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Wiederholungstat: Lesenacht in der Buchhandlung

Gibt es was schöneres, als an einem kalten Novemberabend gemütlich in den Sessel zu versinken und ein Buch zu lesen? Eigentlich nicht. Es sei denn, eine Buchhandlung lädt zu einer Lesenacht ein und so habe ich mir auch dieses Mal frühzeitig eine Karte gekauft (ich war übrigens Nr. 4, also sehr früh gekauft!), nahm Kamera, Kissen und Poncho mit und schlenderte letzten Freitagabend durch den Regen zu Bücher Pustet. Nach den Erfahrungen letztes Jahr hatte ich mir einen Plan zugelegt: Ich würde mich sofort im Untergeschoss zurückziehen. Da war es letztes Jahr sehr ruhig, außer mir lasen dort nur zwei Leute. Und wenn ich keine Lust mehr auf Sachbücher hätte, dann würde ich zwischendurch einen kleinen Ausflug ins Erdgeschoss, zu den Romanen machen.

Im Untergeschoss erlebte ich dann einen kleinen Schock. Sämtliche Sessel waren besetzt, indem überall Jacken, Kissen und Decken platziert waren, garniert mit Buchstapeln. Mich erinnerte das so ein bisschen an Bilder von Strandurlauben, bei denen die Liegen frühmorgens mit Handtücher besetzt wurden und danach wird erst mal frühstücken gegangen. Aus dem Cafe über mir hörte ich Gelächter. Da saßen sie also, die Sesselbesetzer! Fies! Gut, dachte ich mir, ein bisschen Bewegung schadet nicht. Setzte ich mich also in den ersten Stock, zu den Jugendbüchern. Auch nett und ich bekomme zwischendurch Bewegung.

Um es kurz zu machen: Auch da war alles voll. Sogar eine Isomatte lag schon parat. Ich muss gestehen, in dem Moment bekam ich etwas Panik – denn so was hatte ich nicht dabei! Sollte ich mich etwa auf den Teppichboden legen müssen? Jetzt flitzte ich ins Erdgeschoss – bei den Neuerscheinungen waren auch alle Plätze besetzt. Schließlich fand ich noch einen leeren Sessel bei den Taschenbüchern. Egal, dachte ich. Hauptsache, ein Sessel! Ich nahm ihn mit meinem Handtuch Poncho & Kissen in Besitz und begab mich auf eine erste Stöbertour.

lesenacht

„1066“ ist ein Sachbuch über die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahre 1066. Ich hatte vor einigen Jahren einen ziemlichen Mittelalter- und Englandtick und habe dazu alles mögliche verschlungen – am liebsten kombiniert wie in diesem Buch. Das Buch lies sich auch ganz gut an, aber trotzdem reizte es mich weniger als vorher gedacht – eher ein Büchereibuch. „Das Nest“ ist eine aktuelle Neuerscheinung – ich habe nur ein Kapitel gelesen und das gefiel mir zwar, konnte mich aber auch nicht richtig fesseln. „Die letzten Entdecker“ entpuppten sich als bedächtig erzählter historischer Roman über die Suche der Franzosen nach einem Flecken Erde, das die Briten noch nicht für sich entdeckt haben. Mir war es zu bedächtig, zumindest der Anfang. Und mit dem vierten Buch, dem Mopsbuch, konnte ich so gar nichts anfangen, wie ich schon nach wenigen Seiten feststellen musste. Also – eine zweite Runde musste her!

Diesmal griff ich spontan bei den Taschenbüchern zu – nämlich „Lebensgeister“ von Banana Yoshimoto. Die habe ich vor ein paar Jahren sehr gerne gelesen, aber irgendwie ein bisschen aus den Augen verloren. Ob das immer noch so ist?

lesenacht

Das Büchlein ist gerade mal 160 Seiten dick und groß gedruckt. Wie so oft bei ihr geht es um den Tod, Trauer, Abschied nehmen. Der Freund der Protagonistin stirbt bei einem Unfall, sie wird schwer verletzt und muss danach langsam wieder auf die Beine kommen. Körperlich geht das, die Verarbeitung des Verlustes dauert länger. Dabei trifft sie auf andere Menschen, die auch trauern, sieht teilweise auch Geister. Ein ruhiges, melancholisches Buch, das mich dann bis zum Ende gefesselt hat.

Als ich mit dem Buch fertig war, ging ich erneut stöbern. Bei den Sachbüchern fand ich dann eine Familienbiografie über die niederländische Familie Six. Das klingt toll, dachte ich und das erste Kapitel bestätigte meinen Eindruck. Wunschlistenmaterial!

