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[Rezension] Lili Grün: Mädchenhimmel!

Mädchenhimmel! war das erste Buch, das ich seinerzeit im Rahmen der HotList angelesen habe. Ziemlich skeptisch, weil Gedichte eher nicht mein Fall sind. Aber wenige Zeilen reichten aus und ich war angefixt. ;)

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Lili Grün wurde 1904 in Wien geboren, verbrachte Ende der 1920er Jahre einige Jahre in der Kabarett­szene in Berlin, bevor sie zurück nach Wien ging. Sie schrieb zwei Romane, doch nach der Okkupation Österreichs konnte sie als Jüdin nichts mehr veröffentlichen und starb schließlich 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinez.
Neben ihren Romanen hat sie in zahlreichen Zeitschriften Gedichte und kleine Geschichten veröffentlicht. Diese wurden nun in diesem Buch gesammelt und neu herausgebracht.

Zeitlich entstanden die Texte alle Ende der 1920, Anfang der 1930er Jahre. Schnoddrig, ironisch, sarkastisch, melancholisch, manchmal auch humorvoll, so wirken die Texte. Vom Stil erinnerten sie mich ein bisschen an Kurt Tucholsky, wobei Lili Grün nicht so politisch wird. Stattdessen erzählt sie vom Alltagsleben der Frauen – jungen Frauen, auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Das klingt sehr banal, wenn man das so liest, ist es aber nicht. Denn auch wenn die Sehnsucht nach einer perfekten Partnerschaft da ist, so wird auch die Realität angesprochen, in der das Leben eben nicht perfekt ist. Eine Welt, in der Arbeitslosigkeit und Mangel eine Rolle spielen und wenn Arbeit da ist, dann gibt es dort immer einen unbequemen Vorgesetzten oder die Arbeit ist eintönig. Dadurch wirken die Texte erstaunlich zeitlos.

Das schmale Buch ist sogar noch dünner als die Seitenzahl es vermuten lässt. Im Inneren gibt es zahlreiche Schwarz-Weiß Fotos, dazu kommt am Ende noch ein ausführlicher Kommentar der Herausgeberin Anke Heimberg. Trotzdem hat mich das Buch über einen längeren Zeitraum begleitet und ich bin mir sicher, das ich auch später immer wieder mal in das Buch reinlesen werde.

Originaltitel, 2014
Genre: Lyrik, Erzählungen
Umfang: 192 Seiten
Verlag: AvivA
Leseprobe

7 Comments

  1. „Trotzdem hat mich das Buch über einen längeren Zeitraum begleitet und ich bin mir sicher, das ich auch später immer wieder mal in das Buch reinlesen werde.“

    Es gibt kaum eine bessere Empfehlung für ein Buch. :)

    • Ich habe es übrigens letzte Woche zweimal geschafft, mit dem Buch in der Tasche am Briefkasten vorbeizugehen und es jedesmal vergessen, es einzuwerfen! *gg*

      Aber nachher mache ich noch einen Spaziergang. Neuer Versuch!

      • *schmunzel* Das klingt sehr vertraut! Nur schaffe ich es in der Regel die Sachen auf dem Küchentisch liegen zu lassen, statt sie schon in der Tasche zu haben. :)

      • Wohlgemerkt, in der Handtasche! Und ich hatte sogar noch andere Post darin, die noch schwerer war…und die ich auch immer nach Hause getragen habe. *seufz*

    • Das beweist einfach nur, dass du sehr vertraut damit bist, dass deine Handtasche ein gewisses Gewicht hat (und dass du urlaubsbedürftig bist – was eh immer die richtige Antwort auf solche Aktionen ist). ;)

  2. Eine schöne Beschreibung. Ich habe eine Lesung auf der Buchmesse gehört und fühle mich nun auch angefixt. Dann stoße ich direkt heute auf deine Rezension in meinem Newsfeed. Yeah!
    Liebe Grüße
    Mareike

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