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[Rezension] Amanda Adams: Scherben bringen Glück – Pionierinnen der Archäologie

Amelia Edwards, Jane Dieulafoy, Gertrude Bell, Zelia Nuttall, Agatha Christie, Harriet Boyd Hawes und Dorothy Garrod. Sieben Frauennamen, die mir bis auf zwei Ausnahmen gar nichts sagten. Und gerade Agatha Christie fand ich in dem Zusammenhang merkwürdig, denn Archäologin war die Dame nicht. Oder doch?

scherben bringen glück

Archäologie hatte in früheren Zeiten eher etwas von einer Schatzsuche. Kostbare Funde wurden ins Ausland verbracht und dort ausgestellt. Die Bewohner der Länder, in denen die Schätze gefunden wurden, gingen meistens leer aus. Die erwähnten Frauen lebten und arbeiteten genau in der Zeit, in der sich die Archäologie wandelte, was das Buch noch spannender für mich machte. Die Auswahl der Frauen fand ich dann aber nicht so gelungen. Getrude Bell war alles mögliche, aber als Archäologin würde ich sie nicht betrachten. Und auch Agatha Christie hat nie selber Ausgrabungen geleitet, aber immerhin hat sie ihren Ehemann bei dessen Arbeit unterstützt. Vermutlich sind beiden eher wegen ihrer Popularität aufgenommen worden.

Was die Ausgrabungsstätten angeht, da war ich ganz schön auf dem Holzweg! Aus irgendeinem Grund habe ich nämlich angenommen, das es sich dabei ausschließlich um Ägypten und den Nahen Osten handeln würde. Diese Region bildet zwar den Schwerpunkt, aber Zelia Nuttall grub in Mexiko, Harriet Boyd Hawes in Kreta.

In den Kurzbiografien können die Leben natürlich nur angerissen werden. Außerdem kommen noch jede Menge Abbildungen zu, so das der Text noch weniger wird. Als Übersicht hat es mir jedoch meist gereicht. Gerade über Jane Dieulafoy würde ich noch mehr lesen wollen, denn das klang gerade zu phantastisch: Sie schien eine wirklich partnerschaftliche Ehe zu führen, trug kurze Haare und Männerkleider, war als Mann verkleidet in der Armee und das alles im viktorianischen Zeitalter. Leider habe ich bisher nur französische Ausgaben gefunden. Falls da jemand einen Tipp für mich hat – gerne!

Und falls jemand mehr zu Getrude Bell lesen, so gibt es von Janet Wallach ein interessantes Buch: Königin der Wüste.

Originaltitel: Ladies of the Field, 2010
Genre: Sachbuch
Umfang: 240 Seiten
Verlag: Gerstenberg
Leseprobe

11 Comments

  1. Das klingt wirklich interessant, auch weil du schreibst, dass sich die Autorin nicht nur auf ägyptische Ausgrabungen beschränkt.

    Bei Agatha Christie gibt es ja immer welche, die meinen, dass sie nur „Begleitung“ gewesen wäre, während es genügend Dokument gibt, die bezeugen, dass sie schon eine nicht so unwesentliche Rolle bei den Ausgrabungen von Max Mallowan gespielt hat und auch ihre Arbeit als Autorin nicht so ernst genommen hat (obwohl es für sie immer eine ernsthafte Beschäftigung war), wie ihre Aufgaben bei den Ausgrabungen. Auch soll sie sich im Laufe der Zeit sehr beachtliches Wissen angeeignet haben – was aber wohl vor allem im Austausch mit Kollegen ihres Mannes deutlich wurde.

    • Oh, ich glaube schon, das Christie eine wichtige Rolle gespielt hat. Aber im Vergleich zu z.B. Zelia Nuttall, die Ausgrabungen alleine geleitet und dokumentiert hat eben nicht die „Hauptrolle“.
      Getrude Bell fand ich in dem Zusammenhang eher noch unpassender, die war eher Diplomatin…

      Neben Ägypten geht es auch um Ausgrabungen im Iran, Irak, Palästina und ein bisschen Marokko. Und eben Mexiko und Kreta.

      • Ah, dann hatte ich dich falsch verstanden. So gesehen hast du natürlich recht, ihre Bedeutung für die Ausgrabung war lange nicht so tragend.

        Oh, über Ausgrabungen in Marokko weiß ich so gar nichts … *geht den Merkzettel erweitern*

      • Viel ist es nicht über Marokko – die Ausgrabungen mussten wegen Erkrankung abgebrochen werden…

  2. Das klingt trotz deiner Kritikpunkte sehr interessant. Gerade über Amelia Edwards würde ich auch gern mal mehr lesen – die hatte ich letztes Jahr bei den reisenden Frauen in „Mit Kompass und Korsett“ dabei.

    • Hier ist es natürlich auch nur ein kurzer Anriss, ob da soviel neues für dich dabei wäre, das kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich hätte eigentlich gedacht, das es über sie auch eine richtige Biografie gibt, aber auf die Schnelle habe ich gar nichts gefunden… :(

  3. buecherfaehe

    Das klingt nach einem interessanten Buch. Irgendwie ist es doch inspirierend zu lesen, wie Frauen mit Willensstärke das erreichen, was sie erreichen wollen.

    Nebenbei bemerkt: das Cover schaut gut aus. Das ist für mich zwar kein Kaufgrund, aber wenn der Inhalt passt, ist es schöner, wenn auch das Cover stimmt.^^

    • Der Gerstenberg Verlag hat noch eine ganze Reihe ähnlicher Bücher im Sortiment: „Die Wüste atmet Freiheit“ oder „Die Krinoline bleibt in Kairo“. Da geht es immer um reisende Frauen im Nahen Osten. Ich kenne die anderen Bücher nicht, aber vielleicht wirst du in deiner Bücherei mal fündig?

      Meine aktuelle Lektüre („In 72 Tagen um die Welt“) geht übrigens auch in eine ähnliche Richtung, aber dazu mehr, wenn ich das Buch geschafft habe. ;)

  4. Okay, das scheint ähnlich wie mein Hörbuch zu den Erfinderinnen eher eine grundsätzliche Vorstellung der genannten Frauen und ihres Beitrages zur Archäologie zu sein. Das finde ich als Übersicht ganz interessant. Hm, vielleicht, wenn es günstiger zu haben ist. ;)

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