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Julia Keay: Mehr Mut als Kleider im Gepäck

Jahrelang bin ich um das Buch herumgeschlichen. Es stand auf der Wunschliste, wurde runter geworfen und doch immer und immer wieder neu auf die Liste gesetzt. Im Dezember hatte ich genug und kurz entschlossen habe ich es mir dann endlich bestellt. Es klang einfach so faszinierend – Abenteuerlustige Frauen aus dem 19. Jahrhundert, die durch die Welt reisen.

mehr mut als kleider im gepäck

Allerdings haben mir schon die ersten zwei Frauen bzw. ihre Schilderungen einen Dämpfer verpasst. Emily Eden landet nur in Indien, weil ihr Bruder dort Generalgouvenor wird und da sie ihm dem Haushalt führt, reist sie mit. Auch das Leben von Anna Leonowens ist alles andere als glanzvoll. Eigentlich wäre es sehr interessant, aber leider musste erfand sie sich eine komplett andere Biografie. Amelia Edwards war reich und landete eigentlich durch Zufall in Ägypten. Sonderlich sympathisch wirkt sie nicht, aber ihre Nachdenklichkeit, was den Umgang mit den Altertümern angeht, wirkt geradezu modern. Kate Marsden war eine Fanatikerin – die sah ihr Lebensziel darin, Leprakranke zu pflegen und so reiste sie quer durch Sibirien. Von Getrude Bell hatte ich dagegen schon eine Biografie gelesen – sie reiste zwar immer mit sehr viel Kleidern, aber auch viel Mut. Daisey Bates lebte mehrere Jahre bei den Auborigines in Australien, lernte ihre Sprache, ihre Kultur und wusste doch von Anfang an, das sie sie nicht würde retten können.Fanatisch war auch Alexandra David-Néel, die als erste Frau nach Lhasa reiste – verkleidet, mit Dreck beschmiert.

Mich hat die Auswahl der Frauen am Anfang schon recht verstört. Denn gerade Emily Eden, die nie reisen wollte und nur auf Grund ihres Bruders in Indien landete, passt nicht in Reihe mit Frauen wie Kate Marsden oder Getrude Bell, die aus eigenem Antrieb heraus reisten. Natürlich sind die Gründe bei den anderen Frauen auch verschieden gewesen, manche wollten mehr wissen, andere trieb die Reiselust, manche wollten die Welt verändern.

Um sich einen kleinen Einblick in die Welt der unterschiedlichen Frauen zu verschaffen, bietet sich das Buch aber durchaus an. Und teilweise ist es auch alles, was es momentan an Lesestoff gibt. Kate Marsden hat zwar über ihre Reise geschrieben, aber leider ist gerade ihr Buch nur zu Mondpreisen erhältlich.

OT: With Passport and Parasol

2 Comments

  1. Julia | Literameer

    Auf meiner Wunschliste ergeht es dem Buch ähnlich wie auf deiner. Auch bei mir ist es schon mehrmals auf und wieder ab von der Liste gegangen. Momentan steht es drauf, allerdings mit nicht so hoher Priorität und jetzt nach deiner Rezension hat es noch weniger Priorität.

    Das Thema finde ich wirklich interessant. Aber eine Frau, die nur reist um ihrem Bruder den Haushalt zu machen passt auch für mich nicht ganz in diese Auflistung. Schade.

    • Im Nachhinein bedauer ich auf keinen Fall, das ich das Buch gekauft habe, denn einige der Frauen fand ich wirklich faszinierend. Aber das gerade die erste Frau so unpassend ausgewählt wurde, ich doch recht unglücklich gelöst.

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