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Zdenka Becker: Der größte Fall meines Vaters

Einfach spontan ein Buch auswählen, das schon seit einiger Zeit auf dem Kindle liegt und begeistert darin versinken. Nur unterbrochen vom eifrigen Kredenzen diverser Getränke, die mich wach halten sollten. Gelungen ist ihnen das nicht und so habe ich das Buch bei der Hälfte zusammengeklappt und die zweite Hälfte am Morgen still im Bett genossen, schön ausgeschlafen. Ich weiß gar nicht mehr, wann mich das letzte Mal ein Roman so packen konnte und ich auch die Zeit dazu hatte! Wobei ich fairerweise sagen muss, das Der größte Fall meines Vaters noch deutlich unter 250 Seiten liegt. Ein eher schmales Büchlein also.

Jeden Samstag verbringt Lara mit ihren alten Vater. Der ist körperlich inzwischen sehr geschwächt und sitzt die meiste Zeit im Rollstuhl. Geistig ist er aber noch voll auf der Höhe, wenn auch recht eigensinnig. Seine neueste Macke: Lara soll ein Buch über seinen größten Fall schreiben. Der frühere Landespolizeipräsident Teodor Mudroch hat in seiner Laufbahn eher mit kleineren Diebstählen zu tun gehabt, bis er durch Zufall einen spektakulären Mord aufklären muss. Eine Frau hat ihren Partner zerstückelt und die Leiche größtenteils verbrannt. Lara war zu dem Zeitpunkt 13 Jahre alt und hat natürlich vieles mitbekommen. Aber ihre Sicht war die eines Kindes, das nur Randnotizen erfuhr und sich den Rest irgendwie zusammengereimt hat. Als Erwachsene ist es anders und vieles, sehr vieles hat sie ganz anders in Erinnerung. Außerdem hat sich auch das Land massiv verändert: Aus der Tschechoslowakei wurden zwei unabhängige Staaten. Die Handlung spielt überwiegend in dem Slowakischen Teil – zumindest wird es immer extra erwähnt, wenn die Ermittlungen in den tschchischen führen.

Wer hier einen Krimi erwartet, der wird bitterlich enttäuscht sein. Der Mord dient eher als Hintergrund und wer die Tat verübt hat, darin besteht von Anfang an kein Zweifel. Wichtig und ganz wunderbar geschildert ist dagegen die Beziehung zwischen Vater und Tochter, die immer sehr viel enger war als die zur Mutter. So erfährt Lara jetzt im Abstand von Jahrzehnten, was es mit der Ehekrise ihrer Eltern auf sich hat. Die Handlung springt immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Dabei kann ich mich gar nicht entscheiden, welche Zeit mir die liebere gewesen wäre – oft ist es, das ich bei ähnlichen Bücher eine Handlung spannender, faszinierender finde. Hier passte aber einfach beides perfekt zusammen. Sowohl die Beschreibungen, wie sie ihren alten Vater duscht und danach seine alte Uniform anzieht und mit ihm spazieren fährt, als auch ihre Gefühle als Kind, über die Mutter, die mehr als ehrgeizig wichtigen Posten hinterher jagdt, sind sehr eindrucksvoll und machen Lust auf mehr. Schade, das die Geschichte nicht länger war, ich hätte gerne noch mehr Zeit mit Lara und ihrem Vater verbracht.

5 Comments

  1. Toll, wenn man endlich mal wieder ein Buch findet, in dem man so gut versinken kann! Es klingt auch vom Inhalt her tatsächlich sehr interessant.

    • Ich könnte mir gut vorstellen, das dir das Buch auch gefallen könnte! Und ja, ich fand es echt toll, mal wieder einen richtig schönen Roman zu lesen.

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