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Simon Winchester: Der Atlantik – Biographie eines Ozeans

Vor etwa 50 Jahren überquerte der Simon Winchester zum ersten Mal den Atlantik, damals per Schiff. In den folgenden Jahren nahm er das Flugzeug, aber immer und immer wieder überquerte er den Ozean. Die Geschichte dieses Meeres, die musste höchst eindrucksvoll sein, dachte er sich immer öfter…

der atlantik

Alles, was auch nur im entferntesten mit dem Atlantik zu tun hat, wird in dem Buch erwähnt. Es beginnt mit der Entstehung des Ozeans, die Besiedelung der Küste mit den Menschen, schließlich die Überquerung. Zahlreiche Entdeckungsfahrten später geht es um Sklavenhandel, Piraten, die vielen, vielen Schlachten, die auf dem Meer geschlagen wurden. Dabei finden nicht nur die „großen“ Kriege Erwähnung, sondern auch der kurze, aber blutige Falklandkrieg, ein Krieg, der in der übrigen Welt heute vergessen wurde.

Segelschiffe, Dampfschiffe, Containerschiffe, U-Boote, Flugzeugträger, die ersten Demokratien im Nordatlantik, die NATO, der Golfstrom und die Klimaerwärmung, die Verlegung der Transatlantikkabel, aber auch wie der Ozean die Kultur beeinflusste. Wusstet ihr schon, das der Impressionismus nach einem Bild benannt wurde, das den Hafen einer Küstenstadt am Atlantik, nämlich Le Havre, zeigt?

Über weite Strecken ist das Buch außerordentlich spannend und faszinierend. Viele Abschnitte sind sehr düster – Simon Winchester zeigt Piraten in einem sehr realistischem, blutigen Bild und auch die Schilderungen der Sklavenschiffe erfordern einen stabilen Magen. Der Atlantik als Wiege der westlichen Zivililsation hat vieles gesehen, vieles war sehr grausam.

Bis in die jüngste Vergangenheit hatten die Menschen Respekt und oft auch Furcht vor dem Ozean. Diesen Respekt vor dem Meer haben die Menschen jedoch inzwischen verloren. Es ist lästig geworden, das Meer ist nur eine Masse geworden, die bei einem Flug über den großen Teich nur noch langweilig erscheint. Stattdessen wurde und wird das Meer als eine gigantische Müllkippe benutzt, Abwässer werden ungefiltert ins Meer geleitet, Müll, auch Atommüll im großem Stil ins Meer gekippt. Ölplattformen fördern das schwarze Gold und immer wieder kommt es dabei zu Unglücken. Eine riesige Anzahl an Schiffen überquert den Ozean, während es am Himmel nur so wimmelt an Flugzeugen, die genau das gleiche tun.

Einem Ozean darf man keine Geringschätzung entgegenbringen, doch aufgrund der Mühelosigkeit und der Geschwindigkeit, mit der er heutzutage überquert wird, wächst die Versuchung, genau das zu tun. Das hat millionenfache schlimme Folgen.

Und dann ist da noch der Fisch. Früher gab es gigantische Fischbestände vor der kanadischen Küste, doch innerhalb weniger Jahren wurde das Meer leer gefischt. Die Bestände an Kabeljau haben sich seitdem nicht mehr erholt – es gibt schlicht und einfach keinen mehr. Ehrlich gesagt habe ich nach dem Buch auch keinen großen Appetit mehr auf Fisch. :(

Immer wieder erwähnt Simon Winchster dabei auch persönliche Erlebnisse und Erfahrungen. Reisen auf die Färöer werden ebenso erwähnt wie nach Feuerland oder New York. Er schildert Begegnungen mit Menschen am und im Atlantik und macht damit das Buch erst so richtig lebendig. Ich bin auf jeden Fall schon extrem gespannt auf sein nächstes Buch – Pacific erscheint im Oktober.

Für die Zwischenzeit gibt es noch andere Meere, über die Bücher geschrieben wurden, so z.B. von David Abulafia Das Mittelmeer, welches schon bei mir liegt. ;)

OT: Atlantic – Great Sea Battles, Heroic Discoveries, Titanic Storms & a Vast Ocean of a Million Stories

5 Comments

  1. Tolle Rezension!
    Und ich habe soeben entdeckt, dass das Buch sogar in meiner Bücherei vorrätig ist! Werde mir den Titel also auf jeden Fall notieren und dann bei Gelegenheit mal in der Bücherei vorbeischnuppern.^^

  2. Ich habe das Buch ja auch schon vorgemerkt – schlimm ist das! Und dann habe ich noch festgestellt, dass von dem Autor auch ein Buch über den Jangtse in der Bibliothek vorhanden ist … Nun, aber erst einmal dieses Buch!

    • Oh, der Jangtse? Klingt auch toll, vielleicht hat meine Bücherei das auch… ach, nee. Aber dafür gibt es hier von ihm noch was anderes: „Eine Karte verändert die Welt : William Smith und die Geburt der modernen Geologie“. Klingt auch irgendwie reizvoll, oder?!?

      • Ja, klingt auch reizvoll und das gibt es auch in unserer Bibliothek. :D Aber der Jangtse würde mich noch mehr interessieren.

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