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Igort: Berichte aus der Ukraine

Erinnerungen an die Zeit der UdSSR – so lautet der Untertitel dieses Buches. Gefunden habe ich es in meiner Bücherei, die eine kleine, aber feine Auswahl an Graphic Novels hat. Und schon nach den ersten Seiten wollte ich es nie, nie wieder zurück geben. Tja – nachdem ich die Ausleihzeit bis auf das äußerste ausgereizt hatte, musste ich mir es mir doch kaufen.

ukraine

2008 und 2009 reiste der italienische Comiczeichner Igort durch die Ukraine und Russland. Herausgekommen sind wirklich erschütternde Lebensgeschichten unterschiedlicher Menschen. Sie erzählen vom Holodomor, der großen, von Stalin verursachten Hungersnot von 1932/33, als Millionen Menschen verhungerten. Sie aßen ihre Haustiere, dann verweste Kadaver und schließlich auch andere Menschen. Doch die Menschen, die den Holodomor überlebten, erzählten auch aus dem weiteren Leben, von Beziehungen, die scheiterten, Kindern, die sich den Eltern entfremdet hatten. Auch die Gegenwart ist nicht leicht, Hoffnungslosigkeit bestimmt das ganze Buch. Denn die Menschen, die den Holodomor als Kinder er- und überlebt haben, müssen sich nun mit winzigen Renten irgendwie durchschlagen.

Der Schwerpunkt des Buches liegt zwar bei den Ereignissen der 1920er, 30er Jahre, doch auch Tschernobyl hat seinen Platz darin. Die Zeichnungen sind schlicht, brutal, manchmal fast schon abstrakt, aber auf jeden Fall erschütternd. In mancher Hinsicht, gerade was die Bemerkungen zu den Beziehungen zu Russland angeht, scheint das Buch schon wieder veraltet zu sein – bzw., von den Vorfällen der letzten Jahre überholt zu sein. Nichtsdestotrotz ist es ein Buch, das ich jedem dringend ans Herz legen möchte.

Igort hat über seine Reise noch ein weiteres Buch geschrieben, das ich zwar noch  nicht kenne, das aber ebenfalls schon auf meiner Wunschliste steht: „Berichte aus Russland (Der vergessene Krieg im Kaukasus)“

OT: Quaderni ucraini – Memorie dai tempi dell’URSS
Leseprobe

2 Comments

  1. „Gefunden habe ich es in meiner Bücherei, die eine kleine, aber feine Auswahl an Graphic Novels hat. “
    Ich wünsche, ich könnte das von einer der drei von mir regelmäßig frequentierten Büchereien sagen, seufz.

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