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[Rezension] Wolfgang Putz, Beate Steldinger: Patientenrechte am Ende des Lebens

Patientenverfügung, Sterbehilfe, „Apperatemedizin“ – Schlagworte, von denen die meisten Menschen eher unklare Vorstellungen haben. Schließlich muss man sich dann auch zwangsläufig mit dem eigenen Tod auseinandersetzen und wer mag das schon?

Patientenrechte am Ende des Lebens

Ich habe zwar keine Berührungsängste, denn für mich gehört der Tod zum Berufsalltag dazu. Aber wenn ich gefragt werde, was zu einer richtigen Patientenverfügung dazu gehört, dann muss ich auch passen. Da kam mir dieses Buch gerade recht, zumal ich den Namen der Autoren auch schon im Bereich des Medizinrechtes schon oft gehört habe.

Wie wurde früher gestorben, wie heute und wie wird in Zukunft das Sterben aussehen? Was zahlt die Krankenkasse, was die Pflegeversicherung? Wer verdient was beim Umgang mit sterbenden Menschen? Wer darf entscheiden, ob ich sterben darf? Welches Gericht ist für was zuständig? Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung – was ist zu beachten? Kurative und palliative Medizin? Und was zum Teufel ist eine PEG und warum ist es so wichtig zu wissen, was das ist? Das sind nur einige Themen und Fragen, die in dem Buch beantwortet werden. Vieles wird mit der Hilfe von Fallbeispielen erklärt, was erheblich zum Verständnis beiträgt.

Für mich war ein Teil des Buches natürlich Wiederholung, gerade wenn es medizinische und pflegerische Dinge ging. Tatsächlich kannte ich auch schon einige wenige Fallbeispiele. Trotzdem war es für mich ein hoch interessantes und leicht verständliches Werk. Die Autoren wirkten auf mich nicht nur außerordentlich kompetent, sie verstehen auch noch, ihr Wissen so rüber zu bringen, das es auch juristische und medizinische Laien verstehen können.

Manches war für mich auch noch völlig neu. Vor allem, das nicht der Wille des Patienten alleine entscheidet, sondern auch die medizinische Indikation noch wichtiger ist. Wenn es z.b. keinen Hinweis darauf gibt, das ein Patient von einer Magensonde profitiert, dann darf diese gar nicht erst angeboten werden! Richtig erschreckend fand ich dagegen, das viele der Patientenverfügungen, die so im Netz herumschwirren, juristisch nicht einwandfrei formuliert sind (Tipp: nehmt eine, die vom Bundes- oder Landesjustizministerium angeboten werden oder von der Kanzlei Putz, Steldinger & Sessel)

Etwa ein Drittel des Buches wird von einem sehr umfangreichen Anhang eingenommen. Dort finden sich u.a. Auszüge aus Gesetzestexte, Gerichtsurteile, Adressen von Hospizen, Formulare für Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten u.ä.

Abschließend möchte ich noch mal sagen, das ich dieses Buch allen interessierten Laien, aber auch Fachkräften empfehle. Es ersetzt für die letzteren in meinen Augen keine Fortbildung zu dem Thema, aber es bietet einen hervorragenden Überblick.

Achten sollte man allerdings darauf, das man die aktuelle Auflage des Buches erwischt (= 5. Auflage 2014), da diese nochmals überarbeitet und der aktuellen Rechtssprechung entspricht.

Tipp: Im März 2014 gab es im Rahmen der Reihe Planet Wissen einen Beitrag über Sterbehilfe, in dem es u.a. ein langes Interview mit RA Wolfgang Putz gibt.

Originaltitel, 2014
Genre: Sachbuch
Umfang: 320 Seiten
Verlag: dtv

9 Comments

  1. Ich finde das Thema auch spannend und wichtig. Mein Mann weiß, was für Wünsche ich habe (auch wenn wir das bislang nicht schriftlich festgehalten haben), er weiß nicht, was für ihn wichtig ist. Wie sehr es den Menschen widerstrebt sich mit dem Thema auseinander zu setzen, habe ich gemerkt, als ich meine Eltern vor Jahren darauf angesprochen habe. Damals wäre ich diejenige gewesen, die sich hätte kümmern müssen, wenn etwa passiert wäre, und ich hatte keine Ahnung von den Wünschen meiner Eltern. Es hat Jahre gedauert bis sie sich damit beschäftigt haben und schriftlich steht immer noch nichts fest, weil mein Vater nicht einsieht, dass meine Mutter sich im Fall der Fälle eine Seebestattung wünscht. Aber immerhin gibt es inzwischen einen Ordner, in dem die wichtigsten Dokumente schon vorhanden oder zumindest vorformuliert sind. Das finde ich persönlich sehr beruhigend.

