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[Rezension] Nicolas Barreau: Paris ist immer eine gute Idee

Rosalie hat eine Schwäche für Blau. Aquamarine, Himmelblau, Kornblumenblau, Indigo…die blauen Farbtöne verschwanden im kindlichen Farbkasten immer als erstes. Als Erwachsene eröffnet sie einen kleinen Postkartenladen und gestaltet u.a. Wunschpostkarten. Ihre Beziehung zu ihrem Freund ist eher lauwarm, die Miete steigt immer wieder und in dieser Situation bekommt sie von dem berühmten Kinderbuchautor Max Marchais das Angebot, sein neuestes Buch zu illustrieren. Das Buch wird tatsächlich ein voller Erfolg. Doch dann kommt eines Tages ein Amerikaner in ihr Geschäft, liest das Buch und wird sehr ausfallend – die Geschichte gehöre ihm.

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Nicholas Barreau ist kein Autor, sondern eher eine Marke für romantische Liebesgeschichten mit Pariser Flair. Oder das, was man hier für Pariser Flair dafür hält. Das ganze Buch wimmelt nur so von kleinen Gassen, charmanten Boutiquen, Dachterrassen mit Blick über die Stadt, Croissants und Café au lait. Das Pariser Flair wird einem als Leser ziemlich penetrant immer und immer wieder um die Ohren geschlagen. Um noch mehr Flair einzuarbeiten, werden ständig französische Ausdrücke eingeflochten. Vor dem Hintergrund, dass das Buch von einer Deutschen geschrieben wurde, wirkt das eher lächerlich.

Auch die Story selber fand ich ziemlich seicht. Ich habe bestimmt nichts anspruchsvolles erwartet, schließlich was das mein dritter Barreau. Aber während ich bei Das Lächeln der Frauen und Eines Abends in Paris einfach den Witz genossen habe, fehlte mir der hier. Stattdessen war es schon gerade zu nervtötend vorhersehbar. Die Charaktere sind eher flach. Robert findet Jura natürlich schrecklich langweilig und ein Literaturprofessor macht sich in so einem Liebesroman auch viel besser, weil klischeehafter. Dummerweise wirkt der arme Robert ziemlich… einfach strukturiert. Rosalie soll dagegen auf eines exzentrische Art liebenswert wirken. Stattdessen kommt sie zickig und launenhaft daher.

Gelesen wurde das Hörbuch von Steffen Groth. Ich glaube nicht, das ich schon mal ein Buch von ihm gehört habe, zumindest kann ich mich nicht erinnern. Mir gefiel seine Art recht gut – auch hier fand ich die Sprecher der beiden anderen Hörbüchern etwas besser (mir gefiel es, das es von einer Frau und einem Mann gesprochen wurde), aber das ist wirklich jammern auf hohem Niveau. Denn auch wenn die Story bestenfalls durchschnittlich war, hat mich das Hörbuch dank ihm doch gut unterhalten. Ein bisschen ist es wie mit einem Rosamunde Pilcher Film, den man auch nur wegen der Landschaft anguckt. ;)

Originaltitel, 2014
Genre: Liebesroman
Umfang: 8 Stunden, 50 Minuten
Verlag: HörbucHHamburg HHV GmbH
Sprecher: Steffen Groth
ungekürztes Hörbuch

2 Comments

  1. Hehe, ich musste grad über den Pariser Flair schmunzeln – mir ist da nämlich eine Rezension (ich glaube zu „Das Lächeln der Frauen“) eingefallen, in der die Leserin geschrieben hat, dass man ganz deutlich merken würde, dass das Buch von einem Franzosen geschrieben worden wäre. Und ich habe mir gedacht: Ah ja, das Pseudonym scheint tatsächlich zu wirken. ;-)

    Ich habe ja bislang noch nichts von Barreau gelesen und habe es auch nicht vor. Mich sprechen die Bücher nicht recht an und bei deiner Rezension habe ich auch gerade nicht das Gefühl, dass ich etwas versäume.

    • Bei „Das Lächeln der Frauen“ fand ich die Atmosphäre einfach passend, da war es noch nicht so holzhammermäßig. Aber diesmal…

      Mich hat das Buch einfach recht enttäuscht, weil ich es schon besser kannte. Ich werde es irgendwann noch mal mit Barreau versuchen – vielleicht ist dieses Buch einfach viel schlechter als die anderen.

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