comments 4

[Rezension] Marguerite Abouet, Clément Oubrerie: Aya

Die Elfenbeinküste Ende der 1970er Jahre. In Yop City, einem Viertel von Abidjan lebt die 19jährige Aya. Sie träumt davon, eines Tages eine Ärztin zu sein. Ihre beiden Freundinnen haben ganz andere Ziele im Leben, nämlich den Mann fürs Leben zu finden. Und auch Ayas Vater träumt von anderen Dingen, nämlich von einer Hochzeit zwischen Aya und dem nichtsnutzigen Sohn seines Chefs.

aya

Die Graphic Novel enthält die ersten drei Bände der Aya Serie, die vor ein paar Jahren in einzelnen Ausgaben beim Carlsen Verlag erschienen sind. Ich bin in der Buchhandlung nur zufällig über diese schöne Ausgabe gestolpert und war trotz des hohen Preises neugierig genug, das Buch zu kaufen.

Erwartet hatte ich eine Geschichte, das sich um ein Frauenleben in Afrika dreht, eine emanzipierte Frau. Bekommen habe ich ein Soap. ;) Wobei ich das aber nicht negativ meine. Aya träumt vom Medizinstudium, eine Freundin wird schwanger, die andere sucht weiter nach einem Mann, naiver als je zuvor. Ihre Väter wollen eine Zweitfrau oder halten sich eine Geliebte, die Jungs in Yop City haben nur Sex im Kopf und baggern, was das Zeug hält. Gleichzeitig wird das Hausmädchen „entdeckt“. Bekannte gehen nach Frankreich, andere kommen aus Frankreich zurück. Viele sind dort gescheitert, aber nur wenige geben es auch zu.

Es werden durchaus ernste Themen angeschnitten, aber zum größten Teil zeigt die Graphic Novel den ganz normalen Alltag, mit den oft belanglosen Szenen, wie sie eben zum Alltag gehören. Dazu kommt ein gutes Stück Situatioskomik. In vielerlei Hinsicht sind die Probleme der Jugendlichen die gleichen wie in Europa – unerwünschte Schwangerschaften, lästige kleine Geschwister, verständnislose Eltern und Schwärmereien für den unpassenden Jungen. Dazu kommen hier aber noch die tollen Zeichnungen von Clément Oubrerie:

aya

Der hat nicht nur die Zeichnungen zu dem Buch beigesteuert, sondern auch zu der Zeichtrickverfilmung. Leider ist der Film nur auf französisch und auch nur mit französischen Untertiteln erhältlich. :(

Am Ende des Buches gibt es noch einen kleinen Anhang. Da gibt es u.a. Rezepte, ein Glossar mit ivorischem Slang, der so auch im Buch verwendet wird und, ganz wichtig, Tipps, wie frau ihren Po sexy präsentieren kann. ;)

Die Bandbreite an Themen ist auf jeden Fall immens und ich muss gestehen, spätestens nach dem dritten Band bin ich infiziert. Ich möchte wissen, wie es weiter geht mit Rita, Albert, Moussa, Fanta, Ignace… und natürlich den drei Freundinnen Bintou, Adjoua und Aya! Zum Glück gibt ist gerade die Fortsetzung erschienen: Aya – Leben in Yop City.

Originaltitel: Aya de Yopougon Volumes 1, 2, 3 (erschienen 2005, 2006, 2007)
Genre: Graphic Novel
Serie: Aya #1-3
Umfang: 360 Seiten
Verlag: Reprodukt
Leseprobe

4 Comments

  1. Reprodukt hat wirklich einige tolle Titel im Programm – und der klingt wirklich faszinierend. Das ist wohl mal wieder was für die Weihnachtswunschliste … bis dahin sollte ich auch meinen letzten Delisle-Comic endlich gelesen haben.

    • Ich hab Reprodukt bisher noch nicht so richtig wahrgenommen, aber jetzt platzt meine wunschliste. ;-)

      Erstmal gibt es die Fortsetzung zu Aya und dann… muss ich mich weiter gucken.

      • Ich habe mir heute die Fortsetzung gegönnt. Und dann noch eine Reportage über den Krieg in Jugoslawien in den 90er Jahren – ebenfalls als Graphic Novel – aber nicht von Reprodukt.

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s