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Haruki Murakami: Untergrundkrieg. Der Anschlag von Tokio.

Der 20 März 1995 war ein schöner Tag in Tokio. Doch es war auch der Tag, an dem die Aum-Sekte das Nervengas Sarin in der U-Bahn freisetzte. 13 Menschen starben, Tausende wurden verletzt, teilweise schwer. Viele leiden immer noch an den Nachwirkungen – körperlich und seelisch.

Untergrundkrieg. Der Anschlag von Tokio.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Abschnitt sind Interviews mit den Opfern und den Angehörigen des Anschlages zu finden, im zweiten wurden Mitglieder der Aum-Sekte interviewt. In Japan wurden die Teile getrennt voneinander veröffentlicht, hier dagegen in einem Band.

Vermutlich hätte ich das Buch nicht gelesen, wenn nicht Haruki Murakami die Interviews geführt hätte. Und natürlich ist das Buch in keinster Weise mit seinem fiktivem Werk zu vergleichen. Murakami nimmt sich hier sehr zurück, lässt die Opfer erzählen. Dabei beschreiben die Personen nicht nur, wie sie den Anschlag erlebt haben, sondern auch persönliches. Sie erzählen von ihrem Beruf, von ihrer Familie. So mancher findet es wohl langweilig, wenn 60 Menschen erzählen, wann ihre Arbeit anfängt, warum sie gerade um diese Zeit un der U-Bahn saßen, was sie am Abend vorher machten. Ich habe das Buch über einen Zeitraum von drei Wochen gelesen und da war das genau richtig. Es ist einfach kein Buch, das man mal eben so überfliegt, aber gerade der eindringliche Ton macht das Buch so interessant.

Faszinierend auch die Einblicke in die japanische Arbeitswelt. Unzählige Male habe ich gelesen, das die Menschen ein, zwei Stunden früher zur Arbeit gehen. Und auch nach dem Anschlag hatten sind viele Menschen zunächst zur Arbeit gegangen, wo sie dann erblindeten. Letzteres kann ich mir noch mit einer gewissen Schocksymtomatik erklären…

Sehr fremdartig fand ich den zweiten Abschnitt. Die Gedanken der (teilweise ehemaligen) Mitglieder der Sekte konnte ich meistens nicht mal ansatzweise nach vollziehen. Manche sind auch noch heute Mitglied, viele der ausgetretenen sympathisieren auch zum Zeitpunkt des Interviews immer noch mit den Zielen der Sekte. Kritiker gibt es selten. Vielleicht wollten gerade die sich nicht mehr öffentlich dazu äußern, gerade wenn sie sich ein Leben nach Aum aufgebaut haben. Außerdem gibt es einen kurzen Anhang, in dem die Urteile gegen die Täter der Sekte aufgeführt sind.

Vermisst habe ich einen Plan, eine Karte der U-Bahn. Ich habe keine Ahnung von den Gegebenheiten in Tokio (ich weiß nur, das es riesig ist), geschweige denn der U-Bahn. So fand ich die ganzen Namen der Linien einfach nur verwirrend.

OT: Andaguraundo / Yakusoku sareta basho de

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