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[Rezension] Vlada Urošević: Meine Cousine Emilia

Meine Cousine EmiliaSkopje / Mazedonien in den 1940er Jahren.
Unbekannte Verwandte strömen aus allen Richtungen nach Skopje, in das Haus des elfjährigen Ich-Erzählers. Denn auch in Mazedonien herrscht nun Krieg. Darunter ist auch ein bis dahin fremdes Mädchen, die acht Jahre alte Emilia. Gemeinsam entdecken die beiden Kinder Dinge, von denen die Erwachsenen keine Ahnung haben. Denn das Skopje der Kinder ist eine geheimnisvolle und magische Stadt.

Der Roman besteht aus 18 einzelnen Erzählungen und jede Erzählung erzählt von einem bestimmten Ereignis aus dem Leben der beiden Kinder. Dabei bleibt vieles verschwommen – das Alter der Kinder wird am Anfang einmal kurz erwähnt und man merkt auch, das sie älter werden, aber es bleibt bei Andeutungen. Auch die Jahreszeiten werden oft durcheinandergewirbelt – manchmal ist es ein eiskalter Winter, dann wieder Hochsommer. Oder es hängt ein dichter Nebel über der Stadt.

Geschildert werden die Ereignisse aus der Sicht des etwas älteren Jungen, wobei aber die jüngere Cousine Emilia meist die Anführerin ist. Der Junge selber bleibt namenlos.
Auch die restliche Familie bleibt verschwommen. Opa Simon wird öfter genannt, auch andere Familienmitglieder tauchen immer wieder mal auf. Aber meistens werden sie einfach nur als die Tanten oder die Onkel beschrieben. Sie wirken austauschbar und sind es auch.

Die Erzählungen selber haben etwas magisches, etwas, das die Erwachsenen in dem Buch oft nicht sehen können. Es gibt Einhörner im Hinterhof, pfeifende Hunde, durch die Stadt laufen echte Elefanten, fliegende Lehrer. Manchmal scheinen Ereignisse aus der Geschichte der Stadt für die Kinder zu einer anderen Realität zu werden, dessen sie sich oft erst am Ende bewusst werden – da gibt es geheimnisvolle Züge, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr verkehren. Emilia wirkt in manchen Geschichten wie eine kleine Hexe, die sich ihrer Kräfte nur zu bewusst ist – oder weiß sie gar nicht, was sie da anstellt? Der Krieg spielt in manchen Geschichten eine Rolle, aber meistens wirkt er wie ausgeblendet, etwas, das die Erwachsenen beschäftigt, aber nicht die Kinder.

Mit den magischen Elementen erinnerte mich das Buch ein bisschen an den magischen Realismus von Gabriel Garcia Marquez oder Alice Hoffman, wobei der Roman beileibe kein Abklatsch ist, er ist etwas völlig eigenständiges.
Mein einziger Kritikpunkt ist die letzte Geschichte, die wie angestückelt wirkte und in meinen Augen einfach nicht zum Rest des Buches passte. Schade, aber auch so bleibt es wunderbares Buch.

Fazit: Ein richtig tolles Buch zum darin versinken und -träumen. Fremdartig und zauberhaft. Schööön!
Meine Cousine Emilia

Originaltitel: Mojata rodnina Emilija, 1994
Genre: Roman
Bewertung: ♥ ♥ ♥ ♥
Verlag: dtv
Umfang: 240 Seiten
Leseprobe

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