comments 2

Derek B. Miller: Ein seltsamer Ort zum Sterben

Als ich mir vor einigen Jahren vornahm, die europäischen Staaten zu erlesen, dachte ich mir schon, das ich bei dem einen oder anderem Land Probleme bekommen würde, passende Literatur zu finden. Allerdings hatte ich da eher Staaten wie die Ukraine oder Weißrussland im Sinn. Über Norwegen hatte ich mir keine großen Gedanken gemacht, den da würde ich doch bestimmt schnell fündig werden, zumal ich auch noch einige Titel auf dem Kindle hatte. Die habe ich dann aber allesamt abgebrochen und einen Krimi wollte ich auch nicht lesen – dachte ich. In der Bücherei stieß ich dann zufällig auf diesen Titel hier und schon die ersten Seiten zogen mich in den Bann.

Der Held des Buches ist Sheldon Horowitz. 82 Jahre alt, ein Veteran des Koreakrieges, der nach dem Tod seiner Ehefrau zu seiner Enkelin zieht. Doch nachdem er fast sein ganzes Leben in New York gelebt hat, ist Oslo für ihn eine große Umstellung. Das seine Enkelin ihn für dement hält, das macht es nicht besser.

Eines Nachts hört er einen Streit aus der Wohnung über seiner. Was die Stimmen sagen, weiß er nicht, es klingt irgendwie osteuropäisch. Schließlich taucht die Wohnungsbesitzerin auf der Flucht bei ihm auf, ihren kleinen Sohn hat sie dabei. Sheldon und der Junge verstecken sich und hören, wie die Frau ermordet wird. Der alte Mann flieht und nimmt den Jungen mit – keine Sekunde denkt er daran, die Polizei einzuschalten.

Was folgt, ist eher ein Road Movie als ein knallharter Thriller. Warum die Frau ermordet wurde und warum der Täter auch unbedingt das Kind haben will, ist schnell klar. Warum Sheldon die Polizei auch am nächsten Tag nicht einschaltet, weniger. Seine Handlungen werden von Erinnerungen gesteuert, von seiner Zeit als Scharfschütze im Koreakrieg, vom viel zu frühen Tod seines Sohnes im späteren Vietnamkrieg. Die Polizei rätselt dagegen zunächst recht erfolglos herum. Was hat ein jüdischer Veteran mit dem Mord zu tun? Warum ist er mit dem Kind geflohen? Ist er wirklich dement?

Die Geschichte des Romanes wird nicht linear erzählt. Es gibt immer wieder Rückblenden, aber auch Träume, die eine wichtige Rolle spielen. Auch der Täter erzählt in Rückblenden, wie es zu der Tat kam. Obwohl Gewalt eine Rolle spielt, fand ich das Buch aber weite Strecken eher beschaulich – wenn Sheldon dem kleinen Jungen einen Wikingerhelm bastelt, so ist das einfach nur nett. Umso drastischer fand ich dann das große Showdown am Ende des Buches – mir war das einfach zu blutig, zu drastisch.

OT: Norwegian by Night

2 Comments

  1. Ich habe den Roman Ende 2013 gelesen und keine konkrete Erinnerung mehr an das Romanende. Meiner Erinnerung nach lässt es der Autor ein wenig unklar, ob Sheldon dement ist oder noch vollkommen fit, hast Du das auch so empfunden?

    • Richtig eindeutig fand ich es auch nicht, ob er wirklich dement ist. Vielleicht spielt auch noch eine verspätete Reaktion auf den Koreakrieg mit rein bzw. eine Mischung aus beidem…

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s