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Lesung mit Nathan Hill

AAls ich im August das Herbstprogramm der Buchhandlung Dombrowsky gelesen habe, tauchte ein Name auf, der mir bis dahin gar nichts sagte: Nathan Hill würde aus „Geister“ lesen. Neugierig habe ich mich in eine Leseprobe vertieft und schon am nächsten Tag habe ich mir die Karte für die Lesung gekauft, die gestern Abend stattfand. Inzwischen ist das Buch erschienen und ich bin gerade dabei, es zu lesen. Der deutsche Part wurde vom Buchhändler Ulrich Dombrowsky selber gelesen (der leider erkältet war) und moderiert wurde die Veranstaltung von Helga Nusser, die auch als Übersetzerin diente. Am Anfang wurden mehrere deutsche Abschnitte gelesen und zum Schluss las Nathan Hill ein Kapitel.

Für diejenigen, die nicht wissen, worum es geht: Ein Junge wird von seiner Mutter verlassen und soll zwanzig Jahre später für sie aussagen. Denn inzwischen wird seine Mutter beschuldigt, einen angehenden Präsidentschaftskandidaten angegriffen zu haben.

Donald Trump scheint die Vorlage für diesen Politiker zu liefern und so wurde nach dem Prolog, in dem dieser Politiker beschrieben wurde, eine kleine Pause eingelegt, in der die Zuschauer Fragen zur US-Wahl bzw. zu dem Ergebnis stellen konnte – um das Thema danach „abzuhaken“. Um es kurz zu machen – Nathan Hill hat nicht Trump als Vorbild genommen, er schrieb an dem Buch nämlich gute zehn Jahre lang. Und eigentlich sollte dieser Charakter so absurd sein, damit es eben keinerlei Parallelen zu tatsächlichen Personen geben würde.

In den weiteren Abschnitten ging es dann um andere Themen und tatsächlich scheinen einige Ereignisse in dem Buch auf eigene Erfahrungen des Autors zu beruhen: Die Beschreibung der Online Gamer, die Occupy Demonstrationen in New York oder auch Studenten am College, die ungehalten über die Hausaufgaben sind – wie die Romanfigur unterrichtete auch der Autor viele Jahre lang am College Englisch. Insgesamt machte Nathan Hill übrigens einen lockeren, entspannten Eindruck, wobei ich das Gefühl nicht loswerde, das er von dem ganzen Rummel um sein Buch auch sehr überwältigt ist. Welcher Autor wird schon direkt bei seinem Debüt von John Irving unter die Fittiche genommen und mit Jonathan Franzen verglichen, in (bisher) 22 Sprachen übersetzt, hält Lesungen im In- und Ausland? Ich hoffe sehr, das er dem Druck, der mit Sicherheit bei dem nächsten Buch auf ihn lasten wird, stand halten kann…

Es war ein sehr interessanter Abend und leider auch schon seine letzte Lesung in Deutschland. Sein Buch aber bleibt.

5 Comments

  1. Ich bin mir ja nicht sicher, ob das Buch was für mich ist, obwohl ich schon eine Weile drumherum schleiche. Lustig finde ich es aber immer wieder, wenn Leute Figuren beschreiben, die total skurril sein sollen, die aber dann genauso (oder noch schlimmer) in der Realität auftauchen. Oder all die vielen Witze über die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schauspieler US-Präsident werden könnte, bevor Reagan es dann auch wirklich wurde … Auf jeden Fall klingt es, als ob dir die Lesung (und das Buch) viel Spaß bereitet hätte.

    • Vielleicht die Bücherei? Ich würde dir ja mein Buch leihen, allerdings haben sich aus dem Freundeskreis schon zwei Personen gemeldet, das würde also dauern, die lesen beide langsam. ;)
      Reagan war übrigens bei der Fragenrunde auch kurz Thema – genau das, was du angesprochen hast, wurde da auch genannt.
      Der Abend war wirklich interessant und ich bin froh, das mein Buchhändler es geschafft hat, den Autor hier her zu holen – es gab nämlich nur vier Lesungen überhaupt in Deutschland und die vorherigen Städte (Berlin, Hamburg und München) sind ja doch ganz andere Größenordnungen. ;)

  2. Wenn ich so sehe, was du in den letzten Monaten alles mitgenommen hast, dann scheint dein Buchhändler (oder überhaupt die Buchhändler in deiner Stadt) eh sehr engagiert zu sein. Find ich cool! :)

    Ich schau mal in der Bibliothek. Eigentlich wollte ich zwar für den Rest des Jahres meine Ausleihen etwas beschränken, weil ich das Gefühl habe, ich habe zu wenig Zeit für all die anderen Bücher (also meine vorhandenen), die ich auch lesen will, weil ich gerade vor allem nach Abgabetermin der Bibliothek lese.

    Mein Mann meinte in den letzten Tagen, dass schon in den Simpsons Trump als Präsident vorkam und das war lange bevor sich überhaupt jemand vorstellen konnte, dass er in die Politik geht. Schon seltsam, wie es manchmal kommt …

    • Dombrowsky ist definitiv sehr engagiert – da gibt es immer im Herbst und Frühling eine Veranstaltungsreihe. Mir sagen längst nicht alle Autoren zu, aber ich finde jedes mal zwei, drei für mich interessante Lesungen – oder Konzerte, die gibt es da auch. ;)
      Und auch Pustet (das ist eine Kette hier in Bayern) hat eine sehr interessante Auswahl und auch nette Veranstaltungen (vorgestern war ich dort zur Lesenacht, über die wollte ich nachher noch ein bisserl schreiben). Ich merke aber auch selber, wie verwöhnt ich in der Beziehung geworden bin – wenn ich dann hier in einem der Einkaufszentren die üblichen Filialen und deren Angebot sehe, dann, hm…
      Das mit den Simpsons und Trump habe ich auch schon einige Male gehört, da ich die Serie aber selber nicht verfolge, weiß ich auch nicht, wann das war.

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