Bei den Neuerscheinungen fiel meine Blick auf „Die störrische Braut“ von Anne Tyler – auch so eine Autorin, von der ich schon so lange etwas lesen wollte, aber es aus irgendeinem Grund noch nie tat. Dieses Buch hat mich noch einem anderem Grund angezogen, es ist nämlich eine Neuerzählung von Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“. In dem Buch las ich dann, bis mir die Augen zufielen.

lebensgeister

Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Ende gab ich mich geschlagen, sammelte mein Zeug ein und schlich todmüde heim. Am nächsten Tag, da war ich wieder da, beim Pustet. Und kaufte mir „Die störrische Braut“. Und nächstes Jahr, da komme ich früher!

8 Comments

  1. Ui, da hat sich wohl gut rumgesprochen, wie nett so eine Lesenacht ist!

    Von Banana Yoshimoto habe ich gerade „Moshi Moshi“ aus der Bibliothek ausgeliehen – die Autorin verliere ich auch regelmäßig aus den Augen, obwohl ich ihre Bücher mag. Aber sie verwendet so ähnliche Elemente, dass ich immer etwas Abstand zwischen den Geschichten brauche.

    „Die störrische Braut“ ist also gut? *g* Ich bin gespannt, ob du nach dem Lesen noch mehr dazu erzählen magst. :)

    • Die Lesenacht ist immer auf 40 Teilnehmer beschränkt, aber ich glaube, letztes Jahr hatten relativ viele Isomatten dabei, da haben sich die meisten auf das Erdgeschoss konzentriert. ;)
      Theoretisch gibt es auch genügend Sitzplätze – es gibt z.B. auch zwei große Tische, an die man sich setzen kann und drei Polsterbänke. Aber die Sessel sind eigentlich das beliebteste. ;)
      Ich habe noch nicht weiter gelesen, mir ist Fantasy dazwischen gekommen (von Robin Hobb – warum habe ich die nicht schon früher entdeckt?). ;)

      • Ah, mit der Teilnehmerbegrenzung geht es ja. Aber schon seltsam, dass die Teilnehmer in den letzten zwei Jahren sich so unterschiedlich verhalten haben.

        Keine Ahnung. :D Ich habe die schon Ende der 90er gelesen, war aber damals nicht ganz so begeistert (wobei das vermutlich aber vor allem auf die deutschen Veröffentlichungen zu schieben ist) – und als ich dann einen neuen Versuch mit den Nevare-Titeln machte, passte es mit mir und der Hauptfigur einfach nicht. Was liest du denn gerade von ihr?

      • Den ersten Teil der Weiterseher Trilogie. Ist jetzt kein 5 * Deluce Buch, aber solide 4 *. ;) Die deutsche Ausgaben wurden vor ein paar Jahren nochmal neu überarbeitet und mit neuem Titel versehen – vielleicht sind die jetzt wirklich besser?

        Ende der 90′ war ich noch mehr auf historische Romane fixiert – da gab es an Fantasy für mich nur Tolkien und Marion Zimmer Bradley. Von daher kann ich da noch einiges nachholen.

      • Ah, damit hatte ich – wenn ich mich recht erinnere – auch angefangen. Wobei meine Erinnerungen inzwischen ziemlich lückenhaft sind. *g* Ich tendiere ja gerade dazu, dass ich ganz viele Autoren, die ich in den 80ern und 90ern gelesen habe, noch einmal auf Englisch lesen sollte. Wenn das nur nicht so ein teures Vorhaben wäre … ;)

        Marion Zimmer Bradley habe ich damals auch gern gelesen. Allerdings vor allem die Darkover-Titel – mit den Nebeln von Avalon usw. hat sie mich dann als Leserin verloren.

      • Bei mir hat sich das Interesse doch recht verschoben. Bei MZB habe ich mit den Avalon Büchern begonnen und war hingerissen. Inzwischen kann ich mich dafür gar nicht begeistern. ;) Darkover kam erst viel später.

  2. Gut, dass du dann doch noch ein Plätzchen gefunden hast! Aber es ist natürlich auch schön, dass so eine Veranstaltung viel Anklang findet.
    Ich würde ja auch total gern mal bei so einer Lesenacht mitmachen, aber irgendwie ist mir sowas in Wien noch nie untergekommen.

    Hm, eine Neuerzählung von „Der Widerspenstigen Zähmung“ klingt gut. Und da du dir das Buch am nächsten Tag gekauft hast, hat es dir ja wohl auch gefallen.

    • Es gibt hier sogar noch eine zweite Buchhandlung, die das anbietet – die ist aber wesentlich kleiner und am Stadtrand gelegen und geht nur bis 23.00 Uhr. Da war die Lesenacht übrigens eine Woche zuvor. ;)
      Ich hatte drei Kapitel gelesen und dann waren meine Augen sooo klein, das ich es, wenn ich zu Hause gewesen wäre, nur noch das Licht ausgemacht hätte und eingeschlafen wäre. Ging natürlich, aber da ich nur ein paar Minuten laufen musste, war das auch nicht so tragisch. XD

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