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[Rezension] Wladimir Lortschenkow: Milch und Honig

Larga ist ein kleines Dorf in Moldau, bitterarm wie der Rest des Landes. Aber die Menschen haben einen Traum, an dem sie sich klammern: Italien. Das in ihren Augen gelobte Land, das Land, in dem Milch und Honig fließen. Wo man schon als Zimmermädchen 1000 € bekommt. Es gibt nur ein Problem: sie bekommen keine Einreisegenehmigung. Also bleibt nur die illegale Einwanderung.

milch und honig

Bei der Wahl ihrer Fluchtmethoden sind die Bewohner extrem kreativ. Traktoren werden als Flugmaschinen oder als U-Boot umgebaut, eine Curlingmannschaft wird gegründet, schließlich sogar ein Kreuzzug durchgeführt. Auch der Präsident des Landes träumt von einem beschaulichem Leben in Italien (als Pizzabäcker). Die Pläne werden übrigens extrem rücksichtslos durchgeführt – Blut und Leichen säumen den Weg der Menschen.

Am Anfang war ich noch recht gespannt, wie sich das ganze weiter entwickeln würde, aber je verrückter die Ideen wurde, desto ermüdender empfand ich den Roman. Dieses immer wieder und immer wieder eins drauf setzen hat dem Buch nicht gut getan. Da werden die Dorfbewohner von Schleppern durch die Gegend gefahren, andauernd müssen sie noch mehr Geld für das Bestechen diverser Ordnungshüter ausgeben, um schließlich in Italien anzukommen. Das glauben sie zumindest, doch schnell stellt sich heraus, das sie in Wirklichkeit nie aus Moldau herausgekommen sind. Italien ist in den Augen einiger Dorfbewohner ein Mythos. Sowas gibt es gar nicht. Schließlich gibt es immer wieder Personen, von denen man nie wieder etwas gehört hat, nachdem sie in Italien gelandet sind.

Auch der Schreibstil hat mir nicht zugesagt. Andauernd werden neue Personen eingeführt und bei der episodenhaften Erzählung habe konnte ich einen den berühmten roten Faden nicht entdecken. Leider konnte ich auch mit dem doch sehr speziellen Humor nichts anfangen. Mir war das ganze einfach zu abgedreht, zu lächerlich.

Dafür habe ich ein bisschen für meine Allgemeinbildung getan. Ich weiß nun, wo Moldau liegt, das es ein bitterarmes Land ist und das Moldau und nicht Moldawien der offizielle Name des Staates ist.  Und mit dem Fluss Moldau, der durch Prag fließt, hat es auch nichts zu tun. Immerhin etwas. ;)

Originaltitel: Vse tam budem, 2008
Genre: Roman
Umfang: 218 Seiten
Verlag: Atrium Verlag
Leseprobe

6 Comments

  1. Der Roman klingt eigentlich sehr interessant – schade, dass er dich nicht überzeugen konnte. Das Problem, dass mir ein Buch irgendwann einfach zu abgefahren wurde, hatte ich auch schon öfter (zuletzt bei „Der Allesforscher“).

    • Dabei mag ich es gerne schräg und abgefahren! Aber die Grenze zwischen „Boah, ist das schräg!“ und „Herrje, ist das albern!“ ist doch recht schmal…

  2. Schade, dass die gute Idee nicht überzeugend umgesetzt ist … So vom Inhalt hätte mich das Buch durchaus angesprochen, insofern danke ich für die Warnung. ;-)

    • Ich würde ja gerne sagen, das du es vielleicht besser findest. Andererseits hat Natira das Buch nicht mal beendet, weil sie es so furchbar fand.

      Naja, immerhin hat es mich im Second Hand nur 50 Cent gekostet. ;)

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