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[Rezension] Tschüss Oma & Opa wird bald sterben

Erwachsene tun sich oft schwer damit, wie sie kleinen Kindern den Tod von nahen Angehörigen erklären sollen. Es gibt inzwischen eine ganze Flut an Büchern, die sich mit dem Thema beschäftigen. Zwei Kinderbücher möchte ich hier näher vorstellen.
tschüss oma
Eva Höschl / Nana Kutschera: Tschüss Oma
Die Oma hier ist eine wahre Bilderbuchoma – sie spielt und macht die besten Brathähnchen der Welt. Doch dann wird die Oma krank und schließlich stellt sich heraus, das die Oma nicht mehr gesund wird, sondern das sie sterben wird.
Die Zeichnungen in dem Buch fand ich einfach nur schön – sehr liebevoll umgesetzt. Die Texte sind schon recht christlich angehaucht, mit den ganzen Engeln…
Positiv fand ich, dass das Kind namenlos bleibt. Nicht mal das Geschlecht erfährt man und ich denke, das sich Kinder so schneller mit der Ich-Figur anfreunden können.
Am Ende des Buches gibt es ein kleines Glossar, in dem die wichtigsten Begriffe wie Hospiz, Hospizhelfer, Palliativstation etc. erklärt. Kleine Kinder dürften das noch nicht verstehen, aber für Eltern ist es bestimmt informativ.
Außerdem ist auch das Rezept für die besten Brathähnchen in dem Buch enthalten. ;)

Originaltitel, 2008
Genre: Kinderbuch
Umfang: 40 Seiten
Verlag: Der Hospizverlag
Leseprobe

 

Gabi Winter, Tobias Borries: Opa wird bald sterben – Palliativpflege in der Familie
Das zweite Buch beinhaltet ebenfalls eine Bilderbuchgeschichte, dazu kommt hier aber noch ein recht ausführlicher Ratgeber für Eltern.
Hier ist es der Opa, der bald sterben wird. Die Eltern versuchen den beiden Kindern zu erklären, das der Opa nicht mehr gesund wird. Im Gegensatz zum ersten Buch enthält dieses viel mehr Text. Und der Opa wird zu Hause gepflegt – ein Krankenbett kommt ins Wohnzimmer und die Kinder testen erstmal die Fernbedienung des Bettes. ;)
Was mir gerade an dem Buch gefallen hat, das sind die Probleme, die Kinder bekommen können und an die Erwachsene vermutlich erst zu spät denken: Schuldgefühle, das der Opa sterben wird, weil die Kinder ungezogen waren oder zu laut gespielt haben. Außerdem ist dieses Buch neutral, was die Religion angeht und so theoretisch für alle Glaubensrichtungen geeignet. Stattdessen wird in einfachen Worten über Dinge wie Schmerztherapie, Krankheit und Tod gesprochen. Der Zeichenstil ist anders als in Tschüss Oma, hat mir aber auch gut gefallen.

Im zweiten Teil des Buches, dem Elternratgeber, wird noch etwas ausführlicher auf die Sorgen und Ängste von kleinen Kindern eingegangen und wie Eltern damit umgehen können. Außerdem werden hier nochmal die verschiedenen Begriffe wie Hospiz und spezialisierte ambulante Palliativversorgung kurz erklärt.

Rein gefühlsmäßig hat mir dieses Buch etwas besser gefallen, ich fand gerade den Ansatz, von einer Sterbebegleitung zu Hause zu erzählen sehr schön umgesetzt.

Originaltitel, 2008
Genre: Kinderbuch
Umfang: 38 Seiten
Herausgeber: Mehr Zeit für Kinder e.V.
Erhältlich ist das Buch im Online Shop von Mehr Zeit für Kinder e.V.

6 Comments

  1. Beide Titel scheinen deutlich detaillierter zu sein als die Bücher, die ich zum Thema kenne. Wobei mich persönlich die christlichen Aspekte in „Tschüss Oma“ vielleicht störend empfinden würde. Kennst du eigentlich „Nie mehr Oma-Lina-Tag“ von Hermien Stellmacher? Das ist bislang das Bilderbuch, das ich gern empfehle, wenn es um das Thema Tod und Beerdigung geht.

    • Extrem christlich ist es sicher nicht, es gibt ja auch Menschen, die mit dem Christentum nichts anfangen können und trotzdem an Engel glauben. Und ich höre ganz oft, das Kindern der Tod mit Gedanken an Himmel, Engel, etc. erklärt wird, von daher ist es nicht ungewöhnlich.

      „Nie mehr Oma Lina Tag“ kenne ich nicht, wir haben nur die beiden Kinderbücher zu dem Thema.

  2. MIr geht es ähnlich wie der Winterkatze. Mit dem Titel mit deutlich chritlichem Bezug würde ich mich wohl nicht nur schwer tun, sondern es wieder direkt wieder weglegen. Erziehungs- und (nicht-)glaubensbedingt bevorzuge ich hier (und auch bei anderen Themen) die sogenannte „weltliche“ Version.

    Ob es Literatur für Kinder gibt, die sich konkret mit dem Tod und dem Sterben beschäftigen, war bislang nicht wirklich im Fokus meiner Aufmerksamkeit. Aber ja, natürlich, ist auch das ein Thema.

    • Mein Fall wär das auch nicht, aber hier im katholischen Bayern…

      Ich habe mal kurz bei Amazon geguckt und es gibt eine ganze Menge an derartigen Büchern. Bei „Mehr Zeit für Kinder“ gibt es übrigens auch Kinderbücher zu Themen wie Demenz, Depressionen, bipolarer Störung und Brustkrebs.

      Ich weiß nicht, wie viele Eltern bei meiner Arbeitsstelle die Bücher überhaupt kennen, die stehen in einem kleinem Regal mit anderen Büchern zusammen. Aber ich habe mir fest vorgenommen, wenn ich das nächste Mal zu dem Thema gefragt werde, dann werde ich die beiden Bücher einfach zeigen. Ob sie dann genutzt werden, bleibt den Eltern über lassen.

      • Ich vermute mal, dass die Erziehung der Kinder dann grundsätzlich „traditionell“, also entsprechend der elterlichen Religion, erfolgt. Falls so ein Buch für das Kind besorgt wird, ist es sicher natürlich, eine der Erziehung/dem Glauben entsprechende Wahl zu treffen.

        Wie so häufig, muss man wissen, wo man suchen muß – bzw. dass es solch ein Angebot gibt. Ich hoffe, dass die Familien die Information und das Angebot schätzen, auch wenn sie sich viell. gegen die Lektüre gemeinsam mit den Kindern entscheiden.

      • Ich muss sagen, das die Frage, wie erkläre ich es meinen Kindern, insgesamt gar nicht sooo oft vorkommt. Aber es ist natürlich auch so, das viele Patienten, die ich betreue, schon lange krank sind und oft auch von Psychologen mitbetreut werden. Auch Angehörige werden meistens psychologisch betreut, bevor ich sie überhaupt kennen lerne.

        Diese Bücher habe ich zwar bisher kaum eingesetzt, aber allein für ein Gespräch sind die Betroffenen bisher immer sehr dankbar gewesen.

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