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Ruth Cerha: Bora. Eine Geschichte vom Wind

Bora: „trocken-kalter Fallwind an der dalmatinischen Küste“. So lautet die Definition des Duden. In dem Buch von Ruth Cerha spielt der Bora eine Nebenrolle, aber keine unwichtige.

bora

Die Hauptrolle spielt Mara, eine Schriftstellerin, die jedes Jahr aus Wien auf die Insel fährt um dort zu schreiben, sich zu erholen. Diesmal hat sie die Erholung nötiger als sonst, die Beziehung zu ihrem  Verlobten, S., ist kurz vorher in die Brüche gegangen. Doch im Gegensatz zu sonst kann sie nun nichts schreiben, ihr fallen keine Geschichten, keine Worte ein. Für jemanden wie Mara, die sonst immer sehr diszipliniert schreibt, eine Katastrophe. Sie wird das Gefühl nicht los, das sie so ihre Daseinsberechtigung verlieren wird oder vielleicht schon verloren hat? Sie stellt sich vor, das sie von Männern einer unbekannten Behörde geprüft wird.

In dieser Situation trifft sie Andrej. Der Kosmopolit ist Fotograf, reist durch die Welt und kommt doch immer wieder auf diese Insel zurück. Seine Eltern sind haben hier gelebt, bis sie in die USA auswanderten, er ist dort geboren. Schon bei der ersten Begegnung fühlen sich beide voneinander angezogen, es scheint einfach perfekt zu passen. Doch dann kommt Andrej’s Mutter auf die Insel und Mara stellt immer mehr Fragen, die Auswanderung betreffend.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt und auch wenn der größte Teil des Buches aus der Sicht von Mara erzählt wird, so kommt Andrej zwischendurch auch zu Wort. Hatte ich vorher noch einen eher unbestimmten Eindruck von ihm, so wurde mir seine Person damit sehr viel deutlicher. Seine Handlungen, die ich vorher seltsam fand, wirkten nun logischer.

Es klingt nach leichter Strandlektüre, spricht aber auch andere Themen an: Die Auswanderung aus dem damaligen Jugoslawien unter Tito, aber auch die bisherige Lebensgeschichte von Mara und Andrej. Beide fühlen sich zwar jeweils zum anderem hingezogen, anderseits sind auch beide sehr unabhängige Persönlichkeiten, die sich ja nicht einschränken wollen. Mara hat zudem noch Angst, das aus ihrem Verlangen zu Andrej nur die biologische Uhr spricht – obwohl sie bisher nie Kinder wollte, auch jetzt nicht. Aber vielleicht sind es doch nur ihre Hormone, die sich fortpflanzen wollen, egal, was sie davon hält? Und Andrej vermutet bei sich selber eine Midlife-Krise. Denn um die 40 kann es doch nur das sein – oder?

Eine wunderbare, kleine Geschichte, die eine kleine Insel so bildhaft darstellt, das ich sogar bei Regen das Gefühl hatte, die Sonne würde brennen…

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