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[Rezension] Antonio Skármeta: Mit brennender Geduld

Isla Negra, Chile, 1969. Hier lebt der berühmte Dichter Pablo Neruda. Und Mario, der Postbote, der ihm jeden Tag einen Stapel an Fanpost bringt und so sehr hofft, das der große Dichter ihm ein persönliches Autogramm in sein Buch schreibt, damit er mehr Erfolg bei den Frauen hat.
mit brennender geduld
Stattdessen freunden sich die unterschiedlichen Männer an. Mario, der noch ganz grün hinter den Ohren ist verliebt sich zum ersten Mal in seinem Leben. Und Pablo Neruda, der gefeierte Dichter, der sich für die Politik von Salvador Allende einsetzt und am Ende seines Lebens steht.

Das Buch ist eine seltsame Mischung aus Poesie und Politik. Und der Liebe. Es gibt wunderbar poetische Abschnitte, Sätze, die einfach zauberhaft sind. Nur, damit ein paar Seiten später wieder Textstellen kommen, die eher derb und fast schon vulgär sind. So fand ich die ganze Werbung von Mario um die schöne Beatriz kein bisschen romantisch, sondern eher komisch. Denn was bei dem Mädchen so gut klappt, funktioniert bei ihrer Mutter nicht. Die bissigen Dialoge zwischen Beatriz und ihrer Mutter sind ein echter Lesegenuss. Letztendlich wollen alle Männer nur dasselbe, nur Dichter sind dabei gefährlicher, weil sie ihre Absichten hinter schönen Worten verstecken, so die Mutter. ;)

Natürlich wird auch das Leben von Pablo Neruda geschildert. Der alternde Dichter, der voller Ironie auf sein Leben zurück sieht, die Verleihung Literaturnobelpreises, die tiefe Liebe, die er für seine Frau empfindet, vor allem aber wird erzählt, wie sehr ihn die Menschen verehrten.

Neben der Liebesgeschichte spielt aber auch die Politik eine wichtige Rolle. Zuerst der Wahlkampf, dann der Jubel über den Sieg von Allende, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die schließlich zum Militärputsch führte.

Das Ende bleibt offen und ich frage mich immer noch, wie es Mario und Beatriz wohl in der folgenden Diktatur ergangen ist, so lebendig und echt wirkten sie für mich…

Originaltitel: Ardiente paciencia, 1985
Genre: Gegenwartsliteratur
Umfang: 160 Seiten
Verlag: Piper

Das Buch wurde unter dem Titel Il Postino – Der Postmann verfilmt. Der Trailer ist wunderschön, allerdings scheint mir, das die Politik in dem Film überhaupt keine Rolle spielt und sich das ganze auf die Liebesgeschichte beschränkt. Sehen würde ich den Film zwar trotzdem gerne, allerdings habe ich ihn noch zu keinem akzeptablen Preis gefunden. :(

5 Comments

  1. Ich habe diesen bezaubernden Film einige Male gesehen, und wenn ich nicht irre, müßte ich ohn noch irgendwo aufbewahrt haben. Ich wollte sowieso mal nachsehen, was so im Laufe der Zeit wegen des Internets in den Hintergrund gerückt ist. Vielleicht gebe ich mal Signal, falls er noch vorhanden ist. LG lewil

  2. Pingback: Sonntagsleserin KW #25/26 – 2014 | buchpost

  3. ein ganz wunderbares Buch, vielen Dank für die Erinnerung. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, der sich für Poesie und Politik interessiert.
    Liebe Grüße, Kai

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