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Joe Sacco: Sarajevo

Beim Ausbruch der Kriege im ehemaligen Jugoslawien war ich noch Teenager und wirklich verstanden habe ich damals nicht, warum da plötzlich ein Krieg mitten in Europa war. Um ein Verständnis für die Gründe der Kriege zu entwickeln ist diese Graphic Novel zwar nicht geeignet, aber dafür bietet es einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen, die die den Krieg in Bosnien erlebt haben. Bei den drei Geschichten handelt es sich um Reportagen, die hier nicht nur durch den Text, sondern auch durch die entsprechenden Zeichnungen dargestellt wurden.

Teilweise sind die Zeichnungen sehr eindrucksvoll, aber für manche Ereignisse empfand ich sie auch seltsam belanglos. Ich bin mit Sicherheit keine Expertin auf dem Gebiet der Graphic Novels, doch fand ich die Reportagen von Igort einfach beeindruckender.

sarajevo

Da ist zu einem Neven. Seine Geschichte ist übrigens die längste in dem Buch und nimmt etwa zwei Drittel ein. Neven ist ein Fixer – kein Drogenabhängiger, sondern jemand, der alles mögliche für Journalisten in Kriegsgebieten organisiert („to fix“ im englischen): Unterkunft, Transportmittel, Übersetzungen, Kontakte zu den Kämpfern knüpfen, etc. Neven erzählt dabei viel, ob das alles so der Wahrheit entspricht? Das fragt sich auch der Autor selber, denn von anderen Bekannten hört er ganz andere Dinge.

In der zweiten Geschichte geht es um Soba (oder auch Shoba) – Musiker und Maler. Und im Krieg hat er Tretminen gelegt, eine Tätigkeit, die ihn auch später noch verfolgt. Mit Joe Sacco zieht er durch die Nachtclubs und Bars in Sarajewo.

Und in der letzten Geschichte will Joe Sacco zusammen mit anderen Journalisten den Kriegsverbrecher Radovan Karadzic interviewen (der wurde übrigens erst im März diesen Jahres verurteilt).

Vielleicht lag es auch an dem sehr unterschiedlichen Umfang, den diese Reportagen boten, das ich sie so unterschiedlich beurteile. Während ich die letzte sehr belanglos fand, war mir die erste teilweise zu langatmig. Die Story um Soba dagegen war für mich genau passend – durchgehend erzählt, keine Längen, aber auch nicht zu knapp. Kaufen würde ich mir nach dem jetzigen Buch keine weiteres Werk des Autors, aber als Leihbuch aus der Bücherei kann ich es gut vorstellen.

OT: The Fixer und War’s End

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