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[Rezension] Hannah Tunnicliffe: Der Duft von Tee

Macao, die ehemalige portugiesische Kolonie, die inzwischen wieder zu China gehört, bildet den exotischen Hintergrund für diesen netten, aber etwas zu süßlichen Roman.
der duft von tee
Die Engländerin Grace und ihr australischer Ehemann Pete sind seit kurzem in Macao, wo ihr Mann ein neues Casino aufbauen soll. Die beiden sind schon länger verheiratet und am Anfang lief alles gut. Doch der unerfüllte Kinderwunsch hat einen Keil zwischen die beiden geschoben. Grace fällt in eine tiefe Depression, doch schließlich rafft sie sich auf und eröffnet ein Café in Macao, in dem sie unter anderem Macarons anbietet.

Grace und Pete mit ihrer Sprachlosigkeit sind recht gut dargestellt. Grace will einfach nicht über die Tatsache sprechen, das sie keine Kinder bekommen kann und stürzt sich lieber in ihre neue Arbeit. Und als Reaktion darauf vergräbt sich auch Pete noch mehr in seine Arbeit, so das die beiden eigentlich nur noch nebenher leben. Im Lillian’s, dem Café, trifft Grace auf verschiedene Menschen. Zum einem sind da natürlich die anderen Ausländer, die teilweise sehr versnobt sind, aber auch Chinesen. Da das Café so gut läuft, stellt sie schnell zwei Frauen ein, die ebenso unterschiedlich sind. Zum einen ist das Rilla, eine junge Philippinin, und Gigi, eine Chinesin. Von einem französischen Koch erlernt Grace das Backen der Macarons und irgendwie fühlt sie sich auch hingezogen zu dem charmanten Mann.

Das Buch liest sich locker-leicht, von daher ist es eine ideale Sommerlektüre. Die Umgebung und das Leben in Macao wird recht gut beschrieben: die zahlreichen Casinos, das Klima, der Status der philippinischen & indonesischen Frauen, die meist als Hausmädchen tätig sind, die Frauen der westlichen Einwohner, die zum größten Teil eher arrogant auf ihre Umgebung herabsehen und die Chinesen, die für die meisten rätselhaft bleiben. Kein Wunder, macht sich doch so gut wie niemand die Mühe, Kantonesisch zu lernen.
Neben der fortlaufenden Romanhandlung gibt es auch zahlreiche Briefe, die Grace an ihre Mutter schreibt.

Insgesamt ist das Buch wirklich nett, aber mir war es zu zuckrig und klebrig, sämtliche Probleme lassen sich auf einfache Weise lösen. Und man darf nicht zu viel nachdenken beim lesen – das Grace ohne jede Kenntnisse in Kantonesisch ein Café eröffnet, ist in der Realität wohl kaum möglich. Und das zu einem Café mehr gehört als das Backen und Servieren wird auch großzügig außer Acht gelassen.
Teilweise war mir Grace auch zu passiv, zu erstarrt. Alles, was ihr nicht passt, wird ignoriert. Und wenn das nicht mehr möglich ist, dann reagiert sie völlig überzogen.
Außerdem bietet das Buch null Spannung. Von Anfang ist klar, wie die Geschichte ausgehen wird. Die tatsächliche Umsetzung ist das allerdings recht mau und in meinen Augen mehr als schwach.

Tee spielt übrigens kaum eine Rolle – eher noch die Macarons, die als Namensgeber für die einzelnen Kapitel dienen durften. ;)

Originaltitel: The Color of Tea, 2011
Genre: Belletristik
Umfang: ca. 400 Seiten
Verlag: Diana Verlag
Leseprobe

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