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[Rezension] Mikael Niemi: Erschieß die Apfelsine

Erschieß die Apfelsine

„Ich bin mittelgroß, mittelschwer, mitteltraurig, ich habe mich nie hervorgetan. So war mein Leben, so hätte ich weiter leben können, eine graue Staubmaus, die von großen Füssen hin und her getreten wird, vollkommen unwichtig für die Welt.“ (Seite 7)

Irgendwo in Schweden verliebt sich ein 16 Jahre alter Schüler in das schönste Mädchen der Schule. Soweit nicht ungewöhnlich. Er nimmt all seinen Mut zusammen, kauft einen Strauß rote Rosen und macht ihr vor versammelter Mannschaft eine Liebeserklärung. Die sie allerdings brüsk ablehnt und ihm die Rosen vor die Füße schmeißt.

Der namenlose Held war bisher immer einer der unauffälligen Typen, immer schön angepasst. Insgeheim teilt er seine Mitschüler in zwei Gruppen ein: Die Arschgeigen (die, die alles auf einem Silberlöffel serviert bekommen) und die Idioten (die, die sich ihr Leben lang abrackern und am Ende doch vor dem Nichts stehen werden). Nachdem er sich vor der ganzen Schule unsterblich blamiert, will er nur noch eines: nicht mehr unsichtbar sein. Und das zieht er mit einer Konsequenz ohne gleichen durch. Er zieht z.B. den alten Putzkittel seiner Mutter an und geht damit zur Schule. Er klebt sich einen riesengroßen Poppel auf die Wange und läuft so völlig unbekümmert durch die Schule und genießt die Reaktionen der anderen. Und macht sich innerhalb kürzester Zeit fast die gesamte Schule zum Feind, findet aber auch in Pålle einen neuen Freund. Der hat aber viel mehr Probleme, als der Held es nur erahnen kann.

Ich weiß gar nicht genau, was ich bei dem Buch erwartet habe, aber auf jeden Fall nicht das, was ich bekommen habe. Der Schreibstil zeichnet sich in erster Linie durch eine Fülle an vulgären Worten aus, außerdem ist die Sprache sehr knapp und schnörkellos, wie auch der Held des Buches.

Es ist ein Buch voller Wut und Zynismus, bitterböse. Vieles ist ziemlich ekelig und so manches mal habe ich mich gefragt, muss das eigentlich sein? Muss der Autor so genau beschreiben, was der Held mit seiner Poppel anstellt? Immer und immer wieder wird noch was oben drauf gesetzt. Andererseits ist aber auch die Wut, die der Held gegen die ganze Welt hat, einfach wunderbar eindringlich beschrieben. Am liebsten will er alles kaputtmachen, für ihn sind die Menschen allesamt nur Zombies, die ihr Leben in einer vorgeschriebenen Bahn leben und das will er nicht. Er will anders sein, schreibt Gedichte und fühlt sich wie ein Genie. Ein unbekanntes Genie zwar, aber er weiß einfach, das er besser ist als alle anderen.

Fazit: Provozierend, laut, wütend, zornig wendet sich ein Jugendlicher gegen die ganze Welt. Manchmal fand ich es zuviel der Provokation und ziemlich widerlich, aber irgendwie passt es auch zusammen.
Erschieß die Apfelsine

Originaltitel: Skjut apelsinen, 2010
Genre: Roman
Bewertung: ♥ ♥ ♥ ♥
Verlag: btb
Umfang: 240 Seiten
Leseprobe

3 Comments

    • Ach, du hast es auch gelesen?

      Ich habe vor Jahren „Populärmusik in Vittula“ und „Das Loch in der Schwarte“ gelesen und die Bücher sind völlig anders. Das erstere ist ein richtig tolles Buch über zwei Jungs, die in der schwedischen Provinz eine Rockband gründen wollen. Und das zweite ist völlig abgedrehte Science Fiction a là Douglas Adams.

      Die Bandbreite finde ich richtig toll, aber das hier war mir dann doch zu ekelig. :(

      • Ja, ich glaub, ich habe das Buch 2012 gelesen. Ziemlich bald nach Erscheinen. Ach, ich weiß nicht, die anderen Bücher des Autors sprechen mich auch vom Inhalt her nicht an.

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