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Harper Lee: Wer die Nachtigall stört

Die Sommer sind heiß in der Kleinstadt Maycomb. Kein Wunder, wir befinden uns im amerikanischen Süden, in Alabama in den 1930er Jahren. Hier wachsen die Geschwister Jean Louise (Scout) und der drei Jahre ältere Jeremy (Jem) auf. Sie sind Halbwaisen und so sorgen der Vater Atticus, ein Anwalt und Abgeordnerter, und Calpurnia, die farbige Haushälterin, für die Kinder. Die Kinder verbringen den Sommer mit Spielen. Zusammen mit ihrem besten Freund Dill, der die Sommer in Maycomb verbringt, erkunden sie neugierig ihre Welt. Vor allem der geheimnisvolle Boo Radley, der Nachbar, der sich den ganzen Tag im Haus verbarrikadiert regt die Phantasie der Kinder an.

wer die nachtigall stört...

Eine wunderbare, friedvolle Welt. Doch langsam kommt es zu größeren Problemen. Scout und Jem müssen erleben, das ihr Vater als Niggerfreund beschimpft wird. Einer der Farbigen in Maycomb soll eine weiße Frau vergewaltigt haben und Atticus ist der Pflichtverteidiger. Atticus will seine Sache so gut wie immer machen und beginnt damit, Beweise für die Unschuld seines Mandanten zu sammeln. Das ist etwas, was ihm die Einwohner in Maycomb nicht verzeihen können.

Die Geschichte beginnt ganz langsam und behält das Tempo auch fast bis zum Ende. Erzählt wird aus der Sicht der kleinen Scout und so liegt der Schwerpunkt des Buches auf die Kindheitserlebnisse: Spiele, Einschulung, Verwandte. Überragt von alledem der
Vater, der in den Augen der Kinder einfach herrlich ist. Obwohl – manchmal wäre es schön, wenn ihr Vater ab und zu ein bisschen mehr wie die anderen Väter wäre, wenn er schießen könnte, wenn er Ball spielen könnte. Doch da winkt der Vater ab, dafür fühlt er sich zu alt.

Ich habe im Vorfeld schon öfters das Argument gehört, das man dieses unbedingt auf Englisch lesen müsse. Nur so würden die verschiedenen Dialekte, in denen Schwarze und Weiße reden, deutlich werden. Ich habe keinen Vergleich zum Original. Aber die Interpretation von Eva Mattes, die die das (ungekürzte!) Hörbuch spricht ist hervorragend! Wie sie die einzelnen Stimmen je nach Person und deren Gesprächspartnern betont, das ist einfach nur hervorragend. Ob Atticus mit seiner Schwester streitet oder den Kindern etwas erklärt, ob Calpurnia sich in Gegenwart weißer Damen sehr gewählt und deutlich ausdrückt oder innerhalb ihrer Gemeinde ihre Sprache verschleift – es passte einfach immer. Mag sein, das die deutsche Übersetzung (es gibt bisher nur eine einzige von Claire Malignon) gelesen nicht so gut wirkt, wie das Original, aber als Hörbuch hatte ich zu keiner Sekunde das Gefühl, das mir irgendwas fehlen würde.

In wenigen Tagen erscheint übrigens die Fortsetzung des Buches – wobei diese vorher geschrieben wurde. Zum größten Teil wird es schon jetzt bejubelt und bei den Verlagen wird man sich wohl die Hände reiben. Vereinzelt gibt es aber auch Kritik.

OT: To Kill a Mockingbird

17 Comments

  1. Eva Mattes mag ich als Sprecherin ja auch gern – schön, dass sie auch dieses Hörbuch so gut eingelesen hat! (Klingt, als wäre das eine Variante für Natira. :D) Ich mochte an der Geschichte nicht nur die Figuren und natürlich die Aussage, sondern auch die Tatsache, dass man miträtseln konnte, was nun wirklich passiert ist.

  2. Diesen Klassiker will ich auch unbedingt noch lesen. Ich bin gespannt, ob in der gedruckten Ausgabe auch die Sprachunterschiede rüberkommen werden. Danke für die schöne und prägnante Rezension, die hat mir richtig Lust auf das Buch gemacht.

