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#BloggerfuerFluechtlinge

Gefühlte 100 Mal habe ich diesen Artikel schon angefangen. Voller Angst, Scham und Wut über mein Land, meine Mitmenschen und doch habe ich nie die richtigen Worte gefunden. Ob ich es jetzt schaffe? Keine Ahnung.

Mir macht diese braune Brühe Angst. Ich weiß gar nicht, was ich schlimmer finde – die Wesen, die dumpfe Parolen brüllen? Oder die Menschen, die von sich behaupten, „Ich habe ja nichts gegen die Flüchtlinge, aber…“. Aber. Aber nicht hier, nicht hier in meinem Viertel, in meiner Stadt, in meinem Land. Klar, schlimm, aber da soll man doch lieber erst was direkt in Syrien, dem Irak, Eritrea etc. verändern. Leute, dafür ist es zu spät! Das hätte schon lange passieren müssen und jetzt zu fordern, das die Menschen in ihrem Land bleiben sollen, wirkt auf mich einfach nur höhnisch.

Stellt euch vor, ihr werdet bedroht. Im Land herrscht Bürgerkrieg. Ihr hattet einen guten Job, Zahnarzt, Lehrer, hattet eine eigene Firma, was weiß ich. Jetzt bleibt nur noch die Flucht, um das eigene Leben, das der Familie zu retten. Ihr marschiert also los. Von Aleppo nach Regensburg sind es laut Google Maps genau 3000 km, schafft man in 596 Stunden. Die Angabe der Stunden sind natürlich quatsch. Niemand kann so lange laufen, ihr braucht zwischendurch Pausen. Und auch die km Angabe ist nur eine grobe Schätzung. In Wirklichkeit dürfte es viel mehr sein. Ihr schlaft im freien, unter Brücken, in leerstehenden Häusern. Eure Kinder werden krank. Wer weiß, wahrscheinlich werdet ihr zwischendurch überfallen, verprügelt, vielleicht sogar vergewaltigt. Ihr merkt schnell, ihr habt keine Rechte mehr. Und dann kommt ihr endlich in Deutschland an. Und landet in einem Aufnahmelager, vor dem „besorgte Bürger“ stehen und protestieren.

Bisher gab es in meiner Stadt keine Anschläge und ich hoffe, das es dabei bleibt. Dafür gibt aber auch hier genügend von den „Ich habe ja nichts gegen die Flüchtlinge, aber…“ Sprechern. Neulich erst wieder gehört: „…aber die Schwarzen, die sind doch irgendwie anders! Allein schon wie die Aussehen, mit der Haut und den krausen Haaren!“. Anscheinend ist schweinchenrosa akzeptabel.

BFF_1508_ButtonBlau3-300x3001Zum Glück gibt es noch mehrere Menschen, denen es wie mir ergeht. Die Blogger Nico LummaStevan PaulKarla Paul und Paul Huizing. haben deshalb zusammen die Initiative #BloggerFuerFluechtlinge ins Leben gerufen. Ihr könnt Geld spenden oder vor Ort in eurer Stadt helfen. In Regensburg sind auf der Homepage der Stadt mehrere Hilfsmöglichkeiten aufgeführt. Besonders hervorheben möchte ich CampusAsyl – dort gibt es mehrere Projekte wie Kleiderkammer, Sprachkurse und Kinderbetreuung.

Egal was, bleibt nicht still und leise. Macht den Mund auf!

4 Comments

    • Ich denke, das ist das wichtigste – einen kleinen Beitrag leisten. Und wenn der auch nur darin besteht, im Bekannten- und Verwandtenkreis gegen Hetze einzutreten. :(

  1. Mir geht es schon seit einer ganzen Weile wie dir – ich suche nach den richtigen Worten für einen Beitrag und hoffe, dass ich sie bald mal finde. Ich finde es sehr gut, dass du diesen Artikel geschrieben hast und auch, was du darin geschrieben hast.
    Mein eigener kleiner Beitrag beschränkt sich aktuell noch auf Spenden und darauf, eben im Bekannten- und Verwandtenkreis gegen Hetze einzutreten. Erfolglos, wie es den Anschein hat. Es kommt mir vor als würde ich gegen Windmühlen kämpfen. :-(

    • Wenn jeder, der gegen Hetze ist, sich auch entsprechend äußert, dann ist schon viel gewonnen. Ich glaube, wir alle waren viel zu lange geschockt über den Rechtsruck durch Pegida und Co – ich habe mich zumindest viele Monate lang immer nur fassungslos gefragt, was den in die Menschheit gefahren ist? Jetzt versuche ich gar nicht mehr, zu verstehen, waru man so denken kann, sondern gebe stattdessen meinen Senf dazu.

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