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Vladimir Zarev: Familienbrand

Es beginnt mit einem Tod. Assen Weltschev, Familienoberhaupt, Vater von fünf erwachsenen Kindern, stirbt im Ehebett. Es ist kurz vor der Jahrhundertwende. Noch ist das Leben in Widin, einer Kleinstadt an der Donau in Bulgarien beschaulich. Die Mutter versucht, die Familie zusammen zuhalten, doch sind die Kinder zu unterschiedlich, haben verschiedene Interessen und Vorlieben. Da ist der älteste, Jordan, der die Kneipe erbt, Panto, schön und leichtsinnig, Christo, der so gebildet und doch ein Träumer ist und der jüngste Sohn, Ilja, dessen Erbe darin besteht, das er seinem ältestem Bruder zur Hand gehen muss. Auch die Tochter Jonka leidet – ihre Ehe bleibt kinderlos und das Paar tröstet sich mit Alkohol.

familienbrand

Fast 800 Seiten ist „Familienbrand“ dick und behandelt die Geschichte der Weltschevs und damit auch Bulgariens von der Jahrhundertwende bis kurz nach dem zweitem Weltkrieg. Die Familie splittert sich langsam auf, die einzelnen Mitglieder gehen eigene Wege. Viele verlassen schließlich die Kleinstadt und gehen nach Sofia, so das gerade im zweiten Teil die Handlung überwiegend aus der Hauptstadt erzählt wird. Und zeitweise sind es nicht Familienmitglieder, die die Geschichte weiter erzählen, sondern Freunde, Bekannte – und Feinde. Zeitlich bleibt es linear, aber durch die Vielzahl an Personen hatte ich doch gerade am Anfang meine Schwierigkeiten, dem Inhalt zu folgen. Eine Personenübersicht hätte mir da doch sehr geholfen.

Viele Kriege beeinflussen die Geschichte: die Balkankriege, der erste und der zweite Weltkrieg. Monarchisten und Sozialisten bekämpfen sich. Die meisten wollen nur irgendwie weiterleben, überleben. Kinder werden geboren, Menschen sterben, manchmal friedlich, manchmal nicht. Insgesamt ist der Tonfall melancholisch und leider empfand ich ich es teilweise auch recht langatmig. Kein Buch, das man zum Spaß liest, bei dem mensch sich wohlfühlen kann. Dazu kommen gerade im Laufe der Geschichte auch immer wieder Beschreibungen von Folterungen, die übrigens genauso lakonisch wie das restliche Buch erzählt werden.

Doch obwohl ich für das Buch längere Zeit gebraucht habe, habe ich die Familie auch ins Herz geschlossen. Hier gibt es keine guten und schlechten Menschen, kein schwarz-weiß denken. Jeder hat zweit Seiten: Familienvater und skrupelloser Fabrikant. Liebevolle Tochter und betrügerische Ehefrau. Wobei, die schlechten Seiten überwiegen doch irgendwie. Doch trotz aller Kritik, ich bin froh, dass das Abenteuer der Weltschevs gerade erst begonnen hat. Denn dies, auch wenn abgeschlossen, ist erst der erste Teil einer Trilogie und ich habe den zweiten Teil, „Feuerköpfe“ hier schon liegen.

OT: Bitieto

3 Comments

  1. Das klingt interessant, aber ich weiß nicht, ob es mich verlocken würde zum Buch zu greifen. Auf der einen Seite mag ich es, wenn ich mir Geschichte durch Romane erlesen kann, und facettenreiche (relativ) realistische Protagonisten sind auch eindeutig ein Pluspunkt. Aber die von dir erwähnte Langatmigkeit, die Melancholie und die anderen negativen Aspekte schrecken mich gerade eher ab. Auch wenn die Tatsache, dass du noch zum zweiten Band greifst wieder eine Empfehlung ist …

    • Tja, was soll ich sagen? Das Buch ist interessant, aber leider kann ich es dir nicht uneingeschränkt empfehlen. ;)

  2. Pingback: Blogbummel Juli 2017 – Teil 1 – buchpost

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