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Irène Némirovsky: Die Familie Hardelot

Die Hardelots sind eine gut situierte Familie in der französischen Provinz. Noch ahnt niemand, das der erste Weltkrieg bald ausbrechen wird und so fühlt sich die Familie mehr als wohl. Die Papierfabrik sorgt für das nötige Kleingeld und damit jenes auch nicht ausgeht, wurde der Sohn schon mit einem passenden Mädchen mit entsprechender Mitgift verlobt. Dummerweise fühlt Pierre sich mehr zu Agnes hingezogen, deren Mitgift um einiges bescheidener ist. Als ihre heimlichen Treffen in der Stadt bekannt werden, ist Agnes ruiniert – doch Pierre löst zum Entsetzen seiner Eltern seine Verlobung und heiratet Agnes. Dafür wird er verbannt.

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„Die Familie Haderlot“ ist ein dünner Roman, der es aber trotzdem schafft, eine ganze Generation einer Familie darzustellen. Dabei wechselt die Perspektive der kurzen Kapitel immer wieder: Meistens sind es Agnes oder Pierre, die die Geschichte erzählen, aber manchmal bieten sich andere Familienmitglieder besser an. Und vieles wird auch nicht lang erzählt, sondern nur kurz erwähnt. Jedes Kapitel macht einen kleinen Zeitsprung – manchmal einige Wochen, manchmal auch Monate oder Jahre. Dadurch bleibt das Buch ungeheuer lebendig.

Gerade die Selbstgefälligkeit des Bürgertums arbeitet Iréne Némirovsky sehr gut heraus. Ironisch und mit spitzer Zunge schildert sie die Ereignisse, der erste Weltkrieg wird gestreift, dann eine kurze Zeit des Aufbaus, dann die lähmende Angst vor einem erneutem Krieg – er wird kommen, aber vielleicht erst nächsten Monat, nächstes Jahr? Manche Flüchtlinge bestehen auch auf während der Flucht auf anerzogene Verhaltensweise, klammern sich an Dinge, die längst ihre Bedeutung verloren haben.

Leider konnte die Autorin die Veröffentlichung des Buches nicht mehr miterleben. Als gebürtige Jüdin wurde sie während der deutschen Besatzung in Frankreich deportiert und starb 1942 in Auschwitz.

OT: Le biens de ce monde

2 Comments

  1. Eine faszinierende Schrifstellerin. Empfehlenswert ist auch das Buch ihrer Tochter: „The Mirador: Dreamed Memories of Irene Nemirovsky by her Daughter „

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