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Emma Healey: Elizabeth wird vermisst

Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf, bei dem es plötzlich „Klick!“ macht. So erging es zumindest mir mit diesem Buch.

Maude ist eine alte Frau um die 80. Sie lebt alleine, aber die zunehmende Alzheimer-Demenz macht es ihr immer schwerer, ihr Leben zu organisieren. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Tochter und diversen Pflegekräften. Manches ist für Maude einfach unbegreiflich. Sie geht einkaufen und im Supermarkt angekommen, weiß sie nicht mehr, was sie hier eigentlich will. Also kauft sie Dosenpfirsiche. Die Konserven stapeln sich daheim schon ohne Ende. Sie macht sich ständig Notizen, doch die vielen Zettel können ihr auch nicht mehr helfen, weil sie nicht mehr weiß, welcher der Zettel aktuell ist. In einer Sache ist sie sich aber sicher: Elizabeth, ihre Freundin, wird vermisst.

Das Hörbuch, das übrigens ungekürzt ist, wird von Katharina Thalbach gelesen. Ich bin kein riesiger Fan von ihr, aber gerade wenn es um die Interpreation von alten Frauen geht, ist sie einfach umwerfend. Zumindest Die Woll-Lust der Maria Dolors fand ich ebenfalls sehr gut gelesen. Dabei wird dieses Buch ebenso wie die Woll-Lust komplett aus der Sicht der Hauptperson erzählt. Das ist teilweise recht schwierig, weil Maude ihr Gedächtis langsam verliert, sie vieles verwechselt und andere Dinge immer und immer wieder wiederholt. Typisch für Demenz – die früheren Erinnerungen sind für sie viel deutlicher als die Dinge, die gerade eben erst geschehen sind. Das Elizabeth vermisst wird, ist ein schwerer Schlag für sie, viel schwerer, als ihre Tochter es ahnen kann. Denn als junges Mädchen direkt nach dem Krieg musste sie sich schon einmal mit einem Vermisstenfall beschäftigen. Damals verschwand ihre ältere Schwester Sukie spurlos, ohne das jemals geklärt werden konnte, was mit ihr geschah.

Gerade die vielen Kleingkeiten, an denen man das Fortschreiten der Erkrankung feststellen kann, sind hervorragend geschildert. Der Moment, wenn Maude Hunger hat, aber nicht mehr weiß, wie man ißt. Wenn sie sich über die fremde Frau ärgert, die da plötzlich in ihrem Haus steht und behauptet, ihre Tochter zu sein. Helen ist doch noch nicht so alt wie diese Frau! Es gibt unzählige Szenen, die einfach nur unglaublich traurig sind. Aber gerade dadurch lässt es sich gut nachvollziehen, das die Betreuung von Demenzkranken eine immense Herausforderung für die Angehörigen ist. Und das es völlig normal ist, das diese irgendwann auch mal die Nerven verlieren, das sie einfach nicht mehr können.

Trotzdem fand ich, dass das Buch durchaus auch seine Längen hatte. Dieses ständige „Elisabeth? Elisabeth wird vermisst?!“ ging sogar mir als Hörerin zwischendurch auf den Keks. Und auch die Ausflüge in die Vergangenheit, die waren mir etwas zu viel. Sooo interessant war das Verschwinden von Sukie dann doch nicht für mich.

Wie dem auch sei, Elizabeth wird vermisst ein beeindruckendes Debüt und ich bin schon gespannt, was die Autorin in Zukunft schreiben wird!

OT: Elizabeth is Missing

3 Comments

  1. Im Gegensatz zu Dir habe ich ja die Printversion gelesen; vielleicht ist das der Grund, weshalb ich von Wiederholungen offenbar nicht somgenervt war, sie blieben mir nämlich nicht im Gedächtnis. :) Ich fand es interessant und auch mutig, dass das Geschehen nur aus Maudes Perspektive geschildert wird – und es fühlt sich beim Lesen „richtig“ an .

    • Extrem genervt hat es mich auch nicht, eher so ein leichtes Augenrollen meinerseits. ;)
      Und es hat sich bei mir auch „richtig“ angefühlt, anders wäre es längst nincht so intensiv geworden.

  2. Pingback: Emma Healey: Elizabeth is missing (2014) | buchpost

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