegter Umgebung über ihre Kinder reden. Denn die beiden 15jährigen Jungs haben etwas schreckliches angestellt. Aufgebaut ist das Buch wie ein Menü. Es beginnt beim Aperitif, geht dann über Vorspeise, Hauptgang und Dessert zum Digestif und endet schließlich beim Trinkgeld.
Erzählt wird aus der Sicht von Paul, einem der beiden Brüder. Paul ist Lehrer, kann aber seinen Beruf schon seit einigen Jahren nicht mehr ausüben. Sein Bruder Serge befindet sich dagegen auf der Überholspur. Er kandidiert für das Amt des Ministerpräsidenten und seine Chancen stehen gut. Paul geht dagegen die ganze High Society fürchterlich auf die Nerven. Mit bösen Witz macht er sich über die bessere Gesellschaft lustig.

„Er produzierte
dann voluminöse
Rülpser,“ (S. 32)

Der Roman ist am Anfang einer herrlich böse Satire. Wie sich Paul über den Kellner Maître d’Hôtel aufregt ist großartig. Mit spitzer Zunge entlarvt er dessen scheinheilige Getue. Er betrachtet seine Bruder bei der Weinprobe und denkt unwillkürlich an früher, als Serge locker eine Familienflasche Cola alleine getrunken hat und die Folgen: Rülpser. ;)
Der Grund, warum sich die beiden Familien zu diesem Essen getroffen haben, wird gar nicht erwähnt. In kurzen Rückblenden erfährt man davon zwar irgendwann, aber während des Essens betreibt man lieber gepflegte Konversation und spricht über Filme. Überhaupt sind diese ganzen Rückblenden teilweise sehr langatmig und überflüssig.
Besonders sympathisch ist keiner der Protagonisten, aber das hat mich nicht so sehr an dem Buch gestört. Stattdessen fand ich diese nicht näher genannte Krankheit von Paul ziemlich seltsam. Mir kam das ganze wie eine billige Ausrede vor – er kann ja nichts dafür, das er so ist, wie er ist. Mir ist das zu einfach. Was wie ein tiefgründiges Kammerspiel begonnen hatte, wurde zu einer verworrenen und immer abstruseren Gewaltorgie – die auch noch sehr schleppend erzählt wurde. Für mich wurde es zunehmend langweiliger und durch die letzten Seiten habe ich mich ziemlich kämpfen müssen. Ein befriedigendes Ende bekam ich dann leider auch nicht, eher ein Häh-und-das-wars-jetzt-Ende?

Fazit: Bissige Satire am Anfang, verliert dann aber an Glaubwürdigkeit.

2 sterne

Originaltitel: Het diner, 2009
Genre: Familiendrama
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Umfang: 320 Seiten
Leseprobe

6 Comments

    • Mir war der Autor noch unbekannt, ich war ziemlich perplex, als ich festgestellt habe, das er so einen Erfolg hat.

      Die meisten fanden das Buch ja sehr gut, vielleicht gefällt es dir doch.

  1. Ich habe von Hermann Koch „Sommerhaus mit Swimmingpool“ gelesen – wurde auch so hochgelobt, aber irgendwie ist das kein Schriftstseller für mich, umgehauen hat es mich nämlich nicht…

    • Von “Sommerhaus mit Swimmingpool” habe ich mir eine Leseprobe durchgelesen, aber die gefiel mir auch nicht. Ist halt kein Autor für meinen Geschmack. Gibt ja genügend andere Bücher, die ich stattdessen lesen kann. ;)

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