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[Rezension] Thomas de Padova: Leibniz, Newton und die Erfindung der Zeit

Leibniz, Newton und die Erfindung der Zeit
Auf dem ersten Blick scheint Newton und Leibnitz einiges zu verbinden. Beide werden in Zeiten großer Unruhe geboren – Leibnitz mitten im dreißigjährigen Krieg, Newton im englischen Bürgerkrieg, der schließlich zur Enthauptung des Königs und zur Ausrufung der Republik führte.
Doch schnell wird klar, das die beiden völlig unterschiedlich aufwachsen, der eine auf dem Land, der andere auf dem Gelände der Leipziger Universität.

„Zeit ist das,
was man an der Uhr abliest.
Aber was misst die Uhr?“
(Seite 45)

Das Buch erzählt aber nicht nur die Geschichte zweier Wissenschaftler und Philosophen, sondern es berichtet von einer Zeit des Umbruchs, der für die Menschen damals sehr aufregend gewesen sein muss. Mitte des 17. Jahrhunderts gab es durchaus schon Uhren, aber die meisten zeigten nur die Stunde an, manchmal auch die Viertelstunden. Minutenanzeiger gab es nicht. Vor allem aber war die Zeit keine feste Größe, wie sie es heute zu sein scheint. Man konnte sich nicht darauf verlassen, das zwei Nachbarstädte die gleiche Zeit hatten. Noch gravierender wird die Geschichte der Zeit, wenn man bedenkt, das in England noch der Julianische Kalender galt, während in den deutschen Staaten schon der Gregorianische Kalender eingeführt war. Die beiden Kalender unterschieden sich immerhin um 9 Tage – je nach dem, welchen Kalender man benutzt, wurde z.B. Newton entweder am 25.12.1642 oder am 04.01.1643 geboren.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts, als die beiden Männer starben, waren die Taschenuhren weit verbreitet, man verabredete sich für feste Zeiten, es bildeten sich ganz neue Sichtweisen heraus – „Zeit ist Geld“ oder „Keine Zeit verschwenden“. Je genauer die Uhren gingen, desto knapper schien die Zeit zu werden.

Insgesamt ist das Buch leicht verständlich geschrieben. Ehrlicherweise muss aber auch anmerken, das ich nicht alles verstanden habe. Je physikalischer oder mathematischer es wurde, desto glasiger wurden meine Augen. ;)
Aber es gab auch viele Abschnitte, die ich einfach nur hochinteressant und spannend fand. Wie sich das Leben der Menschen mit der Einführung der genauen Uhren veränderte, der Streit zwischen Newton und Leibnitz, bei dem sich wohl keiner beiden besonders ruhmvoll betrug. Und wer glaubt, das Plagiate erst mit dem Internet auftraten, der wird hier eines besseren belehrt.

Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, das sich für mich noch mehr neue Fragen aufgetan haben, für die ich mir wohl weiterführende Lektüre suchen muss. Vor allem würde mich interessieren, was die „einfachen“ Menschen von der Kalenderreform hielten. Falls jemand dazu einen Buchtipp hat – nur her damit!

Fazit: Ein interessantes Sachbuch über die Zeit – auch wenn ich zugeben muss, das ich nicht alles verstanden habe. ;)
Leibniz, Newton und die Erfindung der Zeit

Originaltitel, 2013
Genre: Biografie, Sachbuch
Bewertung: ♥ ♥ ♥ ♥
Verlag: Piper
Umfang: 352 Seiten
Leseprobe

13 Comments

  1. klingt interessant! Bei mir liegt ja noch „Längengrad“ von Dava Sobel, in dem es u.a. auch darum geht, Zeit ohne Abweichungen auf See zu messen. Vielleicht schaffe ich das Buch ja im Rahmen der Challenge.

  2. Irgendwie habe ich noch nie darüber nachgedacht, wie sehr Uhren wohl das Leben der Menschen verändert haben. Klingt spannend und faszinierend – trotz der Teile, bei denen wohl auch mir die Augen zufallen würden! :D

    • Ich mag solche Sachbücher, bei denen man über Dinge, die so alltäglich sind, nachdenken muss. Ich selber trage z.b. schon seit Jahren keine Armbanduhr mehr, weil ich auch wunderbar ohne zurechtkomme. Und trotzdem irritiert es mich jedes Jahr wieder, wenn in der Stadt Open Air Theater ist und die Vorstellung laut Flyer „bei Sonnenuntergang“ beginnt. ;)

      • Eine Uhr trage ich auch nicht, aber eine solche Zeitangabe würde mich auch kirre machen. Aber das liegt wohl daran, dass wir heutzutage ja überhaupt nicht mehr auf solche Sachen wie Sonnenauf- und -untergang achten müssen. Vor der Verbreitung von Stunden-Zeitangaben war das vermutlich eine ganz natürliche Sache.

      • Ich denke auch, das wir solche Zeitangaben einfach nicht mehr gewohnt sind. Ich bin ja schon immer froh, das im besagten Flyer dann auch noch steht, das z.b. ab 20.30 Einlass ist. Yeah, eine klare Zeitangabe! ;)

  3. Pingback: Die Sonntagsleserin KW #05 – 2014 | buchpost

  4. Wow, danke für den Buchtipp! Newton als Persönlichkeit fand ich schon immer spannend und das Problem mit der Zeit interessiert mich seit Edward Rutherfurds „London“ auch sehr. Ab auf die Wunschliste. ;)

    Liebe Grüße,
    Katie

    • „London“ habe ich zwar mal gelesen, aber ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, das die Zeit darin eine große Rolle gespielt hat. Aber es ist ja auch schon an die 10 Jahre her, das ich es gelesen habe, von daher…

      • Es wurde auch nur in einem Kapitel am Rande erwähnt, dass überall in England die Zeit angepasst werden musste, sobald es Züge gab. Das fand ich dann total faszinierend. :)

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