    • Bitte gern geschehen! ;-)
      Es gibt so Bücher, bei denen man sich immer wieder sagt, das m man die lesen will… und tut es dann doch nicht. So ist mir mit dem hier zumindest ergangen.

  3. Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, Winterkatze, lach. Eva Mattes habe ich vor einigen Jahren ja als Austen-Sprecherin zu schätzen gelernt und das Hörbuch ist schon mal auf der Merkliste gelandet. :)

    • Hehe, und ich muss nun unbedingt mehr von Eva Mattes lesen.
      Gestern abend habe ich schon das nächste begonnen (Glücklich die Glücklichen), aber da gibt mehrere Sprecher und in der ersten Viertelstunde war sie noch nicht dabei.

      • Ich habe von Yasmina Reza letztes Jahr „The unexpected Man“ im Original gehört (der Grund war, dass ein Part von David Suchet gesprochen wurde, den ich mal ohne den belgischen Poirot-Akzent hören wollte, lach). Es ist eine relativ kurze Geschichte, in welcher die Gedanken zweier sich in einem Abteil sitzender Reisender zu hören sind und sie gefiel mir sehr gut. Ich habe auch „Der Gott des Gemetzels“ von ihr auf der Merkliste … Die Zeit, die Zeit … ;)

      • Aber war das dann nicht die englische Übersetzung, die du gehört hast? Ich meine, weil Reza doch Französin ist?

        Mir gefiel mein Hörbuch kein bisschen und ich habe es, nach einer halben Stunde zurückgegeben. So langweilig!

      • Ja, ich habe eine englische Version gehört, ich kann kein Wort französisch. Nun ja, ein oder zwei Worte vielleicht. :D

        Schade, dass „Glücklich die Glücklichen“ nicht so Dein Fall ist. Wir liegen ja häufig nicht so weit auseinander, da frage ich mich, ob ich „Der Gott des Gemetzels“ wirklich laden sollte. ;)

        Falls Du Interesse hast, kann ich Dir ein von Mattes gesprochenes Austen-Buch zur Verfügung stellen. Ich habe Stolz und Vorurteil von ihr, Sinn und Sinnlichkeit und auch Emma. Letzteres habe ich aber selbst noch nicht gehört.

      • „Glücklich die Glücklichen“ besteht aus einzelnen Episoden. Die erste fand ich noch super, die anderen zwei todlangweilig. Vielleicht wird das Buch auch wieder besser, aber da es das dritte Hörbuch in Folge war, das mir nicht gefiel, war meine Geduld entsprechend gering. ;)

        Oh, das wäre leib von dir! Mir ist egal, welches Hörbuch du mir leihst, gelesen habe ich die Bücher alle mal vor langer Zeit. Mach einfach eine Überraschung draus. ;)

  4. Aktuell höre ich auch dieses Hörbuch und bin schon ganz süchtig. Ein so tolles Buch, das ich jahrelang vor mir hergeschoben habe.
    Du hast schon recht, dass einem etwas fehlt und die Übersetzung die Dialekte nicht einfangen kann. Aber Eva Mattes liest – wie immer – einfach nur grandios.
    Liebste Grüße
    Mareike

    • Ich habs ganz langsam gehört mit vielen Pausen, damit ich möglichst lange was von dem Buch habe. ;)

  5. Bisher kenne ich auch nur die deutsche Übersetzung (allerdings nicht als Hörbuch) und könnte nicht sagen, dass mir dabei etwas gefehlt hätte, aber ohne direkten Vergleich ist das immer zu schwierig zu sagen. Seit einer Weile wartet ja in meinem Bücherregal die englische Version darauf gelesen zu werden. Da es schon so lange her ist, seit ich das Buch auf Deutsch gelesen habe, bezweifle ich fast, dass mir da noch sehr viele Unterschiede in Bezug auf Dialekte auffallen.

    • Vielleicht kaufe ich mir auch noch irgendwann die englische Ausgabe, aber im Moment bin ich dem deutschen Hörbuch gesättigt. ;)

  6. Wie schön, dass dir das Buch in der Hörfassung so gut gefallen hat. Ich habe es ja auf Englisch gelesen und fand es großartig. Vielleicht höre ich ja bei Gelegenheit auch mal die deutsche Hörfassung, auf die Merkliste habe ich sie auf jeden Fall schon gesetzt.

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