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[Rezension] Kerry Greenwood: Miss Phryne Fisher Investigates / Cocaine Blues

Die Phryne Fisher Serie ist ein voller Erfolg in Australien. Inzwischen gibt es 20 Bücher und eine Fernsehserie um die reiche Hobbydetektivin, die im Melbourne der 1920 ermittelt. Den ersten Teil der Serie gab es vor einigen Monaten für 0,99€ und zum testen, ob die Serie etwas für mich sein könnte, war das natürlich ideal. ;)
phryne fisher investigates

Phryne Fisher wuchs als ein armes Mädchen in Melbourne auf – bis ihr Vater überraschend Titel und Geld erbte und die Familie nach England zog. Doch die nun ehrenwerte Phryne Fisher ist mehr als angeödet vom Leben der Upperclass in England. Sie hat einfach keine richtige Aufgabe und sich einen Ehemann zu angeln ist auch schrecklich langweilig. Da bekommt sie ein Angebot, das ihre Langeweile vertreibt: Sie soll in Melbourne herausfinden, ob Lydia Andrews von ihren Ehemann vergiftet wird. In Melbourne angekommen widmet sie sich erstmal der besseren Gesellschaft, stellt ein Dienstmädchen ein, beginnt eine Affäre (nein, nicht mit dem Dienstmädchen…), kauft Klamotten, erfährt, das in Melbourne ein Schlächter sein Unwesen treibt, der illegale Abtreibungen durchführt, bei denen die Frauen reihenweise sterben… und irgendwann lernt sie Lydia kennen. Und Drogen kommen auch noch ins Spiel.

„She is generous,
I think. Yes.
And she is clever.“

Die Kriminalfälle – die Suche nach dem Schlächter, die fragliche Vergiftung und der Drogenhandel – nehmen verflucht wenig Raum in Anspruch. Die Suche nach dem Schlächter ist so lachhaft einfach, das ich mich frage, ob die Polizei wirklich sooo dämlich ist. Und auch die anderen Fälle werden immer nur am Rande gestreift. Stattdessen beschäftigt sich das Buch ausführlich mit der täglichen Kleiderauswahl von Phryne (muss wohl so sein bei einem waschechten Flapper Girl), ihrem Make up, ihrer Frisur…gähn. Phryne scheint nur das zu tun, was ihr Spaß macht und neben Klamotten und Männern vertreibt sie sich halt die Zeit mit der Verbrecherjagd. Ernst scheint sie ihre Aufgabe aber nicht zu nehmen und mehr als einmal kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Dabei ist sie auch noch viel schlauer als die Polizei – was bei deren Unfähigkeit aber auch keine hohe Kunst ist.

Neben der schlauen Fisher werden noch eine Reihe weiterer Nebenfiguren eingeführt: das Dienstmädchen, zwei Fahrer, die von der Revolution träumen, einige unfähige Polizisten, die engagierte Ärztin der Frauenklinik, die natürlich nur Hosen trägt…vermutlich werden diese in den nächsten Bänden auch wieder mit von der Partie sein. Leider sind die Charaktere genauso klischeehaft wie die Hauptfigur.

Ich habe nun wirklich keine große Kunst erwartet, sondern einfach nur leichte Unterhaltung. Stattdessen bekam ich gepflegte Langeweile. Vom Schreibstil her würde ich es ganz ordentlich nennen – nichts weltbewegendes, aber auch nicht grottig. Nervig fand ich die vielen speziellen Ausdrücke, mit denen die Autorin das Buch spickte. Gut, in den 1920er Jahren war das so. Vielleicht ist manches davon auch australischer Slang – „Murphies“ sind z.b. Kartoffeln, „Jacks“ Polizisten und „Giggle-Juice“ bedeutet Alkohol. Aber warum man dann kein Glossar mit den häufigsten Wörtern in das Buch packen kann, keine Ahnung. Zumindest hatte meine Ausgabe nichts derartiges. Zum Glück gibt es auf der Homepage der Autorin ein Glossar, das ich mir auf den Kindle geschickt habe.

Positives (neben dem schon erwähnten Schreibstil) an dem Buch: das Cover ist hübsch, es ist dünn und weil ich es so blöde fand, spare ich mir eine Menge Geld, das ich sonst in die Fortsetzungen investiert hätte!

Originaltitel: Cocaine Blues, 1989
Deutsche Übersetzung: Miss Fisher und der Schneekönig
Genre: Cozy Crime
Serie: Phryne Fisher #1 ~ Serienübersicht
Verlag: C&R Crime
Umfang: ca. 185 Seiten

4 Comments

  1. Deine Liste der positiven Dinge hat mich wirklich schmunzeln lassen. :D Ich glaube, ich lasse die Finger davon und schaue lieber nach dem nächsten Band aus der „Her Royal Spyness“-Reihe.

    • Irgendwas positives lässt sich immer finden. ;)

      „Her Royal Spyness“ ist also gut? Ich habe ein paar Bände auf meinem Reader liegen…wobei ich im Moment keine Lust auf Cozy habe.

      • Mir gefällt die Reihe bislang eigentlich ganz gut. Humorvoll, sympathische Figuren und immer wieder Zeitkolorit. Ganz ernst darf man die Serie vielleicht nicht nehmen, aber sie ist – meinem Gefühl nach – genau all das nicht, was du an diesem Buch hier kritisiert hast. :D Ich werde, wenn auch nicht mit höchster Priorität, auf jeden Fall weitere Bände davon lesen.

      • Klingt gut! Irgendwann werde ich mal daran versuchen, wenn ich mal wieder Lust auf die Zeit habe.

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