    Oh, und danke für den Hinweis mit den Online-Formularen! Das halte ich im Hinterkopf. :)

    • Um Bestattung geht es weniger, eher um Dinge wie künstliche Ernährung, Dialyse, Beatmung – und zwar dann, wenn mal selber nicht mehr entscheiden kann, weil man vielleicht bewusstlos im Koma liegt. Das ist echt schwierig, gerade bei jungen Menschen. Ich habe erst vor einigen Monaten selber bei der Arbeit erlebt, wie schwierig das sein kann.

      Was ich übrigens auch als Problem sehe, dass ist die Zunahme von Singles. Ich zerbreche mir schon den Kopf, wenn ich als Bevollmächtigten einsetzen will..

      • Ja, das war mir bewusst – es hängt nur bei meinen Eltern alles zusammen, weil sie eben die Patientenverfügung plus Testament und … hm … Bestattungsvorsorge in einem Aufwasch machen wollten, nachdem ich sie endlich dazu gebracht hatte über das Thema nachzudenken.

        Als Single habe ich noch nicht daran gedacht, wobei ich sicher bin, dass meine beste Freundin da eingesprungen wäre und sich um alles gekümmert hätte. Aktuell habe ich Zettel bei meinem Ausweis liegen mit dem Hinweis auf meinen Mann (oder für den Fall, dass wir beide in einen Unfall verwickelt werden, darauf, dass wir Katzen haben, die versorgt werden müssen).

      • Ah ok, dann ist es natürlich sinnvoll, alles zu klären.

        Ich glaube, wenn ich bei der Arbeit nicht so oft damit zu tun hätte, dann würde ich das Thema wohl auch weit von mir weisen. ;)

  2. Das klingt nach einem wichtigen Buch – und auch ich bedanke mich für die Links zu den „korrekten“ Formularen. Wäre ja zu blöd, wenn man sich schon dazu durchringt, alles zu regeln, und das dann nicht greift.

    • Bei den Formularen ist mir richtig schlecht geworden. Ich mein, wie doof ist das den: da macht man sich Gedanken, und dann scheitert es an einem Formfehler!

  3. Das ist ein wichtiges Thema und gerade, dass das Buch sowohl auf die pflegerischen als auch rechtlichen Aspekte einbezieht, macht es wertvoll. Vorsorgevollmachten, ggf. mit Patienten- und Betreuungsverfügungen, sind wichtig und ich bin froh, dass ich auch immer häufiger Vortragsangebote, z.B. von Volkshochschulen, zu diesem Thema sehe. Dass so viel Wert auf Formalien einerseits und Formulierungen andererseits gelegt wird, hat natürlich mit der Sicherung des Patienten, der benannten Personen und der ausführenden/bzw. unterlassenden Personen zu tun (deswegen soll z.B. auch die privatschriftliche Patientenverfügung regelmäßig bestätigt werden, damit sich ein Arzt oder ein anderer Dritter nach 5 oder 10 Jahren nicht fragen muss, ob der Patient nicht seine Meinung zwischenzeitlich geändert und nur die Vernichtung der Verfügung geändert hat). Ein heikles und sensibles Thema … Ich merke es an mir selbst, obwohl ich auch mit gewisser Regelmäßigkeit mit diesem Thema in Berührung komme. Entsprechende – konkrete – Verfügungen habe ich selbst auch noch nicht getroffen, wohl weil es bedeutet, dass ich mich zwingend mit dem Vorgang meines Sterbens und meinen Ängsten beschäftigen muss. Ein Testament zu errichten, fand ich, da es „nur“ um die Sterblichkeit an sich ging, „einfacher“.

    • Testament habe ich auch nicht, das ist mir aber auch gar nicht so wichtig. Große Besitztümer habe ich eh nicht und zu dem Zeitpunkt bin ich ja schon tot. Mir macht es wesentlich mehr Angst, das mit mir noch Dinge gemacht werden, die ich nicht will und ich mich aber gleichzeitig nicht mehr wehren kann.

      Putz hat nicht nur Jura, sondern auch Medizin studiert (ich glaube aber, das er nie als Arzt praktiziert hat) und das ist bei einem Fachgebiet wie Medizinrecht nur von Vorteil.

      • Ja, genau deswegen habe ich zwar ein Testament gemacht (hauptsächlich wegen laufender Sparverträge etc.), aber noch keine Vorsorgeverfügungen getroffen. ;) Und ja, die fachliche Doppelausbildung ist garantiert von Vorteil.

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