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Natur und Geschichte – viermal eine spannende Mischung!

Sachbücher über Natur finde ich nur eher mäßig spannend. Aber wenn es um Entdecker, Eroberer und Forscher geht, dann bin ich wieder dabei. Und so habe ich in den letzten Wochen Monaten auch einige sehr interessante Sachbücher gelesen:

kolumbus erbe

„Kolumbus‘ Erbe“ ist ein echtes Schwergewicht. Und unglaublich gut! Charles C. Mann beschäftigt sich in diesem dicken Buch vor allem mit der Frage, was der Beginn der Globalisierung für Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt hatte. Und die sind enorm. Das beginnt mit der Anbau der Kartoffeln in der alten Welt, Tabak, Baumwolle und Sklavenhandel in der neuen Welt. Aber auch die Auswirkungen der Silberminen auf das spanische Königshaus, die Entwicklung von Krankheiten… und das beste ist, es ist außerordentlich mitreißend erzählt. Im Oktober erscheint dann endlich die deutsche Übersetzung des Vorgängerwerkes, „Amerika vor Kolumbus“.

tambora
Wer sich mit der Entstehungsgeschichte von „Frankenstein“ beschäftigt hat, der kennt den Begriff „Jahr ohne Sommer“. Das Jahr 1816 bietet einen kalten, regnerischen Sommer, der dazu führt, das ein illusteres Grüppchen unkonventioneller Engländer, das den Urlaub am Genfer See verbringt, sich gegenseitig Schauergeschichten erzählt. Das ein Vulkanausbruch im fernen Asien die Wetterkapriolen verursachte war nicht bekannt – und wahrscheinlich hätte es niemand geglaubt.
Die Auswirkungen hat Behringer sehr schlüssig dargestellt: Kälte in Europa, anderswo aber kam es auch zu Dürreperioden. Hunger führte zu Verzweiflung, Sündenböcke wurden gesucht (und gefunden: Judenprogrome und Hexenverbrennungen). Spannend! Auf meiner Wunschliste ist nun auch „Kulturgeschichte des Klimas“ gelandet.

pflanzenjäger

Einfach ein bisschen im Internet stöbern und schließlich stieß ich auf „Pflanzenjäger“. Das klingt recht martialisch und so war es teilweise auch. Wer hat schließlich dafür gesorgt, das unsere Gärten, Häuser und Wohnungen mit exotischen Pflanzen bevölkert sind? Orchideen, Kakteen, Palmen und viele mehr wurden von Forschungsreisenden wie Humboldt eingeführt – aus denen sich in schließlich echte Jäger entwickelten, die alles, was ihnen vor die Finger kam, mitnahmen. Die kurzen Porträts sind ein toller Einstieg in diesen Teil der Geschichte. Leider, leider gibt es zu den wenigsten Forschern und Jägern mehr zu lesen.

humboldt

Alexander von Humboldt war da zum Glück die große Ausnahme. Über ihn wurde so viel geschrieben, das ich mich schwer tat, ein Buch für mich zu finden. Schließlich entschied ich mich für dieses Buch, bei dem der Schwerpunkt auf die Reise nach Südamerika liegt – das davor und danach wird nur kurz angeschnitten. Und so ist es auch nicht unbedingt eine Biografie, sondern fast schon eine Reiseerzählung, die aber sehr lebendig und mit vielen Zitaten aus seinen Werken gespickt ist.
Im September erscheint noch ein weiteres Buch über Humboldt, die deutsche Übersetzung eines NY Times Bestsellers: „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“. Klingt auch recht spannend, allerdings ist mein Wissensdurst erstmal gestillt.

9 Comments

  1. „Kolumbus‘ Erbe“ und „Amerika vor Kolumbus“ klingen spannend. Ersteres ist zum Glück sogar in der Bibliothek vorhanden, jetzt muss ich nur noch beim nächsten Besuch daran denken, dass ich es für meine Zweigstelle vormerken lasse. :)

    „Tambora und das Jahr ohne Sommer“ habe ich gerade online schon vorbestellen können. Schlimm, dass du es mit einem Beitrag schon wieder geschafft hast, meine Neugier auf gleich drei Bücher zu wecken. :D („Kulturgeschichte des Klimas“ wäre sogar auch noch im Bestand, aber das wäre dann doch gerade etwas zu viel auf einmal. Ich muss das Ganze ja auch noch interessant finden, wenn ich das Buch endlich in den Händen halte, und innerhalb der Ausleihfrist lesen können! *g*)

    • Hm, ich könnte eigentlich auch noch ein ähnlichen Beitrag mit den besten Romanen der letzten Monate schreiben. Vielleicht findest du dann noch mehr Futter fit Freund Wunschliste. :-)

  2. Vielen Dank für diese Empfehlungen, drei davon treffen auf jeden Fall meine Interessen („Tambora und das Jahr ohne Sommer“ auf den ersten Blick weniger) und bisher hatte ich keines davon auf dem Schirm :-)

    Ich habe zu dem Thema auch schon einige Bücher angesammelt, aber der Fokus liegt etwas anders. In meinen Regalen liegen (leider größtenteils noch ungelesen, aber der Wille ist da…) zum Beispiel:
    * Entdecker (Schwergewicht von Dorling Kindersley)
    * Amanda Adams: Scherben bringen Glück ~ Pionierinnen der Archäologie
    * Detlef Brennecke: Marco Polo
    * Roland Knauer: Die großen Entdecker
    * Bill Laws: Zwiebel, Safran, Fingerhut ~ 50 Pflanzen, die unsere Welt verändert haben (darin geht es eher um Kulturgeschichte der Pflanzen, ist aber sehr schön gemacht)
    * Alexander von Humboldt: Das Lesebuch (von Fischer Klassik)
    Vieles dabei, was mich auch durch die schöne Bebilderung zum Blättern anregt :-)

    • Scherben bringen Glück habe ich vor einiger Zeit schon gelesen, da gibt es hier im Blog auch eine Rezension. Aber das Buch von Bill Laws klingt gut, das werde ich mir näher ansehen! ;-)

      • Ist ja beides vom Gerstenberg Verlag :-) In der Aufmachung gibt es auch noch eines zu 50 Lebensmitteln, die die Welt verändert haben („Zucker, Dattel, Kaviar“). Gibt wohl auch noch mehr (Tiere, Erdschätze usw.), die aber woanders erschienen sind.

  3. Den Post darf ich gar nicht zu genau lesen … Meine Wunschliste explodiert noch! Aber ich möchte schon gerne mehr Sachbücher dieser Art lesen. Ich finde die nämlich eigentlich megaspannend :)

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