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[Rezension] Sergej Lukianenko: Spektrum

Spektrum

„Einsam ist es hier und traurig“
(Seite 11)

Die Welt in naher Zukunft. Außerirdische haben auf der Erde ein Teleportationssystem installiert, mit dem man sich binnen Sekunden von einem Planeten zu einem andere teleportieren kann. Diese Tore gehören den Schließern, einer geheimnisvollen Rasse, über die nicht viel bekannt ist. Sie bewachen die Tore und jeder darf sie nutzen – wenn er eine Geschichte erzählen kann, die den Schließern gefällt. Auch für die Kommunikation sorgen die Schließer – wer einmal durch die Tore reist, der beherrscht automatisch touristisch, eine universelle Sprache.
Der russische Privatdetektiv Martin Dugin gehört zu den wenigen Menschen, dessen Geschichten den Schließern so gut gefällt, das er das Reisen von Planet zu Planet zu seinem Beruf gemacht hat. Er verfolgt Straftäter oder ausgerissene Teenager und macht sie auf fremden Planeten ausfindig.
Gerade erst von einem Auftrag nach Moskau zurückgekehrt, wird er von den Vater der 17jährigen Irina Poluschkina aufgesucht – ein Teenager, der anscheinend aus Abenteuerlust durch die Tore gegangen ist. Martin soll das Mädchen wieder zurückholen. Eigentlich ein alltäglicher Auftrag, aber die Suche nach Irina führt ihn auf sieben verschiedene Planeten und die russische Staatssicherheit mischt sich ein.

Entsprechend den sieben Planten ist das Buch in sieben Abschnitte unterteilt, die nach unterschiedlichen Farben benannt sind: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett. Das Spektrum eines Regenbogens. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Prolog, danach folgen fünf Kapitel. Innerhalb eines Abschnittes wird ein fremder Planet und dessen Bewohner vorgestellt, ein Abenteuer geschildert. Ein bisschen wirken die jeweiligen Abschnitte wie in sich abgeschlossene Erzählungen und die Suche nach Irina wie eine Rahmenhandlung.

„Das Leben in all seinen
Erscheinungsformen
konnte ungemein bizarr sein.“
(Seite 265)

Die unterschiedlichen Lebewesen auf den Planten werden sehr unterschiedlich und farbig dargestellt. Die meisten wirken eher humanoid, aber es gibt z.b. auch intelligente Amöben (!) oder vogelähnliche Wesen. Faszinierend fand ich den Planet der Bürokratie schlechthin, dessen Bewohner nur sehr kurz leben, aber ihr Gedächtnis an den Nachwuchs vererben. Auf anderen Planeten wiederum gibt es gar keine Ureinwohner – Bibliothek wirkt z.b. wie ein großes Denkmal. Aber ein Denkmal für was genau?

Der Schreibstil ist typisch für Lukianeko und sehr, sehr speziell. Er schreibt ausschweifend und bei jedem anderem würde ich sagen, es ist langatmig. Bei ihm passt es aber einfach und so gibt es neben dem Abenteuer auf dem fremden Planeten auch immer wieder seitenlange Beschreibungen der russischen Küche und welche Getränke am besten dazu passen, Seitenhiebe auf die amerikanische Fast Food Küche, aber auch Gedanken über die Beziehungen zwischen Mann und Frau (die übrigens ziemlich machohaft sind!) und die Frage, was den Sinn des Lebens überhaupt ausmacht. Andererseits versteht sich Lukianenko großartig auf Selbstironie. Denn nachdem Martin einem Außerirdischen erklärt, was Menschen unter Science Fiction verstehen, reagiert dieser perplex:

„Worin besteht dann der Wert dieser Literatur? Das ist doch pure Zeitverschwendung!“
(Seite 309)

Fazit: Fremde Welten und die Suche nach dem Sinn des Lebens – klingt genauso abgedreht, wie es letztendlich auch ist.
Spektrum

Originaltitel: Spectre, 2002
Genre: Science Fiction
Bewertung: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥
Verlag: Heyne
Umfang: 720 Seiten
Leseprobe

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