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Thomas Jeier: Die ersten Amerikaner

Wenn ich an Indianer denke, dann denke ich als erstes an den edlen Wilden Winnetou und seinen Blutsbruder Old Shatterhand. Die Karl May Bücher haben mein Bild wohl mehr geprägt als alles andere. Zum Glück kam dann Andrea Pabels Das Wildpferd aus den roten Bergen, das wesentlich realistischer das Leben der heutigen Indianer beschrieb.

die ersten amerikaner

Thomas Jeier hat in seinem Buch den Versuch gemacht, die Indianer nicht als die Edlen zu sehen, die ersten Umweltschützer. Aber auch nicht als die verfluchten Rothäute, die nur darauf warten, den nächsten Weißen zu skalpieren und/oder ihn an den Marterpfahl zu binden. Dabei konzentriert er sich auf die Indianer , die auf dem Gebiet der heutigen USA leben, die Indios Südamerikas werden nicht erwähnt und die Mittelamerikas nur in so fern, als das es einige Berührungspunkte mit den Indianern im Südwesten gab.

Es beginnt mit der Besiedlung des Landes – nicht durch die Weißen, sondern durch die Indianer, die über die Beringstraße in mehreren Etappen einwanderten. Gerade da habe ich es vermisst, das die Indios nicht erwähnt wurden – kann man das den so strikt trennen?

Da ich bisher noch nichts über die Geschichte der Indianer gelesen hatte, war das meiste wirklich neu für mich. Mit großem Interesse habe ich von dem Irokesenbund gelesen, der als Vorläufer für die amerikanische Verfassung diente und das die Navajo im 2. Weltkrieg einen Code entwickelten, der praktisch unknackbar war. Auch die Rolle, die die Casinos heute im Leben der Indianer einnehmen, mit allen Vor-und Nachteilen, fand ich sehr spannend. Im Laufe der Jahrhunderte gab es massenhafte Massaker – von beiden Seiten, wenn auch die an die Indianer meist mit wesentlich mehr Todesopfer endeten.

Vom Inhalt her also ein sehr interessantes Sachbuch, der Autor hat viel recherchiert, hat viele Reisen in die USA unternommen und mit den heutigen Indianern gesprochen. Den Schreibstil fand ich teilweise etwas zu trocken, aber andererseits fand ich das gerade, als es um die Beschreibungen der Massaker ging, auch hilfreich, um ein bisschen Distanz zu wahren. Was mir aber extrem sauer aufgestoßen ist, das war die mehr als miserable Rechtsschreibung und Zeichensetzung. Sowas würde ich jedem Indie Autor um die Ohren schlagen und schimpfen, das man lieber Geld in einen Lektor investieren solle. Tja, und dieses Buch, das bei einem renommierten Verlag (Deutsche Verlags-Anstalt) erschienen ist? Kommas sind völlig willkürlich verteilt worden, der Satzbau ist teilweise schlicht falsch und manches Mal musste ich Sätze mehrmals lesen, bis ich verstanden habe, was der Autor eigentlich sagen wollte. Extrem schade und bei einem Buch dieser Preisklasse untragbar!

5 Comments

  1. Oh, dein Kritikpunkt bezüglich Rechtschreibung und Kommasetzung klingt wirklich abschreckend. Da denke ich prompt darüber nach, ob das Buch von meinem Merkzettel wieder fliegt – darauf steht es eh schon seit Jahren und hat es bislang noch nicht bis zu einer Bestellung geschafft.

    • Vielleicht erst die Bücherei? Wenn bei Amazon etwas bei dem Buch bemängelt wurde, dann auch nur die Zeichensetzung. Das ist echt schade… ich meckere in dem Bereich nicht schnell, aber hier fand ich es schon heftig.

      • Leider gibt es den Titeln nicht in unserer Bibliothek. Dafür müsste ich noch einen anderen Autor mit einem ähnlichen Buch auf dem Wunschzettel haben (bin gerade zu faul den Titel nachzuschlagen) und könnte den erst einmal antesten, wenn ich akute Lust auf das Thema bekomme.

  2. Oh, die letzten Sätze klingen nicht gut…nachdem ich mich im letzten Beitrag bei mir auch über die Indie-Autoren ausgekotzt habe (man glaubt das echt teilweise nicht, bis man es selber schwarz auf weiß vor sich hat), muss ich das hier nun bei dir auch von renommierten Verlagen lesen. Ich hoffe mal, daß sowas die Ausnahme bleibt, ich finde es total anstrengend,sowas zu lesen und tu mir das nicht mehr an. Und es ist nicht nur bei hochpreisigen Büchern respektlos, ich finde es allgemein unmöglich. Schade, schade….so ein tolles Thema!

    • Ich bin da deiner Meinung, es ist dem Leser gegenüber respektlos, ein fehlerhaftes Buch zu verkaufen. Wobei ich bei einem billigeren Buch eher noch sagen würde, schwamm drüber. So extrem ist mir das auch schon länger nicht aufgefallen und da muss das Lektorat komplett verschlafen gewesen sein…

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