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Catherine Merridale: Der Kreml

Die Geschichte des Kremls ist die von Moskau und damit auch die von Russland. So zumindest ist die Gleichung, die die britische Historikerin Catherine Merridale aufstellt. Das stimmt einerseits und andererseits aber auch wieder nicht. Der Kreml ist und war das politische Zentrum eines Riesenreiches, ein Symbol. Ein Symbol, das immer und wieder umgebaut und renoviert wurde, aber auch erobert und geplündert wurde. Aber Russland ist nicht nur der Kreml.

Trotzdem erzählt ein Buch, das vom Kreml erzählt, immer auch einen Teil der russischen Geschichte. Und die ist viel bunter, als ich vorher gedacht hätte. Das Buch setzt mit der Erbauung des Kreml ein – auch wenn der damals noch ganz anders aussah als heute. Die ersten Bauten lassen sich auf das 12. Jahrhundert zurückführen. Doch die Holzgebäude der damaligen Zeit haben sich nicht erhalten.

Die Herscher des Kreml waren zu Beginn der Goldenen Herde verpflichtet und musste hohe Tribute zahlen. Zu der Zeit gab es verschiedene Herscher und die des Kreml waren nur ein kleiner Teil. Langsam wurden diese jedoch immer mächtiger und schließlich brachte der Kreml die ersten russischen Großfürsten und dann die Zaren hervor. Für die russische Kirche, die sich als die Bewahrer der byzantischen Kirche ansahen, war der Hügel des Kreml heilig und auch ihre Patriarchen mischten bei der Politik des Landes fleißig mit.

Die Autorin schreibt leicht verständlich und das Buch wird durch zahlreiche Abbildungen und Karten ergänzt. In der Mitte des Buches gibt es verschiedene Fotos von alten Gemälden, zum Vergleich aber auch neurere Fotos, die teilweise sogar erst ein paar Jahre als sind. Manche Abschnitte waren mir etwas zu trocken gehalten, das liegt aber wohl mehr an mir. Ich fand es manchmal doch recht ermüdend, alles mögliche über die Architektur des Bauwerkes zu erfahren und wer welche Baumeister wann in den Kreml holte. Fasznierender fand ich die Politik und die herschenden Persönlichkeiten der Zeit. Gerade als der Kreml an politischer Bedeutung unter Peter dem Großen verlor, habe ich es doch bedauert, das ich in Moskau bleiben musste und nicht mit nach St. Petersburg durfte. Überhaupt hätte ich gerne mehr erfahren über die Erforschung Sibiriens, Alaska, die russische Revolution. Andererseits hätte das den Rahmen des Buches massiv gesprengt. So habe ich nun stattdessen meine Wunschliste mit den entsprechende Werken gefüttert und mal sehen, vielleicht schafft meine Bücherei das eine oder andere Buch auch an. ;)

OT: Red Fortress

6 Comments

  1. Das klingt sehr reizvoll! Auch wenn es bestimmt manchmal lästig war, dass man als Leser nicht einfach den faszinierenden Entwicklungen folgen kann, sondern örtlich gebunden ist.

    • Es war wirklich in sehr interessantes Buch – mir war vorher gar nicht bewusst, das Russland über längere Zeit von den Mongolen beherscht wurde. Ich wusste zwar schon, das Dschingis Khan und seine Nachfolger ein riesiges Reich erobert hatte, aber irgendwie fehlte mir dann der Gedanekngang, das Russland besetzt war. Ein Thema, mit dem sich die heutigen russischen Patrioten wohl gar nicht gerne auseinandersetzen…

      • Doch, das wusste ich schon. Aber davon abgesehen habe ich auch riesige Lücken, was die Geschichte der ehemaligen Sowjetunion-Gebiete angeht. Dass mein Geschichtsunterricht grundsätzlich lückenhaft war und während des Kalten Kriegs stattfand, war da auch keine Hilfe :D – und danach gab es so viele Lücken, die ich schließen wollte, dass ich doch häufig bei „naheliegenderen“ Gebieten geblieben bin.

      • Oh, ich wusste das auch, aber es war mir trotzdem nicht be-wusst (ist der Unterschied verständlich?). Ich habe mich vor ein paar Jahren ein bisschen mit mongolischer Geschichte beschäftigt und da kam das natürlich vor. Merkwürdigerweise habe ich daraus aber nie die logische Schliußfolgerung gezogen, das Russland dann das abhängige Land war…
        Wenn ich meinen Geschichtsunterricht zusammen fassen müsste, dann gab es drei Themenbereiche: Mittelalter, die französische Revulotion und das dritte Reich. Der Osten war praktisch nicht existent. :(

      • Jupp, ist verständlich. :)

        Bei mir waren es Ägypten, die Französische Revolution und das Dritte Reich. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich auch ein paar Schulwechsel hatte, die dafür gesorgt haben, dass das nicht gerade kontinuierlich bei mir verlief.

      • Ah, Ägypten ist auch nett – mein Interesse wurde ja erst durch Amelia Peabody geweckt. ;)
        Schulwechsel gabs bei mir keine, der Stoff war einfach so. Es gba natürlich auch noch andere Bereiche, aber immer nur sehr oberflächlich.

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